Betriebsversammlungen erfolgreich gestalten (13/2008)

Einleitung

Betriebsversammlungen laufen in vielen Betrieben - als Frontalveranstaltung - immer nach dem gleichen Muster ab. Häufig übernimmt der Betriebsratsvorsitzende die Versammlungsleitung und ist auch noch der einzige Redner des Betriebsrats. Dabei ist die Betriebsversammlung ein wichtiges Forum für den Betriebsrat, um seine Erfolge zu präsentieren und die Beschäftigten in seine Arbeit einzubeziehen. Wie aber lässt sich die Betriebsversammlung attraktiv gestalten?

Die etwas andere Einladung und Tagesordnung

Bereits im Vorfeld einer Betriebsversammlung kann der Betriebsrat durch die Gestaltung der Einladung und Tagesordnung Aufmerksamkeit erzielen und dazu motivieren, an der Betriebsversammlung teilzunehmen. Immer der gleiche Text, die gleiche Farbe, die gleiche Schrift usw. erzeugt nicht gerade Spannung bei den Arbeitnehmern. Hier sollte der Betriebsrat ruhig einmal etwas Neues probieren und das Ganze vielleicht durch Bilder auflockern, eine andere Farbe wählen oder die Themen als Frage formulieren. Die Einladung soll sich abheben von der "grauen Alltagspost" und ins Auge fallen durch ihre farbliche, sprachliche und inhaltliche Gestaltung.

Tipps für die Gestaltung der Tagesordnung:

  • Die Beschäftigten müssen sofort erkennen können, um was es geht 
  • Die Themen müssen konkret genannt werden 
  • Die Themen müssen auf die Bedürfnisse der Belegschaft zugeschnitten sein 
  • Die angekündigten Themen müssen die Neugier wecken 
  • Der Einladungstext sollte umgangssprachlich sein


Statt "Bericht der Gewerkschaft" könnte es beispielsweise heißen ""Welche Auswirkungen hat der Austritt unseres Arbeitgebers aus dem Arbeitgeberverband für jeden von uns? Unser Gewerkschaftssekretär informiert".

Was ist besonders wichtig?

Der Betriebsrat muss nicht alle seine Beiträge unter dem eher nichtssagenden Motto "Tätigkeitsbericht des Betriebsrats" bringen. Ein besonders wichtiges Thema kann er als Schwerpunktthema herausstellen. Nehmen wir an, der Arbeitgeber plant die Einführung einer neuen Computer-Software.

Dieser Beitrag könnte in der Tagesordnung so angekündigt werden:
Schwerpunktthema: Neue Computer-Software
Erwartet uns jetzt die totale Kontrolle?
Ferdinand Festplatte, Vorsitzender des Technologieausschusses, berichtet.

Noch mehr Abwechslung kann der Betriebsrat bieten, wenn - je nach Thema - auch andere Personen zu Wort kommen wie beispielsweise ein Aufsichtsratsmitglied, ein Mitglied des Gesamtbetriebsrats, der Betriebsarzt, Mitarbeiter der Krankenkasse oder Arbeitsagentur.

Geeignete Rahmenbedingungen schaffen

Nicht unterschätzt werden sollten die äußerlichen Rahmenbedingungen. Stehen die Beschäftigten dichtgedrängt in einem überheizten Raum oder wird vielleicht im Hintergrund sogar lautstark gearbeitet, schleichen sich auch bei dem interessiertesten Belegschaftsmitglied Fluchtgedanken ein. Der Raum sollte weder zu groß noch zu klein sein. Er sollte zudem ruhig sein. Produktionslärm oder sonstiger Lärm beeinträchtigt die Konzentration von Rednern und Zuhörern. Ein bisschen
Dekoration schafft Atmosphäre.

Die Bestuhlung muss bequem sein (möglichst keine Bierzeltbänke), damit jeder Rücken die Betriebsversammlung ohne Schwierigkeiten übersteht. Die Stuhlreihen sollten durch Gänge unterbrochen werden, so dass alle Sitzplätze mühelos erreichbar sind.

Wer sitzt wo?

Die Betriebsversammlung ist die Veranstaltung des Betriebsrats. Er hat die Versammlungsleitung und auch das Hausrecht. Deshalb sitzt das Gremium vorne mit Blick zu den Beschäftigten. Bei größeren Versammlungen ist ein Podest sinnvoll, damit die Betriebsratsmitglieder von allen gesehen werden. Es kann Sinn machen, dass sich einige Betriebsratsmitglieder unter die Belegschaft mischen, um sich von dort aus während der Versammlung mit einer Frage oder einem Diskussionsbeitrag zu Wort zu melden.

Die Geschäftsleitung ist in der ersten Reihe mit dem Gesicht zum Podium gut aufgehoben. Das verhindert, dass sie sofort die Beschäftigten identifizieren kann, die sich bei der Versammlung zu Wort melden.

Teamarbeit bei der Betriebsversammlung

Der Betriebsrat ist ein Team. Deshalb sollten in jeder Betriebsversammlung mehrere Betriebsratsmitglieder einen Redebeitrag leisten. Das hat mehrere gute Gründe. Redner sind unterschiedlich, Zuhörer auch. Der eine mag die sehr sachlichen Ausführungen von Betriebsratsmitglied A, der andere eher die impulsive Art von Betriebsratsmitglied B.

Die Vielseitigkeit der Charaktere im Betriebsrat ist ein großes Plus und kann bei der Betriebsversammlung gut genutzt werden. Zudem ermüdet der Ton einer einzelnen Sprechstimme. Schon aus diesem Grund sollte der Tätigkeitsbericht auf mehrere Betriebsratsmitglieder aufgeteilt werden. Zudem ist die Hürde für den Einzelnen nicht so hoch, wenn er erst einmal mit einem kleinen Beitrag einsteigen kann und keine lange Rede halten muss.

Der Einsatz von Medien und Methoden

Im Berufsleben werden wir immer häufiger mit Power-Point-Präsentationen "beglückt". Text-, Zahl- und Bildinformationen entspringen direkt dem Notebook und sehen auch noch sehr professionell aus. Kein Wunder also, dass auch manche Betriebsräte sich dieser Technik bedienen. Ab und zu eine kleine Präsentation zu bringen, ist in Ordnung, um Sachverhalte visuell zu unterstützen. Nur muss genau überlegt werden, für welche Beiträge sich Power-Point eignet. Eine mitreißende Überzeugungsrede lässt sich nun einmal nicht halten, wenn die Technik dem Menschen die Schau stiehlt. Eine zu perfekte Präsentation kann im schlimmsten Fall sogar einschüchternd wirken und eine Barriere zwischen Betriebsrat und Belegschaft bilden. Den Kontakt zum Publikum kann keine noch so raffiniert gestaltete Power-Point-Projektion ersetzen.

Hinzu kommt, dass der Arbeitgeber diese Technik häufig einsetzt. Hier stellt sich die Frage, ob der Betriebsrat nicht lieber andere Methoden einsetzen will, um seine Themen an die Frau bzw. den Mann zu bringen.

Relativ leicht umzusetzen ist das Interview. Es kann mit unterschiedlichen Personen geführt werden. Auch Betriebsratsmitglieder können sich gegenseitig interviewen. Etwas schwieriger zu steuern, ist eine Podiumsdiskussion, bei der mehrere Akteure ein Thema miteinander diskutieren. Hier kann es schon einmal "heiß" hergehen. Ein Betriebsratsmitglied sollte die Moderation übernehmen, um das Gespräch zu steuern und zu strukturieren.
Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die Betriebsversammlung "aufzupeppen". Wie wäre es zum Beispiel einmal mit einem zum Thema passenden Film?

Wortmeldungen Fehlanzeige?

Wie kann der Betriebsrat erreichen, dass Arbeitnehmer sich zu Wort melden? Zunächst ist es wichtig, Themen auswählen, die die Beschäftigten (und nicht nur den Betriebsrat) wirklich berühren.
Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Möglichkeiten:

  • Visualisierungen einsetzen 
  • Zu Partnergesprächen und/oder Diskussionsrunden auffordern 
  • Gezielt Arbeitnehmer mit der Bitte um einen Wortbeitrag ansprechen 
  • Vertrauensleute oder besonders mutige Beschäftigte als "Eisbrecher" einsetzen 
  • Falls möglich: Mit dem Arbeitgeber seine "Nicht-Teilnahme" vereinbaren 
  • Handmikrofone benutzen
  •  Abteilungsversammlungen durchführen. Hier können die Themen noch besser auf den Teilnehmerkreis abgestimmt werden und im vertrauten Kollegenkreis diskutiert es sich leichter.


Fazit

Jeder Anfang ist schwer. Das gilt auch für Veränderungen bei der Betriebsversammlung. Es muss nicht sofort der "große Wurf" sein. Das überfordert zumeist Betriebsrat und Belegschaft. Rom ist schließlich auch nicht an einem Tag erbaut worden. Bereits kleine Veränderungen und Aktionen bringen Abwechslung in die Betriebsversammlung. Um die dargestellten und weitere Möglichkeiten besser kennenzulernen, die eine oder andere Methode einmal "ungefährdet" ausprobieren zu können und von den Erfahrungen anderer zu profitieren, bietet sich der Besuch eines Seminars an.

Über die Autorin:
Marion Müller,
Referentin für Praxisseminare

© arbeitsrecht.de - (mm)

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