Urlaub (10/2001)

Darf der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer aus dem Urlaub zurückzurufen?

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer gem. dem Bundesurlaubsgesetz Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub, der mindestens 24 Werktage beträgt. Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigten, es sei denn, daß ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen.

Zur Erfüllung dieses Urlaubsanspruchs hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer von der Arbeit freizustellen. Bei Beantragung des Urlaubs durch den Arbeitnehmer hat der Arbeitgeber darüber zu entscheiden, ob er den Urlaub gewährt oder ob eben halt dringende betriebliche Belange vorliegen etc., aus denen er den Urlaub ablehnen muss.

Ist dem Arbeitnehmer aber der Urlaub einmal gewährt worden, so kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer grundsätzlich nicht aus dem Urlaub zurückrufen. Auch eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wonach der Arbeitnehmer verpflichtet sein soll, bei Bedarf des Arbeitgebers seinen Urlaub abzubrechen und die Arbeit wieder aufzunehmen, ist unwirksam und der Arbeitnehmer muß seinen Urlaub nicht abbrechen.

Eine solche Vereinbarung verstößt nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts gegen das zwingende Urlaubsrecht und ist daher rechtsunwirksam (Urteile vom 20.06.2000, Az. 9 AZR 404/99 und 9 AZR 405/99). Nur ausnahmsweise und in echten betrieblichen Notfällen kann daher ein Rückruf aus dem Urlaub zulässig sein. In diesem Falle hat aber der Arbeitgeber die dem Arbeitnehmer durch Abbruch des Urlaubs entstehenden Mehrkosten zu ersetzen.

Über die Autorin:
Karin Hummes-Flörke,
Fachanwältin für Arbeitsrecht, Bremen

© arbeitsrecht.de - (khf)

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