Gesetzgebung

Gesetzlicher Mindestlohn für 1,2 Millionen Beschäftigte

Das Ringen um Hartz IV war zäh, jetzt haben sich Regierung und Opposition geeinigt. Die SPD konnte außerdem für Leiharbeit, Wach- und Sicherheitsgewerbe und die Weiterbildungsbranche gesetzliche Mindestlöhne durchsetzen.

Die Oppositionsparteien hätten völlig zu Recht das Prinzip gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der Leiharbeit gefordert, sagte der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Frank Bsirske. "Das war keineswegs eine Maximalforderung, sondern ist das Mindestmaß sozialer Gerechtigkeit beim Einsatz von Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern", betonte Bsirske. Es sei bedauerlich, dass sich die richtige Erkenntnis von CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer, der ebenfalls gleichen Lohn für alle gefordert hatte, nicht durchgesetzt habe. Die gleiche Bezahlung von Leiharbeitern und der Stammbelegschaft sei ein entscheidender Schritt zu existenzsichernden Löhnen, denn derzeit sei jeder achte Beschäftigte in Leiharbeit auf aufstockende Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Gleichzeitig ignoriere Schwarz-Gelb die Notwendigkeit eines existenzsichernden Hartz-IV-Regelsatzes, weil ausgerechnet die niedrigen Löhne von Aufstockern zum Maßstab für die vereinbarte Regelsatzerhöhung gemacht wurden.

Immerhin habe sich die Koalition endlich dazu durchgerungen, in Erwartung der erweiterten Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Europäischen Union ab Mai 2011 den Weg für die zwingend nötigen Branchenmindestlöhne in der Leiharbeit, dem Wach- und Sicherheitsgewerbe sowie in der Weiterbildung frei zu machen.

Im Rahmen der Gespräche zur Neuregelung des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV) hatten sich die Verhandlungspartner darauf geeinigt, für diese Branchen Mindestlöhne einzuführen. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), sagte, es sei ein Paket geschnürt worden, das auch Mindestlöhne enthalte. Sein rheinland-pfälzischer Amtskollege Kurt Beck (SPD) hob hervor, damit profitierten künftig 1,2 Millionen Beschäftigte von Mindestlöhnen. Für die 900.000 Beschäftigten in der Zeit- und Leiharbeitssparte soll es Lohnuntergrenzen geben, die auch in verleihfreien Zeiten nicht unterschritten werden dürfen. 

Damit Leiharbeiter tatsächlich vor Ausbeutung geschützt würden, müsse ihr Einsatz als Streikbrecher unterbunden, die Höchstüberlassungsdauer begrenzt und die Synchronisation von Arbeitsverhältnis und Einsatzdauer der Leiharbeitsbeschäftigten verboten werden, forderte Bsirske.

Auf Antrag Baden-Württembergs und Schleswig-Holsteins wird der Bundesrat am Freitag (25.2.) zu einer Sondersitzung wegen des Hartz-IV-Kompromisses zusammenkommen. Im Interesse der Betroffenen und der Kommunen müsse die ausgehandelte Regelung schnellstmöglich Gesetzeskraft erlangen, begründete der Kieler Regierungssprecher Knut Peters am Montag den Vorstoß von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) und seines baden-württembergischen Amtskollegen Stefan Mappus.

Quelle:
dpa, PM von ver.di vom 21.02.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

Artikel drucken
  • Xing
  • deli.cio.us

Ähnliche Artikel aus Gesetzgebung

Bundesrat beschließt Mindestlohnkontrolle

20.06.2011 | Der Bundesrat hat dem Gesetz zur Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes zugestimmt. In Zukunft wird der Zoll die Zahlungen von Mindestlöhnen in der Leiharbeitsbranche überwachen. [mehr]

Tariftreue in Rheinland-Pfalz

25.03.2011 | In Rheinland-Pfalz gilt seit Anfang März wieder ein Tariftreuegesetz. Behörden dürfen öffentliche Aufträge nur an Unternehmen vergeben, die ihren Arbeitnehmern mindestens 8,50 Euro Stundenlohn bezahlen. [mehr]

Bundesarbeitsministerium bringt Mindestlohnverordnung auf den Weg

18.02.2010 | Das Bundesarbeitsministerium hat das Verordnungsverfahren für Mindestlöhne in den so genannten Altbranchen Gebäudereinigung und Dachdeckerhandwerk mit der Veröffentlichung der Verordnungsentwürfe im Bundesanzeiger am 15.01.2010 eingeleitet. [mehr]

Schutz vor Missbrauch der Zeitarbeit

17.12.2010 | Zeitarbeit macht aus Sicht der Bundesregierung die Wirtschaft flexibler und stärkt den Arbeitsmarkt - vor allem in Krisenzeiten. Um Benachteiligungen von Zeitarbeitern zu verhindern, hat das Kabinett Änderungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes beschlossen. [mehr]

Bundesländer schaffen Tarifstandards

01.09.2010 | Vor zwei Jahren hat der Europäische Gerichtshof die Tariftreue-Regelungen im niedersächsischen Vergabegesetz gekippt. Begründung: Nicht mit Europarecht vereinbar. Jetzt starten mehrere Bundesländer neue Initiativen, um bei öffentlichen Aufträgen Dumping-Löhne zu verhindern. [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

Bauunternehmer haftet für Mindestlohn der Mitarbeiter seines Subunternehmers

05.04.2007 | Ein Unternehmer, der einen Nachunternehmer mit der Erbringung von Bauleistungen beauftragt, haftet nach § 1a Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) für die tariflichen Mindestlohnansprüche der bei dem Nachunternehmer beschäftigten Arbeitnehmer wie ein Bürge. Der hierdurch bewirkte Eingriff in die durch das Grundgesetz geschützte unternehmerische Betätigungsfreiheit der Bauunternehmer ist durch überragend wichtige Gründe des Gemeinwohls gerechtfertigt und entspricht dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. [mehr]

Mindestlohnverordnung ist rechtswidrig

19.12.2008 | Die auf Grundlage des Entsendegesetzes erlassene Mindestlohn-Verordnung (Mindestlohn-VO) verstößt gegen den Gesetzesvorbehalt des Art. 80 Abs. 1 S. 1 GG und ist daher rechtswidrig. [mehr]

Arbeit & Politik

Entsendung und Saisonarbeit sozial gerecht gestalten

21.12.2010 | Flächendeckender Mindestlohn und die Geltung regionaler Tarifverträge für EU-Arbeitsmigranten - die SPD-Bundestagsfraktion hat der Bundesregierung einen Maßnahmenkatalog für die Öffnung des Arbeitsmarktes vorgelegt. [mehr]

Freie Arbeit für freie Bürger

20.09.2010 | Ab Mai 2011 können Arbeitnehmer aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn ohne jede Einschränkung in Deutschland arbeiten. Gewerkschaften fordern Regeln gegen Lohndumping. [mehr]

Änderungskündigung in die Leiharbeit? (20/2007)

26.09.2007 | Die Leiharbeit ist in vielen Betrieben auf dem Vormarsch - mit entsprechenden Auswirkungen für die Stammbelegschaft. Leiharbeitnehmer sollen durch eine Änderungskündigung in eine geringere Vergütung gedrängt oder ganze Betriebsabteilungen ausgegliedert werden, um neue Tarifregelungen anwenden zu können. [mehr]

Maßnahmen gegen Missbrauch von Leiharbeit (07/2010)

07.04.2010 | Unternehmen wie Schlecker wird vermehrt vorgeworfen, die Möglichkeit der Arbeitnehmerüberlassung zu Lasten der Beschäftigten ausnutzen. Die Politik hat nun erste Gegenmaßnahmen eingeleitet. [mehr]

Aus den Zeitschriften

Gute Arbeit: Arbeiten auf dem Schleudersitz

26.04.2010 | Leiharbeit baut keine Brücken in reguläre Beschäftigung, sondern schlägt eine Schneise zu dauerhafter Prekarisierung, zu Armutslohn und Existenzunsicherheit. Das Erkrankungsrisiko bei Leiharbeit ist überdurchschnittlich hoch. [mehr]

Arbeit und Recht: EU-Recht bei der Leihrbeit durchsetzen

29.11.2011 | Hat Deutschland die EU-Leiharbeitsrichtlinie angemessen und effektiv umgesetzt? Im AuR-Kommentar nimmt der DGB-Vorsitzende Michael Sommer kritisch zur Umsetzung der Richtlinie durch den deutschen Gesetzgeber Stellung. [mehr]