Rat vom Experten

Arbeitsverdichtung und Arbeitsdruck – Wo liegen die Grenzen?

Personalabbau und Umstrukturierungen haben in vielen Betrieben dazu geführt, dass die gleiche Arbeit von immer weniger Personen in immer kürzerer Zeit gemacht werden muss. Die so entstehende Arbeitsverdichtung und der steigende Arbeitsdruck für die (verbliebenen) Beschäftigten können mittel- und langfristig zu gesundheitlichen Schäden führen. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) setzt der permanenten weiteren Verdichtung von Arbeit eine rechtliche Grenze – was aber häufig übersehen wird. Zu den Maßnahmen des Arbeitsschutzes zählt nach § 2 Abs. 1 ArbSchG auch die menschengerechte Gestaltung der Arbeit.

Menschengerechte Arbeitsgestaltung verlangt insbes., dass der Arbeitgeber die Arbeit so gestaltet und organisiert, dass die Arbeitsbedingungen erträglich sind und die Arbeitsaufgaben schädigungslos ausführbar sind. Es sind dabei die gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu berücksichtigen (§ 4 Nr. 3 ArbSchG). Diese belegen, dass die Überforderung durch die Arbeit in engem Zusammenhang mit dem Entstehen von Gesundheitsschädigungen steht.

Ob im Betrieb Handlungsbedarf besteht, ist durch eine Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln. § 5 Abs. 3 ArbSchG verlangt ausdrücklich, dass bei der Gefährdungsbeurteilung "die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsverfahren, Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren Zusammenwirken" gezielt unter die Lupe genommen werden. Soweit es an einer Gefährdungsbeurteilung fehlt oder diese Aspekte bislang nicht beachtet worden sind, kann der Betriebsrat nach der Rechtsprechung des BAG sein Initiativrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG (Mitbestimmung im Arbeits- und Gesundheitsschutz) geltend machen. Er hat insbes. mitzubestimmen bei der Auswahl eines Analyseverfahrens, damit das die Belastungssituation realistisch erfasst.

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung eine "maßlose" Verdichtung der Arbeit, sind geeignete Schutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu ergreifen. Bei einer gesundheitsschädlichen Überforderung durch die Arbeitsmenge kommen vor allem organisatorische Änderungen und das Zurückstutzen der Arbeitsbelastung auf ein gesundheitsverträgliches Maß in Betracht. Auch bei der Festlegung dieser Schutzmaßnahmen hat der Betriebsrat ein gleichberechtigtes Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG.


Die Inhalte dieser Expertenrubrik wurden freundlicherweise von Rechtsanwalt Ulrich Faber aus der Rechtsanwaltskanzlei "Kompetenzzentrum Arbeitsrecht" in Bochum zur Verfügung gestellt.

© arbeitsrecht.de - (Ulrich Faber)

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