Arbeit & Politik

Bericht zur Qualität der ArbeitBerufstätige arbeiten mehr in der Nacht und am Wochenende

Das statistische Bundesamt bewertet in einem aktuellen Bericht die Qualität der Arbeit in Deutschland. Dabei zeigt sich, dass die Beschäftigten nicht nur mehr arbeiten, sondern auch eine Verlagerung der Arbeitszeiten auf die Nachtstunden und das Wochenende erfolgt ist. Ein weiterer Trend ist die Beschäftigungsunsicherheit junger Berufseinsteiger.

Die Nacht- und Wochenendarbeit hat in Deutschland deutlich zugenommen. Ein Viertel aller Beschäftigten arbeitete 2011 auch samstags. 1996 waren es noch 18,8 %. Der Anteil der Berufstätigen, die nachts arbeiten, erhöhte sich im selben Zeitraum von 6,8 % auf 9,6 %. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des aktuell veröffentlichten Indikatorenberichtes "Qualität der Arbeit 2012 – Geld verdienen und was sonst noch zählt" mit.

Insgesamt arbeiteten Berufstätige mit einer Vollzeitstelle im letzten Jahr durchschnittlich 40,7 Stunden pro Woche. Damit lagen sie leicht über dem Durchschnitt der EU-Mitgliedstaaten (40,4 Stunden). Am niedrigsten war die Arbeitszeit EU-weit in Dänemark (37,7 Stunden), Irland und Norwegen (jeweils 38,4 Stunden). Die höchste Wochenarbeitszeit gab es im Vereinigten Königreich (42,2 Stunden), in der Schweiz und in Österreich (jeweils 41,8 Stunden).

Verändert hat sich auch der Einstieg ins Berufsleben. Junge Erwerbstätige beginnen ihr Arbeitsleben heute mit weniger Beschäftigungssicherheit. Vor allem Berufseinsteiger und Stellenwechsler beginnen häufig mit einem befristeten Vertrag. 40 % derjenigen, die im Jahr 2011 erst seit weniger als zwölf Monaten bei ihrem aktuellen Arbeitgeber tätig waren, hatten einen befristeten Arbeitsvertrag.

Deutliche Unterschiede gibt es auch bei der Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern. So verdienten Frauen 2011 – ohne Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Beruf und Branche – durchschnittlich 23 % weniger als Männer. Ihr Anteil an Führungspositionen lag bei rund 30 %, deutlich niedriger als der Frauenanteil an der Gesamtbeschäftigung von 46 %. Auch wenn sich heute mehr Frauen in Führungspositionen befinden als 1996 (27 %), waren 2011 immer noch sieben von zehn Führungskräften männlich. Außerdem arbeiten Frauen weitaus häufiger in Teilzeit als Männer: über 80 % der Erwerbstätigen in Teilzeit waren im Jahr 2011 Frauen.

Weitere Aspekte zur Qualität bezahlter Arbeit enthält der Indikatorenbericht des Statistischen Bundesamtes: "Qualität der Arbeit – Geld verdienen und was sonst noch zählt". Zu den insgesamt sieben unterschiedenen Bereichen zählen unter anderem Arbeitssicherheit und Gleichstellung, Arbeitszeit und Ausgleich beruflicher und privater Belange, Beschäftigungssicherheit und Sozialleistungen sowie Arbeitsbeziehungen. Der vollständige Bericht ist unter www.destatis.de/qda abrufbar.

Quelle:

PM des Statistischen Bundesamtes Nr. 284 vom 20.08.2012

© arbeitsrecht.de - (akr)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik

FamiliepflegezeitBesonderer Service für die häusliche Pflege

20.03.2012 | Das Familienministerium wirbt jetzt auf einer eigenen Homepage für die Familienpflegezeit. Nur 15 Stunden arbeiten und trotzdem einen Lohnzuschuss bekommen – das klingt toll. Aber: Der Arbeitgeber muss zustimmen. Ein Rechtsanspruch besteht nicht.  [mehr]

Arbeitskosten in Deutschland auf hohem Niveau

10.12.2010 | Deutschland gehört bei den Arbeitskosten zu den teuersten EU-Staaten. Am wenigsten kostet eine Stunde Arbeit in Bulgarien, wie der Arbeitskostenindex des Statistischen Bundesamtes zeigt.  [mehr]

Mehr "grüne" Jobs als erwartet

08.10.2010 | 340.000 Menschen in Deutschland verdanken ihren Arbeitsplatz der Erzeugung von Strom, Wärme oder Treibstoffen aus erneuerbaren Quellen. Das geht aus einer Studie des Bundesumweltministeriums hervor.  [mehr]

Trend zu Einmalzahlungen kann Lohnerhöhungen erschweren

02.09.2010 | Pauschal- und Einmalzahlungen haben im vergangenen Jahrzehnt bei Tarifabschlüssen an Bedeutung gewonnen. Verdrängen sie aber dauerhafte Lohnerhöhungen, bringt das den Beschäftigten Einkommensverluste.  [mehr]

LohnstatistikZwanzig Prozent der Beschäftigten erhalten nur einen Niedriglohn

10.09.2012 | Das Bundesamt für Statistik hat die Ergebnisse einer aktuellen Erhebung zur Struktur der Arbeitsverdienste 2010 vorgestellt. Die Zahlen bestätigen den Trend zu atypischer Beschäftigung und Niedriglöhnen. Besonders wenig verdienen Arbeitnehmer im Taxi- und Reinigungsgewerbe, in Gaststätten- und Friseurbetrieben und in Kinos.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

ArbeitszeitKeine Schichtzulagen bei der Berliner Feuerwehr

25.02.2013 | Feuerwehrbeamte des Landes Berlin erhalten für die Zeit ab April 2011 keine Wechselschicht- bzw. Schichtzulage. Betroffen sind sowohl die im Einsatzdienst als auch die auf der Leitstelle tätigen Feuerwehrleute. Das geht aus einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts (VG) Berlin hervor.  [weiterlesen auf "Der Personalrat"]

ArbeitsentgeltKein Mehrarbeitslohn für Feuerwehrmann

25.08.2015 | Ein Feuerwehrbeamter, der die Stadt Düsseldorf auf Zahlung von ca. 8.500 Euro für Mehrarbeit verklagt hat, geht leer aus. Das Verwaltungsgericht (VG) befand, es sei treuwidrig, dass der Kläger die vereinbarte Mehrarbeit über Jahre geleistet und sein Einverständnis erst 2013 rückwirkend widerrufen habe.  [weiterlesen auf "Der Personalrat"]

Gesetzgebung

Interview Gegen den Missbrauch von Leiharbeit

02.10.2015 | Arbeitsministerin Andrea Nahles hat ein Gesetz für eine strengere Regulierung von Leiharbeit und Werkverträgen und gegen deren Missbrauch angekündigt. Noch im Herbst möchte die Ministerin einen Gesetzentwurf vorlegen. Lesen Sie dazu ein Interview mit Jürgen Ulber, Experte für Arbeitnehmerüberlassung.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

GesetzentwurfSPD-Fraktion legt Entwurf für Entgeltgleichheitsgesetz vor

06.06.2012 | Die Sozialdemokraten dringen auf ein gleiches Entgelt von Frauen und Männern bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit. Das vorgeschlagene Entgeltgleichheitsgesetz soll die unter anderem im Grundgesetz und der Grundrechte-Charta der EU vorgeschriebene Gleichbehandlung von Frauen und Männern beim Arbeitsentgelt in Deutschland durchsetzen.  [mehr]

Arbeitshilfen

Rechtslexikon:Kalendertag

29.01.2010 | Der Kalendertag ist vom Werktag (Arbeitstag) zu unterscheiden.  [mehr]

Rechtslexikon: Sachbezüge

29.01.2010 | Arbeitslohn i.S.d. Einkommensteuergesetz (EStG) sind Geld und Sachbezüge (§ 8 Abs. 1 EStG), die im Rahmen der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG) zufließen.  [mehr]

Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter (22/2008)

22.10.2008 | Über Gewinn- und Kapitalbeteiligungen als einer "zusätzlichen Quelle" des Mitarbeitereinkommens wird schon sehr lange und kontrovers diskutiert. In der betrieblichen Praxis hat bislang nur die gewinnabhängige Bezahlung eine größere Bedeutung erlangt. Zeit über neue Wege nachzudenken.  [mehr]

Überzahlung des Gehalts: Pech für den Arbeitgeber? (23/11)

16.11.2011 | Was passiert, wenn sich die Lohnbuchhaltung des Arbeitgebers verrechnet und dem Arbeitnehmer versehentlich zu viel auszahlt?  [mehr]

Aus den Zeitschriften

Arbeitsrecht im Betrieb: Leistungsmanagement in der Kritik

10.06.2011 | In vielen Unternehmen gibt es Prämien- und Gehaltssysteme, mit denen Arbeitgeber und die Leistungsbereitschaft ihrer Beschäftigten erhöhen wollen. überzogene Ziele und die Fixierung auf kurzfristige Gewinne schaden aber auf lange Sicht den Beschäftigten und dem Unternehmen.  [mehr]