Arbeit & Politik

Qualität der Ausbildung hat sich nicht verbessert

Es fehlen Auszubildende und Fachkräfte und trotzdem werden die Schwächen der Ausbildung in einigen Bereichen nicht beseitigt. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Im Ranking der 25 häufigsten Ausbildungsberufe hat sich wenig verändert. Die besten Beurteilungen für die Qualität der eigenen Ausbildung gab es erneut von angehenden Bank- und Industriekaufleuten sowie Mechatronikern. Auf den letzten drei Rängen sind wie im Vorjahr die Ausbildungsgänge für Fachverkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk, Restaurant- und Hotelfachleute gelandet. Die rote Laterne bleibt damit beim Hotel- und Gaststättengewerbe.

"Das schlechte Abschneiden des Hotelgewerbes und der Gastronomie ist kein Zufall", erklärte René Rudolf, Bundesjugendsekretär beim DGB. Schließlich müssten zwei Drittel der Auszubildenden in der Hotel- und Gastronomiebranche regelmäßig Überstunden machen, durchschnittlich 8 und 9 Stunden pro Woche. Gleichzeitig herrsche häufig ein rauer Umgangston, bei oft schlechter Betreuung durch die Ausbilder. "Bei diesen Auszubildenden herrscht das Gefühl vor, dass sie als billige Arbeitskraft ausgenutzt werden", so Rudolf.

Gerade die Arbeitgeber in der Hotel- und Gastronomiebranche hatten in den letzten Jahren vehement eine Aufweichung des Jugendarbeitsschutzgesetzes gefordert. Sie wollten eine Lockerung der Schutzregelungen für junge Menschen erreichen, damit diese bis spät in die Nacht arbeiten dürfen. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Überprüfung des Jugendarbeitsschutzgesetzes hat dieser Forderung allerdings eine klare Absage erteilt. Laut Ausbildungsbericht hat fast jeder fünfte der unter 18-jährigen Auszubildenden (18 Prozent) regelmäßig länger als die gesetzlich erlaubten 40 Stunden in der Woche arbeiten müssen.

Ausbildungsübergreifend liegt der Anteil der Auszubildenden, die Überstunden leisten, mit 40,6 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres (40,2 Prozent). Fast jeder dritte Azubi (28,5 Prozent) muss nach eigenen Angaben ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen (Vorjahr: 30 Prozent).

Nach wie vor gibt es auffällige geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ausbildung. Frauen bekommen in den von ihnen bevorzugen Berufen weniger Geld und Urlaub, müssen öfter Überstunden leisten und erhalten gleichzeitig einen schlechteren Überstundenausgleich. Dies spiegelt auch der Ausbildungsreport wieder: die Azubis in den weiblich dominierten Berufen sind weniger zufrieden mit ihrer Ausbildung als die Azubis in den männlich dominierten Ausbildungsgängen.

Ungerechte Behandlung im Betrieb ist aus Sicht der Auszubildenden kein seltenes Problem. Knapp die Hälfte (45,4 Prozent) der Befragten gab an, während ihrer Ausbildung "selten", "manchmal" oder "häufig" ungerecht behandelt worden zu sein.

Sehr problematisch für die Auszubildenden ist die oft ungeklärte Übernahmesituation. Zum Zeitpunkt der Befragung wussten zwei von drei der Befragten (65,9 Prozent) aus allen Lehrjahren noch nicht, ob sie am Ende der Ausbildung übernommen werden. Lediglich ein knappes Viertel (24,3 Prozent) der Befragten hatte bereits eine Zusage erhalten.

Der Ausbildungsreport des DGB erscheint jährlich. In dem Ausbildungsreport wird die Qualität der Ausbildung anhand verschiedener Kriterien untersucht, wie zum Beispiel den Arbeitszeiten, der Vergütung und der fachlichen Anleitung.
Für die repräsentative Befragung wurden in diesem Jahr 9.325 Auszubildende aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt. Damit haben über 2000 Menschen mehr teilgenommen als im vergangenen Jahr.

Quelle:
PM des DGB vom 14.09.2011

© arbeitsrecht.de - (akr)

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