Aufbau und die Bestandteile eines vollständigen qualifizierten Zeugnisses (18/2002)

Gem. § 630 BGB kann der sogenannte Verpflichtete bei der Beendigung eines dauernden Dienstverhältnisses von dem anderen Teil ein schriftliches Zeugnis über das Dienstverhältnis und dessen Dauer fordern. Hierbei handelt es sich um ein einfaches Zeugnis. Darüber hinaus kann der Verpflichtete verlangen, dass das Zeugnis auch auf die Leistungen und die Führungen im Dienste erstreckt wird (qualifiziertes Zeugnis). Nach § 630 BGB ist die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ausgeschlossen.

Ein vollständiges qualifiziertes Zeugnis sollte zunächst einen Eingangssatz enthalten. Der Inhalt dieses Eingangssatzes umfasst den Titel, Vornamen, Namen, Geburtsnamen, Geburtsdatum, Geburtsort sowie die Tätigkeitsbezeichnung und die Dauer des Arbeitsverhältnisses. Hiernach hat die Positions- und Aufgabenbeschreibung zu erfolgen. Hierzu gehören die Angabe der hierarchischen Position im Unternehmen, die Angaben über Haupt- und Sonderaufgaben, Projekte, Ausschüsse etc. sowie erteilte Vollmachten, Kreditkompetenzen, Budgetverantwortungen bzw. Umsatzverantwortungen etc.

Nach der Positions- und Aufgabenbeschreibung erfolgt die Beurteilung der Leistung und des Erfolgs. Hierzu gehören Angaben zur Arbeitsbereitschaft und Motivation sowie zur Arbeitsbefähigung und dem Können. Weiter sind hier aufzunehmen erworbenes Fachwissen sowie Weiterbildung und eventuell erlangte Zertifikate. Anschließen sollten sich hieran Angaben zur Arbeitsweise und dem Arbeitsstil, also z.B. zur Selbständigkeit, Zuverlässigkeit etc..

Auch die Angaben zum Arbeitserfolg und der erzielten Ergebnisse gehören noch zur Beurteilung der Leistung und des Erfolgs. Zu nennen wären hier z.B. die Verwertbarkeit, die Produktivität, die Intensität, Termintreue, Zielerreichung sowie Sollerfüllung. Bei Vorgesetzten sollten hier auch Angaben zu Führungsumständen und Führungsleistungen, z.B. Zahl der Mitarbeiter, Mitarbeiterzufriedenheit, Arbeitsatmosphäre etc. aufgenommen werden.

Am Ende dieses Abschnitts ist eine zusammenfassende Leistungsbeurteilung hinsichtlich der Stetigkeit und dem Grad der Zufriedenheit abzufassen. Nach der Beurteilung der Leistung und des Erfolgs sollte ein vollständiges und qualifiziertes Zeugnis die Beurteilung des Sozialverhaltens enthalten. Hierher gehört die Beurteilung des Verhaltens zuVorgesetzten und Kollegen, das Verhalten zu Externen sowie die soziale Kompetenz.

Der Schlussabsatz soll eventuell eine Begründung enthalten, auf welche Initiative hin das Arbeitsverhältnis beendet wurde. Hierher gehören auch die sogenannte Dankes- oder Bedauernsformel sowie Zukunfts- und Erfolgswünsche.

Das Zeugnis muss auf Originalpapier geschrieben sein und ein Ausstellungsdatum sowie die Unterschrift des zum Ausstellen eines Zeugnisses Bevollmächtigten enthalten.

In der Praxis hat sich bei der zusammenfassenden Leistungsbeurteilung, die die Stetigkeit und den Grad der Zufriedenheit enthalten soll, eine sogenannte Notenskala entwickelt.
Im folgenden hierzu ein paar Beispiele:

  1. "Er (sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt."
    Diese Bewertung entspricht der Schulnote 1. Sie bestätigt sehr gute Leistungen und durch die Hinzufügung des Zeitmoments "stets" wird diese sehr gute Leistung auch durchgehend bestätigt.

  2. "Er (sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt."
    Dies entspricht der Schulnote 2. Sie wird bescheinigt, wenn während der gesamten Beschäftigungszeit ohne Beanstandungen gearbeitet wurde. Auch hier wird durch die Hinzufügung des Wortes "stets" die gute Arbeit durchgehend bescheinigt.

  3. "Er (sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt."
    Dies entspricht der Schulnote 3. Auch hier wird dem Arbeitnehmer bestätigt, dass er zwar durchgehend ohne Beanstandungen gute Arbeit geleistet hat, durch das Weglassen des Zeitmoments "stets" allerdings nicht für die gesamte Beschäftigungszeit.
    Eine befriedigende Benotung, also ebenfalls Schulnote 3, enthält die folgende Floskel, die zwar jetzt das Zeitmoment "stets" enthält, aber bei der Zufriedenheit eingeschränkt wird.

  4. "Er (sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben stets zu unserer Zufriedenheit erledigt."

  5. "Er (sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt."
    Dies entspricht der Schulnote 4. Es fehlt zum einen das Zeitmoment "stets" sowie eine positive Ergänzung zu der nur zufriedenstellenden Wertung.

  6. "Er (sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt."
    Dies entspricht im Ergebnis der Schulnote 5.

  7. "Er (sie) bemühte sich, die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen."
    Diese völlig negative Aussage entspricht der Schulnote 6.

Über die Autorin:
Karin Hummes-Flörke,
Fachanwältin für Arbeitsrecht, Bremen

© arbeitsrecht.de - (khf)

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