Arbeit & Politik

Weihnachtsgeld ist ungleich verteilt

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland kann sich über Weihnachtsgeld freuen. Wer nach Tarifvertrag bezahlt wird, hat größere Chancen auf das vorgezogene Weihnachtsgeschenk. Frauen sind dagegen benachteiligt.

Rund 55 Prozent der Arbeitnehmer bekommen von ihrem Arbeitgeber ein Weihnachtsgeld. Das ergibt eine Online-Umfrage der Internetseite www.lohnspiegel.de, die vom WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Die Analyse der Angaben von 16.000 Beschäftigten macht deutlich, dass die Chancen auf eine Jahressonderzahlung ungleich verteilt sind.

Arbeitnehmer profitieren eindeutig von einer Tarifbindung ihres Arbeitgebers. 71 Prozent der Beschäftigten, die nach Tarifvertrag bezahlt werden, bekommen Weihnachtsgeld gezahlt. Bei den Beschäftigten ohne Tarifbindung sind es dagegen nur 43 Prozent.

Grundsätzlich sehen in den meisten Wirtschaftszweigen die geltenden Tarifverträge ein Weihnachtsgeld vor, so das WSI-Tarifarchiv. Es wird überwiegend als fester Prozentsatz des Monatseinkommens berechnet. Diese Prozentsätze haben sich 2011 im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. In Branchen, in denen es in diesem Jahr tarifliche Lohnerhöhungen gab, steigen auch die tariflichen Weihnachtsgelder. Die Spanne reicht von plus 1,1 Prozent im öffentlichen Dienst und 2,7 Prozent in der Metallindustrie über drei Prozent im Baugewerbe West und im Einzelhandel bis zu 4,1 Prozent in der chemischen Industrie.

Frauen, Mitarbeiter in Ostdeutschland und niedrige Einkommensgruppen sind benachteiligt

Mitarbeiter in Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten erhalten zu rund zwei Dritteln eine Sonderzahlung, in Betrieben unter 100 Beschäftigten sind es 48 Prozent. Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind weiterhin vorhanden. Im Westen bekommen 60 Prozent Weihnachtsgeld, im Osten 39 Prozent der Beschäftigten.

Auch die Berufserfahrung spielt beim Weihnachtsgeld eine Rolle. Je länger das Berufsleben dauert, umso größer die Chance auf ein finanzielles Extra zum Fest. Bei einer Berufserfahrung von unter fünf Jahren gibt es das für knapp die Hälfte der Beschäftigten, der Anteil steigt auf 62 Prozent bei mehr als 20 Jahren im Job. Frauen (53 Prozent) haben weniger Aussichten auf eine Sonderzahlung als Männer (57 Prozent).

Beschäftigte mit höheren Einkommen erhalten häufiger Weihnachtsgeld. Bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von bis zu 1.500 Euro kommen nur 29 Prozent in den Genuss, in der Einkommensklasse von 4.000 bis 5.000 Euro sind es 67 Prozent. Ab 5.000 Euro Monatsverdienst gibt es seltener Weihnachtsgeld, dafür häufiger gewinnabhängige Jahressonderzahlungen.

Quelle:
WSI-Tarifarchiv, November 2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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