Arbeit & Politik

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft "Durchbruch im Kampf gegen Befristungspraxis in der Wissenschaft"

Die Bildungsgewerkschaft GEW setzt sich seit längerem für planbare Berufsperspektiven junger Wissenschaftler ein. Die aktuellen Initiativen der Hochschulrektoren und Regierungsfraktionen sind erste Schritte in diese Richtung.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Initiativen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Regierungsfraktionen für berechenbare Karrierewege und stabilere Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft begrüßt. Die Mitgliederversammlung der HRK hat sich am 23.4.2012 darüber verständigt, an ihren Mitgliedshochschulen planbare Karrierewege zu schaffen, für eine familienfreundliche Verlängerung von Zeitverträgen zu sorgen, wenn Kinder betreut werden und Dauerstellenkonzepte zu entwerfen.

"Entscheidend ist, dass die Empfehlungen tatsächlich vor Ort umgesetzt und verbindlich ausgestaltet werden. Die GEW sowie ihre Vertreterinnen und Vertreter in den Selbstverwaltungsgremien und Personalräten sind bereit, die Hochschulleitungen bei der Erarbeitung entsprechender Standards zu unterstützen", sagte der GEW-Hochschulexperte Andreas Keller. Dem neu gewählten HRK-Präsidenten, Professor Dr. Horst Hippler, bot Keller entsprechende Gespräche an.

Auch in dem eingebrachten Antrag der Regierungsfraktionen CDU/CSU und FDP zur Fortentwicklung der Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs (DS 17/9396) sieht Keller einen "Durchbruch im Kampf gegen Befristungspraxis in der Wissenschaft". Er fordert, dass Zeitverträge der Beschäftigten so lange laufen müssten wie die Projekte; ein vereinbartes Qualifikationsziel müsse innerhalb eines befristeten Arbeitsvertrages erreicht werden können und Teilzeitstellen müssten mindestens den Umfang einer halben Stelle haben.

Entscheidend sei aber, wie der Bundestag diese Ziele umsetzen könne. "Die GEW hält es nach wie vor für richtig, der übermäßigen Befristungspraxis durch eine Änderung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes entgegenzutreten. Wenn Union und FDP 'Hire and Fire' in der Wissenschaft nun durch Aufsichtsmaßnahmen gegenüber den Forschungseinrichtungen und Vereinbarungen mit den Ländern bekämpfen möchten, ist das ein wichtiger erster Schritt."

Die Entwicklung zeige, dass das von der GEW initiierte 'Templiner Manifest' für den 'Traumjob Wissenschaft' wirkt, so GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller. Die GEW hat 2010 als Ergebnis ihrer 4. Wissenschaftskonferenz in Templin das "Templiner Manifest" für eine Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung vorgelegt, das fast 9.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner unterstützen.


Quelle:

PM der GEW vom 25.4.2012

PM der HRK vom 24.4.2012

© arbeitsrecht.de - (akr)

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