Arbeit & Politik

LohnstatistikZwanzig Prozent der Beschäftigten erhalten nur einen Niedriglohn

Das Bundesamt für Statistik hat die Ergebnisse einer aktuellen Erhebung zur Struktur der Arbeitsverdienste 2010 vorgestellt. Die Zahlen bestätigen den Trend zu atypischer Beschäftigung und Niedriglöhnen. Besonders wenig verdienen Arbeitnehmer im Taxi- und Reinigungsgewerbe, in Gaststätten- und Friseurbetrieben und in Kinos.

Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik arbeiteten im Jahr 2010 20,6 Prozent aller Beschäftigten in Betrieben mit zehn und mehr Beschäftigten für einen Niedriglohn. Im Jahr 2006 habe der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn noch bei 18,7 Prozent gelegen. Mit dieser Steigerung setze sich laut Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, ein längerfristiger Trend fort.

Für die Erhebung haben die Wissenschaftler zur Abgrenzung des Niedriglohnbereichs eine international verwendete Definition zugrunde gelegt. Niedriglohn liegt vor, wenn der Verdienst eines Beschäftigten kleiner als zwei Drittel des Medianverdienstes, also des mittleren Verdienstes aller Beschäftigten, ist. Die so für 2010 bestimmte Niedriglohngrenze, unterhalb derer alle Verdienste als Niedriglöhne gelten, lag bei 10,36 Euro Bruttostundenverdienst.

Die meisten Beschäftigten, die 2010 einen Niedriglohn erhielten, waren laut Studie atypisch beschäftigt. Zur atypischen Beschäftigung, teilweise auch als flexible Beschäftigungsformen bezeichnet, werden vier Erwerbsformen gezählt: Teilzeitbeschäftigung mit bis zu 20 Wochenarbeitsstunden, befristete Beschäftigung, Zeitarbeit und Mini-Jobs. Fast jeder zweite atypisch Beschäftigte erhielt 2010 einen Verdienst unter der Niedriglohngrenze. Einen besonders hohen Niedriglohnanteil wiesen die geringfügig Beschäftigten mit 84,3 Prozent auf. Bei Beschäftigten in Normalarbeitsverhältnissen lag der Anteil hingegen bei einem Zehntel. Als Normalarbeitsverhältnis gilt eine unbefristete Beschäftigung mit über 20 Wochenarbeitsstunden, die nicht als geringfügige Beschäftigung und nicht als Zeitarbeit ausgeübt wird.

Niedriglohn hängt auch mit der Branche und der Tarifbindung in der Branche zusammen. Bei nicht tarifgebundenen Arbeitgebern erhielt fast ein Drittel der Beschäftigten einen Niedriglohn. Bei tarifgebundenen Arbeitgebern waren es mit 11,9 Prozent deutlich weniger. Besonders hoch war 2010 der Anteil von Beschäftigten mit Niedriglohn bei den Taxidiensten, (87,0 %), in Friseursalons (85,6 %) im Reinigungsgewerbe (81,5 %) aber auch in Restaurants, Cafés und Gaststätten (77,3 %) sowie in Kinos (73,5 %).

Erstmals konnte in der Studie auch untersucht werden, ob auch Niedriglohnbezieher Teile ihres Bruttoverdienstes per Entgeltumwandlung in eine Betriebsrente investieren und so die staatliche Förderung nutzen. Nur 6,2 Prozent der untersuchten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Niedriglohn betrieben 2010 Entgeltumwandlung. Das war deutlich seltener als bei Beschäftigten mit mittlerem Verdienst (22,4 %) oder mit hohem Verdienst (36,4 %).

Die Erhebung der Struktur der Arbeitsverdienste (Verdienststrukturerhebung) 2010 basiert auf Angaben für 1,9 Millionen abhängig Beschäftigte in Betrieben des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungsbereichs mit zehn und mehr Beschäftigten. Sie wird alle vier Jahre von den statistischen Ämtern durchgeführt.

Quelle:

PM des Statistischen Bundesamtes Nr. 308 vom 10.09.2012

© arbeitsrecht.de - (akr)

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