Arbeit & Politik

Elterngeld und ElternzeitVätermonate scheitern oft an Arbeitszeiten und Einkommensverlust

Seit es Elterngeld gibt, übernehmen mehr Männer die Betreuung ihrer Kleinstkinder. Etwa 23 Prozent der Elterngeld-Empfänger sind Väter. Aber nicht alle Familien profitieren davon. Die Höhe des Arbeitsentgeltes vor der Elternzeit hat großen Einfluss darauf, ob der Vater sich für die Partnermonate entscheidet.

Ende 2006 - damals gab es noch das Erziehungsgeld - betrug der Anteil der Männer, die Elternzeit in Anspruch nahmen, weniger als 4 Prozent. Seit es das Elterngeld gibt, übernehmen also mehr Väter die Betreuung ihrer Kleinstkinder, konstatieren Sabina Schutter und Claudia Zerle-Elsäßer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München. Allerdings profitieren nicht alle Familien davon: Die Höhe des vor der Elternzeit bezogenen Einkommens hat einen großen Einfluss.

Eine aktivere Rolle von Vätern bei der Erziehung war eines der ausdrücklichen Ziele des Elterngeldes. Dazu sollen "Partnermonate" beitragen: Bei Berufstätigen verlängert sich die Bezugsdauer von 12 auf 14 Monate, wenn beide Partner mindestens 2 Elternmonate in Anspruch nehmen. Trotz erster Fortschritte bestehen in Sachen Elternzeit immer noch erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern, so die DJI-Forscherinnen: Bei 79 Prozent der männlichen Empfänger entspricht die Bezugsdauer der Mindestfrist von 2 Monaten, im Schnitt sind es 3,2 Monate. Frauen hingegen erhalten durchschnittlich 11,6 Monate Elterngeld.

Mehrheit der Männer hat keine Möglichkeit, die Arbeitszeit zu reduzieren

Ein Grund für das vergleichsweise zurückhaltende Engagement der Männer sind finanzielle Zwänge: Die Sozialwissenschaftlerinnen verweisen auf eine Evaluationsstudie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung von 2009. Demnach sahen 68 Prozent der Väter, die sich gegen die Elternzeit entschieden hatten, keine Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Knapp die Hälfte von ihnen nannte finanzielle Gründe als Haupthindernis. Engagierte Vaterschaft und eine egalitäre Aufteilung der Kinderbetreuung, so Schutter und Zerle-Elsäßer, seien also nur bei einem ausreichenden Einkommen realisierbar.

Umso kritischer sehen sie die Änderungen, die mit dem Sparpaket im Januar 2011 in Kraft getreten sind. Durch die Neuregelung sinkt die Lohnersatzquote für bestimmte Einkommensgruppen. Da bereits vor dem Sparpaket viele Väter aus finanziellen Gründen auf Elternzeit verzichtet hätten, werde die Kürzung diese Haltung womöglich verstärken. "Für die gleichberechtigte Aufteilung von Familienaufgaben wäre dies ein Rückschritt", warnen die Wissenschaftlerinnen.

Quelle:

WSI-Mitteilungen 3/2012

© arbeitsrecht.de - (akr)


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