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Gute Arbeit: Arbeiten auf dem Schleudersitz

Leiharbeit baut keine Brücken in reguläre Beschäftigung, sondern schlägt eine Schneise zu dauerhafter Prekarisierung, zu Armutslohn und Existenzunsicherheit. Das Erkrankungsrisiko bei Leiharbeit ist überdurchschnittlich hoch.

Das Mantra von Politik und Arbeitgebern, Leiharbeit sei ein Weg in reguläre Beschäftigung, wird auch durch ständiges Widerholen nicht richtig. Zwar werden für die Leiharbeitsbranche weit überdurchschnittlich Arbeitslose rekrutiert, doch die Mehrzahl der eingestellten Arbeitslosen landet bald wieder in Arbeitslosigkeit. Wilhelm Adamy, Experte für Sozialpolitik beim DGB, fasst die einschlägigen Fakten im Mai-Heft der Zeitschrift Gute Arbeit zusammen. Gut die Hälfte der Leiharbeitsverträge dauert weniger als drei Monate. Drei Viertel der beschäftigten Leiharbeiter werden binnen eines Jahres erneut arbeitslos. Pro Monat verlieren 6 Prozent der Leiharbeiter ihren Job – ein zehn Mal höheres Entlassungsrisiko als im verarbeitenden Gewerbe.

Leiharbeit macht auch arm. 77 Prozent der Vollzeit beschäftigten Leiharbeiter sind im Sinne der EU-Statistik Niedriglohnempfänger. Jeder siebte bis achte Vollzeit arbeitende Leiharbeiter ist ergänzend auf Hartz IV-Leistungen angewiesen. Geht der Job verloren, landet sofort jeder Vierte bei Hartz IV.

Und schließlich macht Leiharbeit auch krank: Leiharbeitende sind von fast allen Krankheitsdiagnosen stärker betroffen als der Durchschnitt der Beschäftigten. Die Fehlzeiten männlicher Leihbeschäftigter liegen um 18% über dem Durchschnitt. Sie leiden unter der Unsicherheit ihrer Situation, zumal sie oft unter ihrer Qualifikation eingesetzt werden. Aus DGB-Sicht ist die Politik gefordert, equal pay und equal treatment für Leiharbeiter durchzusetzen.

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