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Kinder in der Kaserne - Kita und Krippe für den Soldatennachwuchs (von Jana Werner und Georg Etscheit, dpa)

Viele Soldaten sind Eltern, finden aber wegen ständiger Versetzungen nur schwer Betreuung für ihre Kinder. Projekte in Lüneburg und München sind Vorreiter für das, was Verteidigungsministerin von der Leyen vorschwebt: eine familienfreundlichere Bundeswehr.

Lüneburg (dpa) - Sam fühlt sich wohl in Haus 19. Der Anderthalbjährige spielt mit Collin, Carl, Martha und Leni, während Vater Thomas gleich nebenan arbeitet. Er ist Soldat, stationiert in der Theodor-Körner-Kaserne im niedersächsischen Lüneburg.

Während andere Bundeswehr-Mitarbeiter nur schwer eine Kita für ihren Nachwuchs finden, haben Sams Eltern in «Theos Zwergenstube» einen Platz bekommen - einer der ersten Kasernen-Kitas in Deutschland. «Das, was Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen plant, eine familienfreundlichere Truppe, wird in Lüneburg bereits gelebt - und zwar wunderbar», sagt Sams Mutter Franziska.

Auch am anderen Ende der Republik sind Bundeswehr und Kinderbetreuung bald keine Gegensätze mehr. Ende April wird von der Leyen (CDU) auf dem Campus der Münchner Bundeswehr-Universität in Neubiberg bei München eine Kinderkrippe eröffnen. Ein wichtiger Termin für die neue Ministerin und ihr Prestigeprojekt.

Lüneburg und Neubiberg zeigen, wie sich die Streitkräfte in Zukunft verändern könnten. Sams Mutter ist Altenpflegerin, sie sagt: «Wenn wir diesen Platz nicht bekommen hätten, hätte ich nicht arbeiten gehen können.» Jahrelange Wartezeiten in den wenigen Einrichtungen machten es fast unmöglich, genau dort einen Platz zu bekommen, wo der Partner stationiert ist. «Wir waren heilfroh, als wir von diesem Angebot gehört haben», sagt Sams Mutter. Ihr Mann Thomas nimmt den Kleinen jeden Morgen mit. «Das ist eine enorme Erleichterung für uns. Wir sparen sehr viel Zeit, weil mein Mann keinen Extra-Weg fahren muss», erzählt die 27-Jährige.

Sams Eltern sind mit ihren Sorgen kein Einzelfall unter den 185 000 Soldaten an bundesweit 35 Standorten. Immer wieder ist die Organisation der Kinderbetreuung eine Herausforderung, wenn ein Elternteil versetzt wird. Klappt das Mitziehen nicht, werden Familien auseinandergerissen - für Wochen, Monate oder sogar Jahre. Nach dem Willen der Ministerin soll es deshalb künftig auch weniger Versetzungen und mehr Teilzeitarbeit geben.

Die Bemühungen um familiengerechte Veränderungen sind an einigen Standorten dabei aber weit älter als die noch kurze Amtszeit von der Leyens. Schon vor fünf Jahren hatte der Kommandeur der Lüneburger Aufklärer, Tim Grünewald, die Idee zu der Kita - oder einer «Großtagespflegestelle», wie es korrekt heißt. «Aber erst 2013 hatten wir den Bedarf belastbar formuliert, Räume und Erzieherinnen gefunden», sagt Grünewald, der selbst zweifacher Vater ist.

Und auch die Kinderkrippe in Neubiberg ist kein Ergebnis der politischen Agenda. «Ich habe sofort nach meiner Berufung im Jahre 2005 dieses Projekt in Angriff genommen», sagt Merith Niehuss, Präsidentin der Bundeswehr-Universität. «Doch die Mühlen der in solchen Dingen damals noch unerfahrenen Bundeswehr-Verwaltung haben sehr langsam gemahlen.»

Dies könnte sich mit dem Rückenwind aus Berlin nun ändern. Von der Leyens Pläne lassen Kommandeur Grünewald zumindest hoffen, «dass Kinderbetreuung unter dem Dach der Bundeswehr zur Normalität wird». Die Verteidigungsministerin sei zwar nicht die Erste, die Familie und Dienst zum Thema gemacht habe, «aber dass sie es als ihr Herzensanliegen beschreibt, ist bei vielen Soldaten sehr gut angekommen».

Bis die Streitkräfte ein wirklich familienfreundlicher Arbeitgeber werden, ist es aber noch ein weiter Weg. Laut Bundeswehr-Universität gibt es Überlegungen, in der Organisation Großräume zu schaffen wie etwa «Südbayern», auf die sich Umzüge dann beschränken. Auch das könnte es für Familien leichter machen, denn damit entfiele die unter Soldatinnen und Soldaten berüchtigte «Nato-Rallye»: Jedes Wochenende pendeln Tausende quer durch die Republik.

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