Arbeit & Politik

Studie zur ArbeitsorganisationJeder sechste ist überqualifiziert

Fast ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland wird unterhalb der vorhandenen Qualifikation beschäftigt. Der Anteil der unterwertig Erwerbstätigen hat sich dabei seit den 1980er Jahren deutlich erhöht. Das ist das Ergebnis einer von der IG Metall Baden-Württemberg in Auftrag gegebenen Studie der Universität Hohenheim.

Die von Ralf Rukwid verantwortete Studie mit dem Titel "Grenzen der Bildungsexpansion? Ausbildungsinadäquate Beschäftigung von Ausbildungs- und Hochschulabsolventen in Deutschland" wurde am 23.07.2012 in Stuttgart der Öffentlichkeit vorgestellt.

17,6 Prozent der Arbeitnehmer mit einem berufsqualifizierenden Bildungsabschluss (Facharbeiter) sind als unterwertig beschäftigt beziehungsweise überqualifiziert einzustufen. Bei den Akademikern liegt die Quote mit 18,9 Prozent noch höher.

Die Ursachen für die große Diskrepanz zwischen dem Niveau der individuellen Qualifikation und der tatsächlichen Tätigkeit sind vielfältig. Genannt werden unterschiedliche Verwertungschancen einzelner Ausbildungs- und Studiengänge, gruppenspezifische Benachteiligungen (beispielsweise zuungunsten von Migranten) und atypische Beschäftigungsverhältnisse (Befristungen, Arbeit in Teilzeit, Mini-Jobs).

Eine große Rolle spielt der Untersuchung zufolge aber auch die Arbeitsorganisation und das Personalmanagement der Unternehmen. Viele Betriebe zeigen sich außerstande, vorhandene Qualifikationen zu nutzen und adäquat auszubauen.

Als anschauliche Negativbeispiele genannt werden der Ingenieur, der nicht entwickelt, sondern durch Routineaufgaben in Verwaltung oder Fertigung gebunden ist und Facharbeiter, deren ursprüngliche Qualifikation an Wert verliert, da sie keinerlei Weiterbildung erhalten.

Der Volltext der Studie wird von der IG Metall online zur Verfügung gestellt.

Quelle:

PM 61/2012 der IG Metall Baden-Württemberg vom 23.07.2012

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