Arbeit & Politik

Tarifverhandlungen im öffentlichen DienstArbeit muss die Grundlage für ein würdiges Leben sein

Streiks sind im öffentlichen Dienst derzeit an der Tagesordnung. Ver.di fordert 6,5 Prozent oder mindestens 200 Euro mehr Lohn, Auszubildende sollen übernommen werden und Zweitjobs nicht mehr nötig sein. Am 12. März 2012 gehen die Verhandlungen weiter.

Nachdem die Arbeitgeberseite zum Auftakt der Tarifverhandlungen am 1. März 2012 für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes des Bundes und der Kommunen kein Angebot vorgelegt hat, ist die erste Warnstreikwelle angelaufen. Im gesamten Bundesgebiet standen und stehen diese Woche Bahnen still, sind Ämter unbesetzt und Kindertagesstätten geschlossen.

Ver.di wirbt für Verständnis für den Arbeitskampf. Auf der Internetseite der Gewerkschaft erklärt ver.di-Bundesvorstand Achim Meerkam, warum es keine andere Möglichkeit gibt. "Tarifrunden im öffentlichen Dienst sind immer Auseinandersetzungen, die stark in der Öffentlichkeit geführt werden. Seit Jahren werden uns die gleichen Argumente entgegengehalten: Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst sind sicher, die öffentlichen Haushalte sind in sehr schwieriger Lage und neuerdings ist da auch die Schuldenbremse." Das alles sei nichts Neues – die Haushaltssituation kein Naturereignis, sondern durch politische Entscheidungen herbeigeführt. Es geht hier um mehr als nur um Erbsenzählerei: "Angesichts der Reallohneinbußen sehen sich immer mehr Kollegen/-innen besonders in den unteren Entgeltgruppen genötigt, einen Nebenjob anzunehmen oder sind gar auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen. Damit wird offensichtlich, dass Lohnpolitik Teil der sozialen Frage ist. Mit dem Entgelt aus Arbeit muss die materielle Grundlage für ein würdiges Leben gesichert sein."

Ver.di fordert, dass die Gehälter um 6,5 Prozent, mindestens aber um 200 Euro im Monat erhöht werden. Die Auszubildenden sollen im Monat 100 Euro mehr bekommen. Der Tarifvertrag soll zwölf Monate laufen. Außerdem fordert ver.di, dass Auszubildende nach erfolgreichem Abschluss unbefristet im erlernten Beruf übernommen werden.

Die Verhandlungsführer setzen sich am 12. März 2012 wieder in Potsdam zusammen. Ver.di verhandelt auch für die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die dbb Tarifunion sitzt mit am Verhandlungstisch. Für die Arbeitgeber verhandeln für den Bund Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Thomas Böhle für die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA).

Quelle:

© arbeitsrecht.de - (akr)

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