Mobbing (14/2001)

Mobbing läßt sich nur sehr schwer fassen, man versteht darunter eine konfliktbeladene Situation unter Kollegen und Vorgesetzten, bei der die unterlegene Person systematisch über längere Zeit angegriffen wird, mit dem Ziel sie auszugrenzen.

Das LAG Thüringen hat in einem relativ neuen Urteil vom 10.04.2001 nun "Mobbing" als einen eigenständigen juristischen Tatbestand gekennzeichnet. Im arbeitsrechtlichen Verständnis charakterisiert das LAG Thüringen den Begriff Mobbing als fortgesetzte, aufeinanderbauende oder ineinander übergreifende, der Anfeidung, Schikane oder Diskriminierung dienende Verhaltensweisen, die nach Art und Ablauf im Regelfall einer übergeordneten, von der Rechtsordnung nicht gedeckten Zielsetzung förderlich sind und jedenfalls in ihrer Gesamtheit das allgemeine Persönlichkeit oder andere ebenso geschützte Rechte, wie die Ehre oder die Gesundheit des Betroffenen verletzen.

Ein vorgefaßter Plan ist nicht erforderlich. Eine Fortsetzung des Verhaltens unter schlichter Ausnutzung der Gelegenheiten ist ausreichend.

Zur rechtlich zutreffenden Einordnung kann dem Vorliegen von falltypischen Indiztatsachen ("mobbingtypische" Motivation des Täters, "mobbingtypischer" Geschehensablauf, "mobbingtypische" Veränderung des Gesundheitszustands des Opfers) eine ausschlaggebende Rolle zukommen, wenn eine Konnexität zu den von den Betroffenen vorgebrachten "Mobbinghandlungen" besteht. Ein wechselseitiger Eskalationsprozeß, der keine Täter-Opfer-Beziehung zulässt, steht regelmäßig der Annahme eines "Mobbingsachverhalts" entgegen (LAG Thüringen, Urteil vom 10.04.2001, db 01, 1204 ff.).

Es ist zu begrüßen, dass Mobbing-Verhaltensweisen zunächst einmal durch die Übernahme des englischsprachigen prägnanten Begriffs in eine gewisse Form gebracht worden ist und nun auch eine handhabbare Definition in der Rechtssprechung vorliegt. Der volkswirtschaftliche Schaden durch "Mobbing" dürfte immens sein. Durch "Mobbing" können schwere psychische und körperliche Schäden, in der Endphase sogar der Ausstoß aus dem Berufsleben hervorgerufen werden. Der Betroffene ist gewissermaßen machtlos, wenn er nicht sehr schnell reagiert und zumindest versucht durch Benennen der Probleme, Gespräche, Beschwerden etc. dem Mobbing Einhalt zu gebieten.

An dem Urteil des LAG Thüringen ist hervorzuheben, daß das Gericht definitiv festgestellt hat, dass

  • Mobbing eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechtes darstellt;
  • eine solche Rechtsverletzung vorliegt, wenn Totalentzug oder Zuweisung einer bestimmten Beschäftigung zielgerichtet als Mittel der Zermürbung eines Arbeitnehmers eingesetzt werden, um diesen selbst zur Aufgabe seines Arbeitsplatzes zu bringen;
  • die Beweisnot des Betroffenen durch Artikel 6 Abs. 1 der europäischen Menschenrechtskommission und damit den Grundsätzen eines fairen und Waffengleichheit achtenden Verfahrens entsprechende Anwendung der §§ 286, 448, 141, I S. 1 ZPO auszugleichen ist und dabei im Zweifel die erforderliche Anhörung einer Partei bei der gerichtlichen Überzeugungsbildung berücksichtigt werden muss;
  • gegen "Mobbing" auch im einstweiligen Verfügungsverfahren vorgegangen werden kann, wenn der Nichterlaß einer einstweiligen Verfügung auf eine Rechtsschutzverweigerung herauslaufen würde und das sich aus dem summarischen Charakter des einstweiligen Verfügungsverfahrens ergebende Fehlentscheidungsrisiko der Antragsgegner (entspricht dem Arbeitgeber) trägt.   


Die Entscheidung dürfte Mobbingopfer ermutigen, früh gegen Mobbing vorzugehen und nicht nur Arbeitgebermaßnahmen wie zum Beispiel Abmahnungen anzugreifen sondern auch Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

Wichtige Tipps bei Mobbing sind folgende:

  1. Sich darüber klar werden, dass Konflikte, Unverschämtheiten und Gemeinheiten sich zielgerichtet gegen die eigene Person richten und "Methode" haben.
  2. Versuchen, alle Schritte des "Mobbers" möglichst mit Angabe von Daten und Zeugen zu dokumentieren.
  3. Alle eventuell vorhandenen schriftlichen Dokumente zu sammeln.
  4. Eine Vertrauensperson im Betrieb suchen und sie möglichst frühzeitig zu informieren.
  5. Sich Gedanken über den Ursprungskonflikt machen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen.
  6. Sich Rückendeckung bei Kollegen und oder Vorgesetzten suchen.
  7. Den Konfliktgegner direkt ansprechen und den Konflikt ausdrücklich benennen.
  8. Eine Vertrauensperson um Vermittlung bitten.
  9. Beratungsmöglichkeiten frühzeitig in Anspruch nehmen.

Über die Autorin:
Christiane Ordemann,
Fachanwältin für Arbeitsrecht, Bremen

© arbeitsrecht.de - (co)

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