Gesetzgebung
Gesetzentwurf zur Hartz-IV-Reform
Bildungsgutscheine und fünf Euro mehr im Monat - die Fraktionen von CDU/CSU und FDP haben jetzt den Gesetzentwurf für die Hartz-IV-Reform vorgelegt.
Das Arbeitslosengeld II (Hartz IV) für Erwachsene soll ab 1. Januar 2011 von jetzt 359 auf 364 Euro monatlich steigen. Die Regelsätze für Kinder bleiben unverändert. Kinder und Jugendliche aus Hartz-IV-Familien sollen zusätzlich gezielt in den Bereichen Bildung und gesellschaftliche Teilhabe gefördert werden. Mit Urteil vom 9. Februar 2010 hatte des Bundesverfassungsgerichts dem Gesetzgeber aufgegeben, die Regelleistungen nach dem Sozialgesetzbuch verfassungskonform neu zu bemessen.
Bei Schülern werden dem Entwurf zufolge für Schulausflüge und mehrtägige Klassenfahrten im Rahmen der schulrechtlichen Bestimmungen die tatsächlichen Aufwendungen anerkannt. Für die Ausstattung mit persönlichem Schulbedarf werden 70 Euro zum 1. August und 30 Euro zum 1. Februar eines jeden Jahres berücksichtigt. Schülern können eine "schulische Angebote ergänzende angemessene Lernförderung erhalten, soweit diese geeignet und zusätzlich erforderlich ist, um die nach den schulrechtlichen Bestimmungen festgelegten wesentlichen Lernziele zu erreichen", heißt es weiter. Wer an einer in schulischer Verantwortung angebotenen gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung teilnimmt, bei dem werden die entstehenden Mehraufwendungen berücksichtigt. Der Bedarf von Minderjährigen "zur Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft" beträgt künftig insgesamt zehn Euro monatlich. Darunter fallen etwa Mitgliedsbeiträge in den Bereichen Sport, Spiel, Kultur und Geselligkeit, Unterricht in künstlerischen Fächern (zum Beispiel Musikunterricht) und vergleichbare angeleitete Aktivitäten der kulturellen Bildung und die Teilnahme an Freizeiten.
Das Gesetz wird unter Berücksichtigung aller Kosten laut Entwurf zu Ausgaben in Höhe von 1,15 Milliarden Euro im Jahr 2011 führen. Davon trägt der Bund 989 Millionen Euro, die Kommunen 219 Millionen. Die Länder würden um 57 Millionen Euro entlastet. Die Erhöhung der Regelsätze schlägt mit 292 Millionen Euro zu Buche, das Bildungspaket für Kinder und Jugendliche aus Hartz-IV-Familien mit 586 Millionen.
Die Leistungen des Bildungspakets werden durch ”personalisierte Gutscheine oder durch Kostenübernahmeerklärungen erbracht“. Ein elektronischen Systems zur Leistungserbringung und Abrechnung, insbesondere zur Einlösung und Abrechnung von Gutscheinen sowie über die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung der für diesen Zweck erforderlichen Sozialdaten, soll mittels Rechtsverordnung eingeführt werden.
Arbeitslosengeld-II-Empfänger sollen in Zukunft mehr von ihren Nebeneinkommen behalten dürfen. Bei einem Verdienst bis zu 1.000 Euro bleiben den Betroffenen laut Entwurf 20 Prozent. Bisher liegt die Grenze bei 800 Euro. Neuerungen soll es auch bei den Kosten der Unterkunft geben. Die Länder können laut Gesetzentwurf die Kreise und kreisfreien Städte durch Gesetz ermächtigen oder verpflichten, durch Satzung zu bestimmen, in welcher Höhe Aufwendungen für Unterkunft und Heizung in ihrem Gebiet angemessen sind. Die Länder sollen die Kreise und kreisfreien Städte auch ermächtigen können, die Bedarfe für Unterkunft und Heizung in ihrem Gebiet durch eine monatliche Pauschale zu berücksichtigen, wenn auf dem örtlichen Wohnungsmarkt ausreichend freier Wohnraum verfügbar ist und dies dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit entspricht.
Quelle:
PM des Deutschen Bundestages vom 27.10.2010
© arbeitsrecht.de - (mst)
Ähnliche Artikel aus Gesetzgebung
Bundesrat stimmt Bildungspaket und höheren Regelbedarfen zu
01.08.2011 | Der Bundesrat hat in einer Sondersitzung der Neuregelung der Regelbedarfe im SGB II und der Einführung des Bildungs- und Teilhabepakets zugestimmt. Die Neuregelungen werden erst nach der Verkündung des Gesetzes wirksam. [mehr]
Gesetz für bessere Eingliederungschancen
25.05.2011 | Die Jobcenter sollen Arbeitssuchende schneller und effizienter in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln. Dazu hat das Bundeskabinett dem "Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt" zugestimmt. Das Gesetz soll im November kommen. [mehr]
Hartz IV - Änderungen ab Januar
16.12.2010 | Ab Januar 2011 treten im Bereich der Grundsicherung, beim so genannten "Hartz IV", gesetzliche Neuregelungen in Kraft. Für das umstrittene Bildungspaket fehlt noch die Zustimmung des Bundesrates. [mehr]
Gesetzesänderungen: Alg-II-Hinzuverdienst und Renten steigen
08.07.2011 | Seit 1. Juli 2011 können sich Rentner und Empfänger von Arbeitslosengeld II über etwas mehr Geld freuen. Die Rentner profitieren vom Anstieg der Gehälter im Vorjahr, wer das so genannte Hartz IV bezieht, darf seit einigen Tagen mehr dazu verdienen. [mehr]
Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:
Rechtsprechung
ALG II: Kein höherer Zuschlag für arbeitsloses Ehepaar
02.11.2007 | ALG II-Empfänger, die in einer Bedarfsgemeinschaft zusammenleben und zuvor beide arbeitslos waren, können nicht mit einem erhöhten Zuschuss rechnen, da bei der Berechnung keine Addition der zuvor bezogenen Arbeitslosengeld-Beträge stattfindet. [mehr]
Hartz IVNicht immer Geld vom Jobcenter für Nebenkostennachzahlung
05.04.2012 | Wer in der Vergangenheit Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II - "Hartz 4") bezogen hat, kann sich nicht darauf verlassen, dass das Jobcenter auch eine Nebenkostennachzahlung übernimmt. [mehr]
Arbeit & Politik
Startschuss für Bürgerarbeit
16.07.2010 | Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat der Langzeitarbeitslosigkeit den Kampf angesagt. Bürgerarbeit soll längerfristig 34.000 Hartz-IV-Empfängern den Weg zurück in eine dauerhafte Beschäftigung bereiten. [mehr]
Kein Mindestlohn für Bürgerarbeit?
11.08.2010 | Die Bundesregierung geht davon aus, dass Langzeitarbeitslose, die künftig im Rahmen von "Bürgerarbeit" vermittelt werden, den einschlägigen Tariflohn erhalten. "Die Linke" kritisiert das Modellprojekt. [mehr]
Newsletter
Das neue Leistungsrecht ab 01.01.2004 (04/2004)
11.02.2004 | Der 01.01.2004 wird für viele Bundesbürger bereits jetzt schon als ein denkwürdiges Datum in die politische Geschichte eingehen. Viele Gesetzesänderungen gelten seit diesem Jahr und nicht wenige (potenziell) Betroffene ahnen wohl noch nichts davon, welche Auswirkungen dies auch auf ihr Leben haben könnte. [mehr]
Weitere Änderungen bei Hartz IV-Reform (15/2006)
19.07.2006 | Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat in den letzten Monaten immer mehr die reformerischen Schwächen des "Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistung" (Hartz IV) zu Tage gefördert und die politisch Verantwortlichen zu weiteren Nachbesserungen gezwungen. [mehr]
Aus den Zeitschriften
AiB Plus: Leiharbeit als Dumpingwerkzeug
12.11.2010 | Seit 1972 ist Leiharbeit erlaubt – lange Zeit allerdings nur innerhalb bestimmter Grenzen. Durch die Hartz-Gesetzgebung fielen viele Schranken zum Schutz der Beschäftigten. Seitdem nehmen die unsicheren und oft schlechter als regulär bezahlten Arbeitsplätze zu. [mehr]