Arbeit & Politik

ILO-Chef: Qualität der Arbeit ist Lebensqualität

Die falsche Art von Wachstum, fehlende soziale Absicherung und der Missbrauch der Wirtschaftskrise für die Untergrabung von Arbeitnehmerrechten haben zu weltweiter Ungerechtigkeit geführt. Das meint der Direktor der UN-Arbeitsorganisation ILO und fordert, Arbeitnehmerrechte wieder in den Mittelpunkt zu rücken.

Laut Somavia verdienen 61 Millionen Menschen genauso viel wie 3,5 Milliarden. In den Vereinigten Staaten besitzen ein Tausendstel der Bevölkerung 12,6 Prozent des Gesamteinkommens, in Europa bekommen zehn Prozent der Bevölkerung die Hälfte des Einkommens. All das resultiert aus einer Art von Wachstum, das Ungleichheit fördert und den Anteil der Löhne am Bruttonationalprodukt senkt. Das muss geändert werden.", so der ILO-Direktor anlässlich eines Treffens mit den Fraktionsvorsitzenden des EU-Parlaments. Die ILO ist die UN-Organisation die Arbeitsrechte und -bedingungen, soziale Sicherheit, Dialog zwischen Arbeitgebern und -nehmern fördert.

Wachstum und Produktivität müssten mit Gerechtigkeit und guten Löhnen verknüpft sein, so wie es in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg bis in die Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Fall gewesen sei, fordert der Arbeitnehmervertreter. Wirtschaftspolitik zur Haushaltsanierung müsse sozial verantwortlich sein. Die Menschen wollen anständige Arbeit und gute Jobs. In vielerlei Hinsicht entscheidet die Qualität der Arbeit über die Lebensqualität einer Gesellschaft.

Anständige Arbeit basiere auf dem Respekt für internationale Arbeitsrichtlinien. Die Krise darf nicht dafür missbraucht werden, um Arbeitnehmerrechte zu untergraben. Das zweite Element sei der soziale Dialog. Es ist leichter, Problem zu lösen, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenarbeiten.

Ein drittes Element ist nach Somavia die soziale Absicherung. Rund 80 Prozent der Weltbevölkerung hat keine soziale Absicherung, aber viele Schwellenländer wie Indien, China, Brasilien, Mexiko und Chile gehen in diese Richtung. Man müsse die Menschen davor bewahren, in die Armut abzugleiten. Die Realwirtschaft müsste wieder über die Geschicke der Weltwirtschaft entscheiden. Die Finanzwelt sollte der Realwirtschaft dienen.  

In vielen politischen Systemen werde die Krise als eine Frage von Wahlsiegen und Niederlagen wahrgenommen. Stattdessen sollten die Staaten zusammenkommen und gemeinsam nach dem besten Weg suchen, so Somavias Forderung. Die Fähigkeit, sich auf das gemeinsame Interesse zu konzentrieren, zeichne das EU-Parlament aus. Es sollte führen und das politische System wieder mit den Menschen verbinden.

Quelle:
PM des Europäischen Parlaments vom 20.09.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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