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Alt 09.01.2012, 20:25
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Standard Die Ausbildung macht mich krank.

Hallo allerseits,

habe mich hier angemeldet, weil ich inzwischen nicht mehr so recht weiter weiß.

Absolviere momentan eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann und nähere mich nun der mitte des 2. Ausbildungsjahres. Meine Probleme mit dem Betrieb wuchsen immer weiter, und langsam drohen Sie, mir über den Kopf zu wachsen. Ich hatte eigentlich als Fachinformatiker Systemintegration dort angefangen, die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht (Beleidigungen, 8-9h/Tag stehen und nach unten schauen), dass ich am Rande des körperlichen Zusammenbruchs war. Da ich allerdings in der Probezeit war, versuchte ich, mir nichts anmerken zu lassen, bis es eben nicht mehr ging. Daraufhin glückte ein Wechsel firmenintern als Kaufmanns-Azubi.

Ich möchte es mal schildern und es ein wenig gliedern. Zunächst einmal die "eindeutigen" Missstände:

Betriebsstärke 60 fest angestellte MA. ca noch einmal dieselbe Anzahl Aushilfen / Praktikanten. Kein Betriebsrat, kein Personalrat. wöchentliche Arbeitszeit: 40h. Pausen sind nicht vorgesehen. Die meisten machen zwar Raucherpausen, aber wenn man sagt, man möchte eine längere Mittagspause einlegen (>15 Minuten) wird man unter Druck gesetzt, man solle doch am Platz essen (wegen der ständigen Erreichbarkeit). Somit sind Überstunden, auch als Azubi, quasi in jedem Monat vorprogrammiert. Meine Ausbildungsvergütung wurde noch nie rechtzeitig gezahlt (ca. immer eine Woche zu spät). Ich sitze mit meinem Chef und der kompletten Büroausstattung für 3 Personen(4 Tische, 2 Regale, Mülleimer) in einem ca. 10qm großen Büro. Früher saßen dort 3 Personen, nun "nur" noch ich und mein Chef. Dort ist gerade genug Platz, um zum Fenster und zur Tür zu kommen. Man kann sich ausmalen, wie es war, als dort 3 Leute saßen.

Nun zu den weniger "eindeutigen" Dingen: Das Betriebsklima ist vergiftet. Bis aufs Mark. Mein Chef ist kontroll- und streitsüchtig. Seine liebste Beschäftigung besteht darin, "Hassmails" zu schreiben und andere aus purer Egoaufpolierung in seine Fallen laufen zu lassen. Wenn ihm irgendwas nicht passt, was ich sage, dann muss ich mich der Lüge bezichtigen lassen (Was mich jedesmal bis aufs Blut ärgert, weil ich ein grundehrlicher Mensch bin).

Bedingt durch den Käfig (10qm), der bei uns als Büro dient, versteht man sein eigenes Wort nicht, wenn mein Chef und ich gleichzeitig telefonieren. Ich darf also nicht mehr laut reden (Verbot vom Chef). Ausserdem habe ich Probleme mit der Lungenfunktion, seit ich in diesem Laden arbeite (aber dazu später mehr), und muss manchmal tief Luft hohlen. Das ist meinem Chef allerdings zu laut. Meistens kommt dann ein "Kannst du mal aufhören, so laut zu atmen". So geht das weiter. Dazu kommt noch der Kontrollwahn. Inzwischen wird alles ausgewertet. Telefonauswertungen, Margenauswertungen, Zeitauswertungen... Und mein Chef behandelt mich immer mehr wie einen "normalen" Mitarbeiter und es klingt immer mehr mit, dass ich doch mal mehr "Marge" für das Unternehmen generieren solle... Und ich kann mir irgendwie nicht erklären, wie wochenlange Telefonkaltakquise-Aktionen mit meinem Ausbildungsrahmenplan zusammenpassen sollen...

Generell, der Ausbildungsrahmenplan. Anscheinend nicht das Papier wert, auf dem er geschrieben ist. Aus dem 1. Lehrjahr sind immer noch fast die Hälfte der Themen gar nicht oder meiner unfachgemäßen Meinung nach nicht richtig behandelt.

Nun zur Gesundheit: Seit ich dort am Anfang meiner Ausbildung in den Genuss von 8-9h / Tag Stehens und nach unten Schauens (wie oben beschrieben) gekommen bin, habe ich Probleme mit meiner Halswirbelsäule. Mein Arzt hat letztens ein beginnendes Asthma festgestellt. Seit ca. 3 Monaten habe ich Schlafstörungen. Wenn ich Abends nach Hause komme, bin ich so kaputt, dass ich kaum den Schlüssel in der Haustür umdrehen kann. Der Rest des Tages läuft nur noch wie in Watte gepackt ein. Oft leide ich abends unter Schwindel, der sich inzwischen auf den ganzen Tag erstreckt. Und inzwischen weiß ich Montags (wie z.B. heute) nicht mehr, wie ich den Rest der Woche überstehen soll. Wenn ich von Berichten von einer Bekannten von mir höre, die imho eine sehr gute Ausbildung bei der Handwerkskammer macht, kommen mir die Tränen.

Mir ist bewusst, dass das eine sehr lange Ausführung war, vielleicht hat sich jemand tatsächlich die Mühe gemacht, sie zu lesen. Was soll ich tun? Ich hatte schon öfter Gespräche mit meinem Ausbilder (nicht mein Chef). Antwort war: So läuft es hier eben. Dieser Ausbilder war bisher so eine Art Vertrauensperson und der einzige, der sich ein wenig für die Azubis eingesetzt hat. Der ist aber inzwischen auf völlig resigniert und geht. Ich weiß nicht mehr weiter. Die Konfrontation mit meinem Chef suchen? Ich fürchte, er würde das als Aufforderung zum "Krieg führen" sehen und mich noch schlechter behandeln. Ich weiß wirklich nicht mehr weiter.

Geändert von RM5606 (09.01.2012 um 20:39 Uhr).
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