Arbeit & Politik

Abkehr vom KirchenrechtOldenburger Klinik wandelt auf tariflichen Wegen

Um der Personalnot entgegenzuwirken, verlässt das Evangelische Krankenhaus Oldenburg jetzt das kirchliche Arbeitsrecht und verhandelt mit der Gewerkschaft in Niedersachsen über Tarife. Die formelle Beschlussfassung soll nächste Woche folgen.

Für die Mitarbeiter des Evangelischen Krankenhauses in Oldenburg bringt das neue Jahr mehr Geld. Damit will das Klinikum wettbewerbsfähig bleiben. Der Aufsichtsrat hat die Ergebnisse der Ersten Tarifgespräche zwischen dem Marburger Bund, ver.di  und der Leitung des Hauses "wohlwollend und zustimmend" zur Kenntnis genommen. "Die formelle Beschlussfassung wird am 29.11.2011 erfolgen, in einer außerordentlichen Aufsichtsratsitzung und auf Grundlage der dann vorliegenden ausformulierten Vorschalttarifverträge", teilte Vorstand Thomas Kempe auf Nachfrage der arbeitsrecht.de-Redaktion mit.

Was sind die Eckpunkte des Tarifgesprächs?
Die Eckpunkte für die weiteren Verhandlungen beinhalten ein zweistufiges Verfahren. Zum 1. Januar 2012 sollen einerseits Entgeltsteigerungen wirksam werden und andererseits gelte es auch die Mantelregelungen zu überarbeiten. Die Erhöhung der Entgelte orientieren sich an den Steigerungen im kommunalen Krankenhaussektor.

Für den ärztlichen Bereich gibt es einige Veränderungen: Es werde eine Übernahme der Entgelte angestrebt, wie sie in den Verhandlungen zwischen dem öffentlichen Dienst und dem Marburger Bund vereinbart werden. Die Jahressonderzahlung wird auf die Monatentgelte umgelegt und die Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden erhöht.

Im nicht-ärztliche Bereich bleibe es hingegen bei der 38,5-Stunden-Woche. Aber auch hier werde es eine Entgeltsteigerung auf die bestehenden Tabellen geben.

Und was sagen die rund 1000 Mitarbeiter dazu?
"Das Feedback der Mitarbeiter, das wir wahrnehmen, ist positiv", berichtet die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Angela Rieger-Garthoff. Sowohl der Vorstand als auch die Mitarbeitervertretung hätten bereits in zwei gut besuchten Informationsveranstaltungen das weitere Vorgehen erläutert.

Auch Peter Oehne, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung (MAV) hat nur Gutes zu berichten: "Mitarbeiterinnen und MAV begrüßen den Weg hin zu Tarifverträgen. Der TV ermöglichst uns nun, durch faire Entlohnungsbedingungen ärztliches und nichtärztliches Fachpersonal zu halten und zu gewinnen. Insofern ist das Feedback aller im Hause hervorragend. Die Tarifgespräche beziehungsweise der Abschluss eines solchen hat unser Haus befriedet."

Die Leitung des Hauses und die MAV ziehen gemeinsam an einem Strang, erklärt Peter Oehne gegenüber arbeitsrecht.de. "Durch die Inaktivität der Arbeitsrechtlichen Kommission in Niedersachsen war beiden Seiten schnell klar, dass wir nur über einen TV zu den marktüblichen Tarifbedingungen des Marburger Bundes sowie der Lohnentwicklung im TVöD unsere Existenz dauerhaft gewährleisten können. Leitung und MAV sind sich einig, dass wir unseren Mitarbeitern nur fair ausgehandelte TV anbieten wollen. Was anderes können wir uns gar nicht leisten", so Oehne.

© arbeitsrecht.de - (akr)

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