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Gute Arbeit: Demografische Entwicklung kein Grund zur Panik

In den kommenden Jahrzehnten wird es in Deutschland deutlich mehr ältere Menschen geben. Rentenkürzungen – auch über den Umweg der Heraufsetzung des Rentenalters – lassen sich damit aber nicht begründen. Den Sozialstaat belastet etwas anders viel mehr: Der Anteil sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung bei allen Erwerbspersonen hat drastisch abgenommen und nimmt weiter ab.

Kommen heute noch zirka 31 Ältere über 65 auf 100 Personen mittleren Alters, werden es in 50 Jahren voraussichtlich doppelt so viele sein. Mit Trendmeldungen über die vermeintlich dramatischen Folgen der demografischen Entwicklung lässt sich das Statistische Bundesamt für das politische Projekt "Rente mit 67" instrumentalisieren. Die Argumentation steht aber auf wackligen Füßen, meinen Professor Ernst Kistler und Falko Trischler in einem Beitrag für die Juli-Ausgabe der Zeitschrift Gute Arbeit.

Entscheidend sei nämlich das Verhältnis aller nicht erwerbstätigen Menschen, die "versorgt" werden müssen, zu den Erwerbspersonen. Und zur ersten Gruppe gehören nicht nur Ältere, sondern auch Junge. Deren Anteil an den Erwerbspersonen ist seit Jahren rückläufig und werde auch niedrig bleiben. Es komme also auf den Anteil der Erwerbspersonen an der Gesamtbevölkerung an, der Kinder, Jugendliche und Ältere mitzählt. Dieser liegt derzeit bei knapp über 50 Prozent und wird – je nach Schätzvariante – höchstens geringfügig zurückgehen. Die Experten sehen also keinen Grund zur Panik.

Trotzdem: Finanzierungsprobleme werden die Sozialsysteme haben. Auch die Rentenkassen. Probleme für die Sozialsysteme – auch die Rentenkassen - erwarten sie aber aus anderen Gründen aus anderen Gründen: Seit Jahren wächst der Anteil derjenigen, die zwar arbeiten, aber nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und daher keine Sozialbeiträge zahlen. 1992 kamen auf 100 Erwerbspersonen noch 77 sozialversicherungspflichtige Beitragszahler, 2008 waren es nur noch 68. Tendenz weiter rückläufig. Hier liege das eigentliche Problem, das die Politik angehen muss.

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