Arbeit & Politik

Institut für Arbeitsmarkt- und BerufsforschungStudie: Mehr Frauen gründen ein Unternehmen

Derzeit gibt es mehr Frauen, die ihre eigene Firma gründen, als jemals zuvor. Um die positive Entwicklung bei Unternehmensgründungen durch Frauen zu stützen, empfehlen die Autoren der Studie, die Vereinbarkeit von beruflicher Selbständigkeit und Kindererziehung zu fördern.

2011 waren fast fünf Prozent der Frauen gerade dabei, ein Unternehmen zu gründen, oder haben während der vergangenen dreieinhalb Jahre eines gegründet. Das ist der höchste Wert seit dem Beginn der Datenerhebung im Jahr 1999, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover. Bislang lag die Quote der Gründerinnen stets unter vier Prozent.

Nach wie vor gründen aber mehr Männer als Frauen ihr eigenes Unternehmen: Die Studie beziffert die Quote der aktiven Gründer bei den Männern auf knapp sieben Prozent. Um die positive Entwicklung bei Unternehmensgründungen durch Frauen zu stützen, empfehlen die  Autoren Udo Brixy, Rolf Sternberg und Arne Vorderwülbecke daher Maßnahmen zur Verbesserung von Gründungsfähigkeiten und -einstellungen. Eine denkbare Ursache für die geringere Gründungsbereitschaft von Frauen ist die familiäre Eingebundenheit. Wie für die demographische Entwicklung in Deutschland und dem hiesigen Arbeitsmarkt wäre es auch für das Gründungsgeschehen förderlich, die Vereinbarkeit von beruflicher (selbstständiger) Tätigkeit und Kindererziehung zu fördern und Investitionen in die soziale, insbesondere die familienbezogene Infrastruktur voranzutreiben.

Zwischen Ost- und Westdeutschland besteht kein Unterschied mehr im Gründungsgeschehen. Regional zeigen sich aber deutliche Differenzen: In Hamburg, Köln und München machen sich viele Menschen selbstständig, in manchen Städten des Ruhrgebiets wie Bochum, Duisburg und Essen hingegen nur wenige. "Die Ergebnisse der regionalen Auswertungen sprechen für eine regional differenzierte Gründungsförderpolitik", schreiben die Autoren Brixy, Sternberg und Vorderwülbecke in der Studie. Ein dynamisches Gründungsgeschehen habe das Potenzial, strukturschwachen Regionen Zukunftsperspektiven zu eröffnen.

Die Datengrundlage des GEM (Global Entrepreneurship Monitor) in Deutschland bildet eine repräsentative Stichprobe von 4.260 telefonischen Personenbefragungen aus dem Frühsommer 2011.  Sie werden ergänzt durch 43 Experteninterviews. Basis des internationalen Vergleichs sind im GEM-Jahr 2011 Daten aus 55 Ländern mit Informationen zu 155.000 Befragten Bürgern sowie 1.852 Experteninterviews aus 49 Ländern. 

Quelle:

PM des IAB vom 10.5.2012

© arbeitsrecht.de - (akr)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik

Profi-FußballSoziale Mindeststandards für Spielerverträge vereinbart

20.04.2012 | Die Europäische Kommission hat ein Übereinkommen mit führenden Fußballverbänden wie der UEFA und der Spielergewerkschaft FIFpro zu Mindeststandards für Spielerverträge unterzeichnet. Die Vereinbarung ist die erste dieser Art im Mannschaftssport auf europäischer Ebene.  [mehr]

AiB ReporterWer zu spät kommt, den bestraft der Chef

17.11.2014 | Ob Verkehrsstau, glatte Straßen oder Mega-Streik von Flugzeug und Bahn: wer nicht pünktlich zur Arbeit erscheint, muss mit Lohnkürzungen rechnen und kann sich sogar richtig Ärger einhandeln – bis hin zur Kündigung. Die Rechtsprechung macht viele feine Unterschiede.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Faire Spielregeln für Praktikanten

08.09.2011 | Muss ein Praktikantenvertrag schriftlich abgeschlossen werden? Haben Praktikanten Anspruch auf Vergütung und Urlaub? Kann der Arbeitgeber einen Praktikantenvertrag auch vorzeitig kündigen? Diese und andere Fragen beantwortet ein neuer Leitfaden für Praktikanten.  [mehr]

Wettbewerb um kluge Köpfe

06.09.2010 | Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat Wanderungsströme und Wohnortwechsel von Beschäftigten in Deutschland untersucht. Hamburg, Bremen und München sind bei Hochqualifizierten besonders beliebt.  [mehr]

Diensthandys zählen noch nicht zur Standardausstattung von Berufstätigen

14.07.2011 | Nur jeder zwölfte Berufstätige hat ein Mobiltelefon. Umgekehrt setzt jeder dritte sein privates Handy beruflich ein. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Aris im Auftrag des Bitkom.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

Gehaltserhöhung als Besitzstand

11.12.2008 | Die in einem Vertrag zugunsten Dritter vorgesehene Gehaltserhöhung "überlebt" das Ende des Arbeitsverhältnisses grundsätzlich nicht.  [mehr]

ProfifußballKein Anspruch auf Teilnahme am Bundesliga-Training

21.02.2014 | Der Eilantrag eines prominenten Fußballspielers von Hertha BSC ist vor Gericht abgeblitzt. Er hatte sich gegen seinen vorübergehenden Ausschluss vom Profitraining gewehrt. Die Richter des Arbeitsgerichts Berlin haben sich daher näher mit den Klauseln des Profispielervertrags auseinandergesetzt.  [mehr]

Gesetzgebung

WerkverträgeNahles will Missbrauch rasch eindämmen

23.07.2014 | Die Bundesarbeitsministerin ruht sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Mit einem Gesetz zur Regulierung missbräuchlicher Werkverträge hat sie nach dem Mindestlohn und den Änderungen bei der Rente bereits das nächste Gesetzesgroßprojekt im Blick. Schon 2015 sollen die Regelungen gelten. Erste Vorarbeiten laufen.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Abdingbarkeit

29.01.2010 | Abdingbar sind solche gesetzlichen Regelungen, von denen durch Vereinbarung der Parteien abgewichen werden kann.  [mehr]

Rechtslexikon: Salvatorische Klausel

29.01.2010 | Eine Salvatorische Klausel betrifft die Rechtsfolgen bei Teilnichtigkeit eines Vertrags.  [mehr]

Wie müssen Ausschlussfristen gewahrt werden? (18/2006)

30.08.2006 | Viele Ausschlussfristen in Arbeitsverträgen dürfen nach der Schuldrechtsreform nicht mehr verwendet werden. Welche noch zulässig sind und wie diese von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gewahrt werden müssen, erfahren Sie hier.  [mehr]

Telearbeit - Ein kurzer Überblick (20/2003)

24.09.2003 | Telearbeit ist in Deutschland seit den achtziger Jahren in der Diskussion, wobei man zu dieser Zeit den Telearbeiter suchen musste, "wie eine Nadel im Heuhaufen". Dieses sieht heute anders aus.  [mehr]

Aus den Zeitschriften

Computer und Arbeit: Biometrie im Arbeitsverhältnis

04.03.2011 | Der Einsatz biometrischer Verfahren zur Identifikation und Verifikation im Beschäftigtenverhältnis ist nur in Ausnahmefällen zulässig. Voraussetzung ist, dass nachweislich nur so der notwendige Sicherheitsstandard im Unternehmen erreicht werden kann.  [mehr]

Arbeitsrecht im Betrieb: Ferienarbeiter unterstützen

08.09.2011 | Viele Schüler und Studenten nutzen ihre Ferien, um mit einem Ferienjob Geld zu verdienen. Auch für die Kurzzeitjobber gelten arbeitsrechtliche Vorgaben, die der Arbeitgeber beachten muss.  [mehr]