Arbeit & Politik

IG BCELeiharbeiter in der chemischen Industrie bekommen mehr Lohn

Nach der IG Metall meldet jetzt auch die IG BCE den Abschluss eines auf fünf Jahre angelegten Tarifabkommens mit den Arbeitgeberverbänden der Leiharbeitsunternehmen, durch das die Löhne der Leiharbeitnehmer in der chemischen Industrieb an die Entgelte der Stammbelegschaften herangeführt werden.

Bereits im Dezember 2011 hatten sich die IG BCE, der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) auf die Einführung eines Branchenzuschlagssystems geeinigt. Inhalte und Struktur der Regelungen sowie die Höhe der Zuschläge wurden jetzt in einer Tarifvereinbarung mit Laufzeit bis zum Jahr 2017 konkretisiert.

85-90 Prozent der Stammentgelte werden erreicht

Für die chemische Industrie haben IG BCE, BAP und IGZ jetzt eine Zuschlagsregelung für Leiharbeitnehmer vereinbart. In den Lohngruppen 1 und 2 reicht die Staffel von 15 bis 50 Prozent, in den Lohngruppen 3 bis 5 von 10 bis 35 Prozent. In der Endstufe erreichen die Leiharbeitnehmer zwischen 85 und 90 Prozent der Chemie-Entgelte. Der Vertrag tritt zum 1. November 2012 in Kraft und hat eine Laufzeit bis zum Jahr 2017.

Ein praktisches Rechenbeispiel (IG BCE)

Ein Leiharbeitnehmer, der in der Lohngruppe 1 des BAP-Tarifvertrags eingestuft ist, erhält einen Stundenlohn von 8,13 Euro. In der Entgeltgruppe 1 der chemischen Industrie (Hessen) werden 13,39 Euro gezahlt. Der Leiharbeitnehmer bekommt nach sechs Wochen einen Zuschlag von 15 Prozent, nach drei Monaten 20 Prozent, nach fünf Monaten 30 Prozent und nach sieben Monaten 45 Prozent. Nach neun Monaten erhält der Leiharbeitnehmer einen Zuschlag von 50 Prozent und erhält dann einen Stundenlohn von 12,20 Euro.

Basis des neuen Tarifvertrags ist ein zwischen der DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit und dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) im Juli 2010 geschlossenes Abkommen. Der BZA ist ein Vorläuferverband des BAP, der DGB-Tarifgemeinschaft gehören alle Einzelgewerkschaften an.

Zufriedenheit auf beiden Seiten

»Das enorme Entgeltgefälle zwischen Stammbelegschaften und Leiharbeitnehmern wird ein kräftiges Stück abgetragen.« sagte Peter Hausmann, Tarifpolitiker der IG BCE. »Wir haben dazu beigetragen, den Missbrauch der Leiharbeit zu begrenzen und zurückzudrängen. ,Gleicher Lohn für gleiche Arbeit’ ist ein Gebot der Fairness und der sozialen Gerechtigkeit. Daran halten wir fest.« Die IG BCE verfolgt das Ziel, in weiteren Branchen in ihrem Zuständigkeitsbereich umfassende Zuschlagssysteme aufzubauen und sieht dafür nach dem Durchbruch in der chemischen Industrie gute Chancen.

Die Arbeitgeberseite sieht den Vorteil darin, dass jetzt schon für zwei große Branchen, nämlich die metallverarbeitende und die chemische Industrie, eine einheitliche Regelung gefunden wurde. »Bei dem Abschluss mit der IG BCE war es uns wichtig, dass das grundsätzliche System und die zeitlichen Abläufe der Zuschlagszahlungen mit dem IG-Metall-Abschluss identisch sind.«, erklärte Thomas Bäumer, Geschäftsführer der »Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit« (VGZ) »Mit dieser Vereinheitlichung wollen wir unnötige Bürokratie und Missverständnisse vermeiden – etwa wenn Zeitarbeitnehmer bei ihren Einsätzen zwischen verschiedenen Branchen wechseln. Dies ist uns mit der IG BCE gelungen. Wir streben solch eine Regelung auch mit den anderen Einzelgewerkschaften an«.

Handlungsbedarf für die Politik

Unterschiedlich bewerten die Tarifpartner nach wie vor den Handlungsbedarf für den Gesetzgeber, das Equal-Pay-Gebot des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) und verbindliche Mindestlöhne stärker als bisher durchzusetzen. Für VGZ-Verhandlungsführer Bäumer ist die Frage gelöst: »Nach der Vereinbarung mit der IG Metall hat die VGZ nun mit der zweiten für die Zeitarbeit wichtigen DGB-Gewerkschaft die Forderung der Politik nach Equal Pay selbst erfüllt – und zwar auf tariflichem Wege. Eingriffe der Politik in die Tarifautonomie sind damit überflüssig« Dagegen sieht Peter Hausmann von der IG BCE jetzt erst recht die Politik am Zug: »Wir haben tarifpolitisch gehandelt, jetzt ist Berlin gefordert.«.

Quelle:

IG BCE, Pressemitteilung vom 19.6.2012

Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister, PM vom 19.6.2012

© arbeitsrecht.de - (ck)

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