Arbeit & Politik

Zufriedenes Europa

Eine Sozialumfrage unter EU-Bürgern hat ergeben: Die Menschen in der Europäischen Union sind im Allgemeinen mit ihrem Leben zufrieden, haben aber geringes Vertrauen in die Volkswirtschaften.

Die insgesamt optimistische Bewertung der allgemeinen Lebenssituation fällt höher aus als bei der Analyse 2010, so das Ergebnis der neuen Eurobarometer-Umfrage, die die Europäische Kommission vorgelegt hat. Die Umfrage zum gesellschaftlichen Klima ist die dritte ihrer Art seit 2009. Sie untersucht, wie die Bürger Europas ihr Wohlbefinden einschätzen und wurde im Juni 2011 in den 27 EU-Mitgliedstaaten durchgeführt.

Die Deutschen bleiben unterdessen ihrem Image als Pessimisten treu: Lebenshaltungskosten und bezahlbare Energie machen den Bürgern Sorgen. 68 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich die Lebenshaltungskosten in den nächsten zwölf Monaten verteuern (EU-27: 59 Prozent) und 72 Prozent erwarten eine schlechtere Situation bei bezahlbaren Energien (EU-27: 53 Prozent).

An der grundsätzlichen Zufriedenheit ändert es allerdings nichts, dass die Befragten europaweit das tägliche Leben teurer als noch vor einem Jahr wahrnehmen. Die Ergebnisse zeigen auch, dass Europäer äußerst unzufrieden damit sind, wie in ihren Ländern mit sozialer Benachteiligung und Armut umgangen wird. Nur Luxemburg wies einen positiven Wert auf, während Lettland, Rumänien, Griechenland und Litauen hingegen am schlechtesten abschnitten.

Zwischen den Ländern, so zeigt die Umfrage, gibt es große Abweichungen, die auf Unterschiede bei nationalen politischen Strategien und Institutionen zurückzuführen sind. So zeigen sich die Bürger der nordischen Länder und der Benelux-Staaten mit ihrer persönlichen Situation besonders zufrieden. László Andor, EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration wies darauf hin, dass die Umfrageergebnisse die wachsenden Unterschiede zwischen den Ländern aufzeigen, wobei sich die Lage in den wohlhabenderen Ländern verbessere und in den Ländern am unteren Ende der Skala verschlechtere.

Die allgemeine Lage in ihren Ländern schätzen die Befragten insgesamt viel pessimistischer ein als ihre persönliche Situation. Seit der letzten Umfrage ist jedoch der Optimismus im Hinblick auf die Frage gestiegen, ob sich die Lage in den nächsten zwölf Monaten verbessern wird - bei vielen Werten ist eine positive Tendenz zu verzeichnen. Es zeichnet sich auch der Trend ab, dass soziale Sicherung und soziale Eingliederung in naher Zukunft positiver wahrgenommen werden.

Mit der öffentlichen Verwaltung sind die Europäerinnen und Europäer im Schnitt eher unzufrieden. Die Mehrheit der Mitgliedstaaten erhielten positive Werte im Hinblick auf die derzeitigen Gesundheitsversorgungssysteme, wenngleich die Unterschiede zwischen den Ländern erheblich sind. Den höchsten Wert erzielte Belgien. Am unzufriedensten sind die Menschen in Rumänien, Griechenland, Bulgarien, Lettland und Polen.

Quelle:
PM der EU-Kommission vom 17.10.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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