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Präventive Gefährdungsbeurteilung im Theater

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  • Präventive Gefährdungsbeurteilung im Theater

    Präventive Gefährdungsbeurteilung im Theater

    --------------------------------------------------------------------------------

    Das Thema: Präventive Gefährdungsbeurteilung im Theater

    Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

    ich bin Mitglied des Betriebsrates eines Theater in Hamburg.

    mit der Durchführung einer ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung in einem Theater, haben wir damals, 2009, Neuland betreten. Es gab nichts Vergleichbares, nach unserem Wissensstand, in unserer Branche. Wir mussten uns vieles selber erarbeiten.
    Der Betriebsrat hat bei jedem Produktionswechsel den Arbeitgeber gebeten, uns i.S.d. § 90 BetrVG rechtzeitig und umfassend über seine Planung zu informieren, damit wir – insbesondere unter dem Gesichtspunkt der menschengerechten Arbeitsgestaltung und das natürlich im Vorwege – unsere Vorschläge und Bedenken einbringen können.
    Die Theaterleitung erklärte uns gegenüber, dem Beratungsrecht des Betriebsrates sehe sie insofern Grenzen gesetzt, als die konkreten Planungen der technischen Einrichtungen von einer fremden Firma, ebenso vorgenommen würde wie die daraus resultierende Auftragsvergabe. Insofern hätten die Betriebsparteien erst ab dem Moment Einwirkmöglichkeiten, ab dem die technischen und sonstigen Einrichtungen hier im Hause eingebaut würden.
    Es handelt sich also um eine Art „Gastspiel-Situation“:
    Von einem anderen Unternehmen werde eine Show konzipiert, die dann in nahezu fertigem Zustand ins Theater gebracht und hier aufgeführt werde.

    Der Betriebsrat hat, wie oben berichtet, schon seit Jahren darauf gedrungen, dass die Planer in der Produktionsabteilung einen engeren Kontakt mit den Mitarbeitern im Theater pflegen sollen, um deren Ideen und Vorstellungen in der Planung mit einfließen zu lassen.
    Auch die Anforderungen an die Hersteller und Werkstätten sollten klar definiert sein.
    Jedes Kulissenteil, jeder Bühnenaufbau, jedes Requisit und jedes Kostüm ist demnach im Hinblick auf seine Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten im Arbeitsprozess zu gestalten.
    Dass dies versäumt werden kann und welche Folgen dieses Versäumnis hat, mussten unsere Kolleginnen und Kollegen während der Spielzeit am eigenen Leib erfahren – händisch bewegte Kulissenteile, waren zu Beginn der Produktion so bemessen, dass sie gar nicht bewegt werden konnten.
    Erst nach Herausnahme etlicher Stahlteile konnten die Teile überhaupt verfahren werden – wenn auch nur mit mindestens sechs Beschäftigten, wie das Amt für Arbeitsschutz auf Betreiben des Betriebsrats feststellte. Nicht einmal das genaue Gewicht dieser Kulissenteile war bekannt und entsprechend wenig konnten die Maßgaben der Lastenhandhabungsverordnu ng umgesetzt werden.
    Ein Gutachter errechnete ein Gewicht von rund vier Tonnen pro Teil und erst eine auf Antrag des Betriebsrats eingesetzte Einigungsstelle beauftragte denselben Gutachter damit, die Kulissenteile im Hinblick auf Möglichkeiten zur Erleichterung der Arbeit (Griffe, Zieh- und Schiebehilfen usw.) zu analysieren.“
    Die Anforderungen an die Hersteller und Werkstätten sollten klar definiert sein.
    Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis alle Änderungen zum einigermaßen besseren Handling der Kulissenteile abgeschlossen waren.


    Im Jahre 2015 wurde die Betriebssicherheitsverord nung novelliert.

    In § 3 BetrSichV, Gefährdungsbeurteilung steht:
    Der Arbeitgeber hat vor der Verwendung von Arbeitsmitteln die auftretenden Gefährdungen zu beurteilen.
    (Gefährdungsbeurteilung) und daraus notwendige und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten.

    Wichtig ist dabei das Wort vor, der Arbeitgeber dürfte also Arbeitsmittel, dazu gehören auch Bühnenteile, ohne Gefährdungsbeurteilung nicht in den Verkehr bringen.
    Das ist unsere Sicht, so wie wir die BetrSichV interpretieren.
    Ist das richtig so?

    Unsere Fragen lauten:
    Ist die Betriebssicherheitsverord nung 2015 dazu geeignet, unseren Arbeitgeber rechtlich dazu zu zwingen, im Vorwege Arbeitsmittel/Bühnenteile einer
    Gefährdungsbeurteilung zu unterziehen in Beteiligung mit dem Betriebsrat?
    Gibt es eine Betriebsvereinbarung die das Verfahren der Durchführung der Betriebssicherheitsverord nung 2015 regelt?

    Mit freundlichen Grüßen

    fredox

  • #2
    AW: Präventive Gefährdungsbeurteilung im Theater

    Zitat von fredox Beitrag anzeigen
    Präventive Gefährdungsbeurteilung im Theater

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    Das Thema: Präventive Gefährdungsbeurteilung im Theater

    Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

    ich bin Mitglied des Betriebsrates eines Theater in Hamburg.

    mit der Durchführung einer ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung in einem Theater, haben wir damals, 2009, Neuland betreten. Es gab nichts Vergleichbares, nach unserem Wissensstand, in unserer Branche. Wir mussten uns vieles selber erarbeiten.
    Der Betriebsrat hat bei jedem Produktionswechsel den Arbeitgeber gebeten, uns i.S.d. § 90 BetrVG rechtzeitig und umfassend über seine Planung zu informieren, damit wir – insbesondere unter dem Gesichtspunkt der menschengerechten Arbeitsgestaltung und das natürlich im Vorwege – unsere Vorschläge und Bedenken einbringen können.
    Die Theaterleitung erklärte uns gegenüber, dem Beratungsrecht des Betriebsrates sehe sie insofern Grenzen gesetzt, als die konkreten Planungen der technischen Einrichtungen von einer fremden Firma, ebenso vorgenommen würde wie die daraus resultierende Auftragsvergabe. Insofern hätten die Betriebsparteien erst ab dem Moment Einwirkmöglichkeiten, ab dem die technischen und sonstigen Einrichtungen hier im Hause eingebaut würden.
    Es handelt sich also um eine Art „Gastspiel-Situation“:
    Von einem anderen Unternehmen werde eine Show konzipiert, die dann in nahezu fertigem Zustand ins Theater gebracht und hier aufgeführt werde.

    Der Betriebsrat hat, wie oben berichtet, schon seit Jahren darauf gedrungen, dass die Planer in der Produktionsabteilung einen engeren Kontakt mit den Mitarbeitern im Theater pflegen sollen, um deren Ideen und Vorstellungen in der Planung mit einfließen zu lassen.
    Auch die Anforderungen an die Hersteller und Werkstätten sollten klar definiert sein.
    Jedes Kulissenteil, jeder Bühnenaufbau, jedes Requisit und jedes Kostüm ist demnach im Hinblick auf seine Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten im Arbeitsprozess zu gestalten.
    Dass dies versäumt werden kann und welche Folgen dieses Versäumnis hat, mussten unsere Kolleginnen und Kollegen während der Spielzeit am eigenen Leib erfahren – händisch bewegte Kulissenteile, waren zu Beginn der Produktion so bemessen, dass sie gar nicht bewegt werden konnten.
    Erst nach Herausnahme etlicher Stahlteile konnten die Teile überhaupt verfahren werden – wenn auch nur mit mindestens sechs Beschäftigten, wie das Amt für Arbeitsschutz auf Betreiben des Betriebsrats feststellte. Nicht einmal das genaue Gewicht dieser Kulissenteile war bekannt und entsprechend wenig konnten die Maßgaben der Lastenhandhabungsverordnu ng umgesetzt werden.
    Ein Gutachter errechnete ein Gewicht von rund vier Tonnen pro Teil und erst eine auf Antrag des Betriebsrats eingesetzte Einigungsstelle beauftragte denselben Gutachter damit, die Kulissenteile im Hinblick auf Möglichkeiten zur Erleichterung der Arbeit (Griffe, Zieh- und Schiebehilfen usw.) zu analysieren.“
    Die Anforderungen an die Hersteller und Werkstätten sollten klar definiert sein.
    Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis alle Änderungen zum einigermaßen besseren Handling der Kulissenteile abgeschlossen waren.


    Im Jahre 2015 wurde die Betriebssicherheitsverord nung novelliert.

    In § 3 BetrSichV, Gefährdungsbeurteilung steht:
    Der Arbeitgeber hat vor der Verwendung von Arbeitsmitteln die auftretenden Gefährdungen zu beurteilen.
    (Gefährdungsbeurteilung) und daraus notwendige und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten.

    Wichtig ist dabei das Wort vor, der Arbeitgeber dürfte also Arbeitsmittel, dazu gehören auch Bühnenteile, ohne Gefährdungsbeurteilung nicht in den Verkehr bringen.
    Das ist unsere Sicht, so wie wir die BetrSichV interpretieren.
    Ist das richtig so?

    Unsere Fragen lauten:
    Ist die Betriebssicherheitsverord nung 2015 dazu geeignet, unseren Arbeitgeber rechtlich dazu zu zwingen, im Vorwege Arbeitsmittel/Bühnenteile einer
    Gefährdungsbeurteilung zu unterziehen in Beteiligung mit dem Betriebsrat?
    Gibt es eine Betriebsvereinbarung die das Verfahren der Durchführung der Betriebssicherheitsverord nung 2015 regelt?

    Mit freundlichen Grüßen

    fredox

    Wenn man dieselbe Frage bereits 2x gestellt hat ( 1.10.16 und 5.10.16) und darauf keine Antworten erhalten hatte, dürfte es kaum wahrscheinlich sein, das man dann beim dritten Mal eine Antwort erhält.

    VG
    Gast_SBV

    Kommentar


    • #3
      AW: Präventive Gefährdungsbeurteilung im Theater

      Hallo fredox,

      sie kann dich bei dieser forderung unterstützen. geeignet ist jedoch das betrVG welches im § 87 regelt, dass Maßnahmen die dem Arbeitsschutz dienen mitdem betriebsrat zu vereinbaren sind.
      Ja eine BV zur Gefährdungsbeurteilung kann zwingend erstellt werden (Einigungsstellenfähig)
      Ja der BR ist beider Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen (sieht auch die Berufsgenossenschaft und in NRW das Amt für Arbeitsschutz so)
      Unterstützung hierbei Extern bietet u.a. neben den Gewerkschaften u.a. die TBS

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