Arbeit & Politik

Tarifkonflikt bei LufthansaFlugbegleiter und Purser kämpfen für höhere Löhne

Die Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiterorganisation hat ihre Mitglieder und Kabinenbeschäftigten der Deutschen Lufthansa zu weiteren Streiks aufgerufen. Nachdem sie bereits am Freitag am Frankfurter Flughafen für Behinderungen gesorgt haben, soll der Arbeitskampf morgen auf weitere Airports ausgedehnt werden.

In ihrem Aufruf zum Streik fordert die Ufo eine Erhöhung der individuellen Grundvergütung und der Tabelleneckwerte rückwirkend zum 1. April 2012 um fünf Prozent. Weiterhin verlangt die Flugbegleiter-Gewerkschaft eine Änderung der Vergütungsstruktur und die Zahlung einer Gewinnbeteiligung.

Die Deutsche Lufthansa hatte diesbezüglich am 22. August 2012 ein Angebot vorgelegt, das der Vorstand und die Verhandlungskommission der Ufo als nicht verhandelbar zurückgewiesen haben.

Die angebotene Vergütungserhöhung sei von der Lufthansa an die Bedingung geknüpft worden, ein Jahr mit der Stufensteigerung auszusetzen. Dies stelle nach Beurteilung der Ufo faktisch eine weitere Nullrunde dar. Mit der von der Lufthansa geforderten Entschleunigung würde die Ufo die doppelte Zeit brauchen, um die Endstufen zu erreichen. Neben den reellen Einbußen und den Auswirkungen, die dies für die Alters- und Übergangsversorgung mit sich brächte, wäre es für viele gar nicht mehr möglich, das Endvolumen der heutigen Tabelle in ihrer restlichen Lebensarbeitszeit noch zu erreichen.
    
Weiterhin sei die erhebliche Absenkung des Niveaus für Neueinsteiger vollkommen inakzeptabel. Es bedeute im ungünstigsten Fall einen Einkommensverlust von bis zu 1300,- Euro monatlich im Vergleich zu heute, so die Ufo in ihrem Streikaufruf.

Auf ihrer Homepage bedauert die Ufo die Notwendigkeit des Streiks. Betont jedoch, dass die Verhandlungen an einem Punkt angekommen seien, an dem es keine Alternative mehr gäbe.
Falls die Lufthansa nicht einlenke, werde es zu bundesweiten und unbefristeten Arbeitsniederlegungen kommen. Ufo-Chef Baublies appellierte an die Lufthansa, den Flugbegleitern ein neues Angebot in dem festgefahrenen Tarifstreit zu machen. Weitere Aktionen hingen «vom Verhalten der Lufthansa ab». Ufo könne auch für den (heutigen) Freitagabend erneut zum Streik aufrufen. Zunächst sollen einzelne Flughäfen einbezogen werden. Baublies hatte aber früher bereits betont, auch ein flächendeckender Streik sei möglich, wenn sich die Airline nicht bewege. Die Gewerkschaft organisiert nach eigenen Angaben die Mehrheit der rund 19 000 Flugbegleiter bei der Lufthansa.

Quelle:

© arbeitsrecht.de - (akr)

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