Arbeit & Politik

Barrieren in den Köpfen abbauen

Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen und anhaltend hoher Beschäftigungswerte bereitet eine Gruppe den Arbeitsvermittlern Sorgen – Menschen mit Behinderung. Ihnen will die Bundesagentur für Arbeit mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel noch mehr Aufmerksamkeit schenken.

In deutschen Unternehmen sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) rund 250.000 Pflichtplätze nicht mit schwerbehinderten Menschen besetzt. Als moderne und soziale Arbeitsgesellschaft müsse es das Ziel sein, jeden gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Ein Handicap stehe der Leistungsfähigkeit nicht entgegen. Behinderte Menschen seien voll leistungsfähige Mitarbeiter, sofern der Arbeitgeber sie richtig einsetzt. Einbeziehung statt Ausgrenzung sei nicht nur sozialpolitisch, sondern auch ökonomisch dringend geboten, sagte Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA)

Derzeit sind rund 174.000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos, 1.600 mehr als im Vorjahr, über 60 Prozent sind in der Grundsicherung. In diesem Jahr konnten 54.000 schwerbehinderte Menschen durch Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ihre Arbeitslosigkeit beenden, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bundesagentur für Arbeit setzt 2,5 Milliarden Euro pro Jahr ein, um Menschen mit Behinderungen den Schritt ins Arbeitsleben zu erleichtern.

Laut Paul Brockhausen, Beauftragter für Menschen mit Behinderungen in Thüringen, sei zwar ein Mentalitätswechsel in den Unternehmen zu beobachten.  Dennoch werde das Bild von behinderten Menschen zu oft mit Einschränkungen verbunden mit der Folge, dass sie auf dem Arbeitsmarkt immer noch zu den Benachteiligten zählen. Diese Barrieren in den Köpfen gelte es abzubauen.

Das Bundesarbeitsministerium (BMAS) sieht in den vergangenen zehn Jahren eine positive Entwicklung. 2002 waren in allen beschäftigungspflichtigen Betrieben 3,8 Prozent schwerbehinderte Menschen. 2005 waren es schon 4,2 Prozent. 2009, auf dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise, waren es dann 4,5 Prozent. Die Quote von fünf Prozent komme in Reichweite.

Quelle:
PM der BA vom 03.11.2011 und des BMAS vom 19.10.2011

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