Arbeit & Politik

EU-Zwischenprognose: Ende des Aufschwungs

Trotz guter deutscher Wirtschaftsdaten wird sich das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union in der zweiten Jahreshälte abschwächen. Zum Jahresende hin ist dann Schluss mit der starken Konjunktur.

Nach einem kräftigen Wachstum im ersten Quartal 2011 hat das Wachstum des EU-Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal nachgelassen. In der zweiten Jahreshälfte wird es voraussichtlich gedämpft bleiben und zum Jahresende dann nahezu zum Erliegen kommen. Die in der Frühjahrsprognose vorhergesagte leichte Abschwächung dürfte sich verstärken, wird aber keinen erneuten Rückfall in die Rezession bewirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Zwischenprognose der Europäischen Kommission.

Durch das unerwartet kräftige Wachstum im ersten Quartal liegt die Jahreswachstumsprognose für den Euroraum und die EU insgesamt nach wie vor bei 1,6 bis 1,7 Prozent. Für die zweite Jahreshälfte wurden die Wachstumsprognosen allerdings erheblich zurückgeschraubt und gegenüber der Frühjahrsprognose der Kommission sowohl für den Euroraum als auch für die EU um einen halben Prozentpunkt nach unten korrigiert. Darüber hinaus sind die Aussichten ungewiss und ist die Prognose mit Abwärtsrisiken behaftet, heißt es in einer Mitteilung.

Für Deutschlands Wirtschaft prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) Wachstum im dritten Quartal um 0,4 Prozent. Das schwache Wachstum von nur 0,1 Prozent im zweiten Quartal sei nur ein vorübergehender Dämpfer gewesen. "Der Trend weist in der Industrie weiter aufwärts", erläuterte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Die Zeit des rasanten Aufschwungs sei zwar vorbei, dennoch dürfte die deutsche Volkswirtschaft in der zweiten Jahreshälfte ordentlich wachsen, so Fichtner weiter.

Laut Olli Rehn, EU-Wirtschafts- und –Währungskommissar verlaufe die Erholung von Finanzkrisen oftmals schleppend und holprig. Auch habe die EU-Wirtschaft mit schwierigeren externen Rahmenbedingungen zu kämpfen, während die Inlandsnachfrage nach wie vor gedämpft sei. Um den Erholungsprozess wieder in Gang zu setzen, komme es wesentlich darauf an, die Finanzstabilität zu erhalten und die öffentlichen Haushalte auf einen Pfad zu führen, dessen dauerhafte Tragfähigkeit außer Frage steht. "Dies erfordert die beharrliche Umsetzung der Strategie einer differenzierten, wachstumsfreundlichen Haushaltskonsolidierung und die Umsetzung der Beschlüsse zur Förderung der Finanzstabilität. Zugleich sind zur Schaffung des Wachstumspotenzials von morgen Strukturreformen wichtiger denn je", sagte Rehn

Bereits im Sommer gab es erste Anzeichen dafür, dass die weltweite Nachfrage und der Welthandel in größerem Umfang nachgeben wird als erwartet. Die Erholung in den Vereinigten Staaten schwächte sich ab und die Indikatoren für den Welthandel lassen eine Fortsetzung der Abschwächung bis ins dritte Quartal hinein erwarten. Weltweit wird nunmehr für das Jahr 2011 ein Wachstum von rund vier Prozent prognostiziert. Die Bedingungen an den Finanzmärkten haben sich durch die Furcht vor einer weiteren Ausbreitung der Staatsschuldenkrise im Euroraum und pessimistische Aussichten für das Wachstum und die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen in den USA verschlechtert.

Die Inflation in der EU soll sich dem Bericht zufolge schneller abschwächen als im Frühjahr erwartet. In der ersten Jahreshälfte hatte sie sich vor allem aufgrund steigender Energiepreise beschleunigt. Doch sind die Rohstoffpreise in jüngster Zeit leicht zurückgegangen. Setzt sich das schwächere Wirtschaftswachstum fort, wird die HVPI-Inflation in der EU und im Euroraum voraussichtlich allmählich nachlassen und im Jahresdurchschnitt 2,9 bzw. 2,5 Prozent erreichen sowie bis Ende 2011 anhaltend über zwei Prozent liegen.

Den vollständigen EU-Zwischenbericht (in englischer Sprache) finden Sie hier!

Quelle:
PM der Europäischen Kommission vom 15.09.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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