Arbeit & Politik

DGB-Ausbildungsreport 2012Das geltende Recht durchsetzen!

Zum siebten Mal hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im September seinen jährlichen Report zur Lage auf dem deutschen Ausbildungsmarkt und zur Qualität der betrieblichen Ausbildung vorgelegt. Der Befund: Trotz lauter Klagen über den Mangel an Nachwuchs bilden rund drei Viertel der Unternehmen gar nicht aus. Auch hält sich nicht jeder Ausbildungsbetrieb an die Vorschriften.

"Gemessen an dem lauten Klagen der Arbeitgeber über einen Mangel an Auszubildenden hat sich überraschend wenig getan. Die Probleme von Auszubildenden sind in den letzten Jahren leider nicht geringer geworden", sagte Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, bei der Veröffentlichung des Ausbildungsreports 2012 in Berlin.

Der Ausbildungsreport dient nicht nur als Aufforderung an Unternehmen, Verbände, Politk und Berufsschulträger, Defizite in der Ausbildung zu verbessern. Praktisch soll der im Internet frei erhältliche Report jungen Menschen eine Orientierung auf den Ausbildungsmarkt geben und sie und ihre Eltern in die Lage versetzen, die Qualität eines Ausbildungsbetriebs zu beurteilen.

Im neuen Ausbildungsreport wird die Qualität der Ausbildung in verschiedenen Branchen anhand maßgeblicher Kriterien untersucht. Dazu gehören z.B. die Arbeitszeiten, die Vergütung und die fachliche Anleitung, die im Ausbildungsbetrieb erteilt wird. Für die Auswertung wurden in diesem Jahr 12.039 Auszubildende aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt. Das sind über 2.500 Personen mehr als im vergangenen Jahr.

Das Ranking der 25 häufigsten Ausbildungsberufe erwies sich als stabil. Die höchste Meinung von der Qualität ihrer Ausbildungsbetriebe hatten erneut die angehenden Bank- und Industriekaufleute und unter den technischen Berufen die Mechatronikerinnen und Mechatroniker. Auf den letzten drei Plätzen der Liste landeten wie im Vorjahr die Ausbildungsgänge für Fachverkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk, Restaurant- und Hotelfachleute.

Die "rote Laterne" in der Ausbildungsqualität bleibt damit beim Hotel- und Gaststättengewerbe. Wenig verwunderlich ist daher, dass auch die Abbrecherquote der Ausbildungen entsprechend hoch ist: So wird fast jeder zweite Ausbildungsvertrag für Restaurantfachleute (47,6 Prozent) vorzeitig aufgelöst, ein Viertel der Ausbildungsplätze ist nicht besetzt. Dazu Ingrid Sehrbrock: "Es ist offensichtlich, dass zwischen der Ausbildungsqualität auf der einen und der Abbrecherquote sowie dem Bewerbermangel auf der anderen Seite ein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Nur Konsequenzen werden nicht gezogen."

Der Anteil der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden leisten müssen, ist mit 38,1 Prozent in diesem Jahr leicht zurückgegangen. Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben erhält fast jeder Fünfte weder einen Freizeitausgleich noch eine entsprechende Vergütung für die geleisteten Überstunden.

10,8 Prozent der Auszubildenden müssen nach eigenen Angaben ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Defizite gibt es auch in der betrieblichen Betreuung: 8,2 % der Befragten gaben an, gar keinen Ausbilder zugeteilt zu haben, weitere 10,1 Prozent gaben an, ihre bestellte Ausbilderin oder der Ausbilder stünden selten oder nie zur Verfügung.

Neben der betrieblichen Ausbildung war in diesem Report auch die Qualität der Berufsschulen Gegenstand der Befragung. 56,3 Prozent der befragten Auszubildenden  bewertete die fachliche Qualität ihrer Berufsschulen als "gut" oder "sehr gut" (fünf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr). 29,1 % bezeichnete die Unterrichtsqualität als "befriedigend" und 14,6 Prozent nur als "ausreichend" bis "mangelhaft". Dabei zeigt sich in der Statistik ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Ausstattung der Schulen mit technischen Geräten und Unterrichtsmaterialien und der Zufriedenheit der Berufsschülerinnen und Berufsschüler.

Als aussagekräftige Hintergrundinformation sind im Report auch 20 Anfragen an die Beratungsseite der DGB-Jugend "Dr. Azubi" abgedruckt. Die Mitteilungen wurden selbstverständlich anonymisiert, machen aber deutlich, worin in der Praxis der Unterschied zwischen guter und schlechter Ausbildung besteht.

Den DGB-Ausbildungsseport 2012 und die detaillierten Stellungnahmen des DGB finden Sie hier.

Weiterführende Informationen:

Ausbildungsreport 2012: Die wichtigsten Zahlen (PDF)

Zum Vergleich: DGB-Ausbildungsreport 2011

Beratung und Hilfe: DGB-Jugend: Dr. Azubi

© arbeitsrecht.de - (ck)

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