Arbeit & Politik

Tipps für Betriebsvereinbarungen: Whistleblower schützen

Die Hans-Böckler-Stiftung hat neue Auswertungen vorgelegt, die Betriebsräte als Arbeitshilfen für eigene Vereinbarungen verwenden können: Zum Beispiel zum Schutz von Mitarbeitern, die gegen Korruption und Straftaten in ihren Betrieben vorgehen wollen.

Der Schutz von "Whistleblowern" (englisch für: Pfeifenbläser, im übertragenen Sinne: Alarmgeber) ist ein heißes Eisen. Immer mehr Unternehmen und öffentliche Einrichtungen treffen Regelungen, um es Mitarbeitern zu ermöglichen, auf Missstände und Straftaten hinzuweisen, ohne dadurch ihren Arbeitsplatz aufs Spiel zu setzen. Dennoch werden solche Personen immer noch häufig als Spitzel und Denunzianten angesehen - und von Arbeitgebern und Kollegen entsprechend behandelt. So entschied am 21. Juli 2011 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg, dass die Kündigung einer Altenpflegerin, die auf Missstände in einer Klinik aufmerksam gemacht hatte, gegen die Menschenrechte verstößt. Der EGMR verurteilte die Bundesrepublik Deutschland dazu, der Klägerin insgesamt 15.000 Euro Entschädigung zu zahlen (Aktenzeichen: 28274/08). Die deutsche Arbeitsgerichte hatten die Kündigung zuvor bestätigt.

Die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) legt jetzt in Zusammenarbeit mit dem Whistleblower Netzwerk e.V. eine Kurzauswertung von 32 betrieblichen Vereinbarungen und Richtlinien zum Thema Whistleblowing vor, die in den Jahren 2008 bis 2011 abeschlossen wurden und die Wege und Instrumente regeln, um auf Missstände in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen hinzuweisen. Interessierte können die Auswertung, ein Gestaltungsraster für betriebliche Vereinbarungen und Formulierungstipps für eigene Vereinbarungen kostenlos bei der Hans-Böckler-Stiftung herunterladen.

Zur Auswertung geht's hier!

Alle Arbeitshilfen zum Thema Whistleblowing finden Sie im Online-Auftritt der HBS im Abschnitt "Unternehmenskultur".

Quelle:
PM der HBS vom 18.08.2011

© arbeitsrecht.de - (ck)

Artikel drucken
  • Xing
  • deli.cio.us

Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik

Kommt bald ein Whistleblowerschutzgesetz?

15.09.2011 | Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat den ersten Schritt gemacht und Whistleblower geschützt. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zieht jetzt nach und fordert gesetzliche Regelungen. Das geht aus einer Anfrage an die Bundesregierung hervor. [mehr]

Arbeitgeber verzeihen Unpünktlichkeit

19.08.2010 | Nur jeder fünfte Beschäftigte bekommt Ärger mit dem Chef, wenn er zu spät zur Arbeit kommt. Das hat eine Umfrage des Karriereportals Monster.de ergeben. [mehr]

200 Millionen Euro Schäden durch Aprilscherze?

01.04.2011 | Ernsthafte Bedenken gegen die »Spaßkultur« in Deutschlands Betrieben und Verwaltungen meldet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung an. Nach einer fundierten Schätzung haben Beschäftigte am 1. April 2010 durchschnittlich 0,34 Stunden weniger produktiv gearbeitet. [mehr]

Im Zweifel für die Meinungsfreiheit

23.09.2011 | Die Neue Richtervereinigung (NRV) begrüßt, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Meinungsfreiheit von Beschäftigten im Betrieb beim so genannten Whistleblowing wieder zurechtgerückt hat. [mehr]

Vorerst kein Gesetz zum Schutz von Whistleblowern

10.10.2011 | Die Bundesregierung sieht derzeit keinen Bedarf, ein Gesetz zum Schutz von so genannten Whistleblowern zu erlassen. Die arbeitsrechtlichen Vorschriften für Mitarbeiter, die Missstände bei ihrem Arbeitgeber melden, sind ausreichend. [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

Mobbingklage erfolglosOberarzt wollte eine halbe Million Euro Schadensersatz

20.01.2012 | Voraussetzung für die Zahlung von Schmerzensgeld ist der Nachweis der Schaffung eines für Mobbing typischen feindlichen Umfelds. Die vom Oberarzt dargelegten Konflikte am Arbeitsplatz haben den üblichen Rahmen jedoch nicht überschritten. [mehr]

Kündigung wegen Gebrauch von Nazi-Zitat unwirksam

26.07.2011 | Zwar stellt die Anrede "Jawohl mein Führer" gegenüber einer Kollegin an sich einen Grund für eine verhaltenbedingte Kündigung dar, dennoch setzt eine Kündigung wegen einer Vertragspflichtverletzung regelmäßig eine einschlägige Abmahnung voraus. [mehr]

Mobbing - Das sollten Betroffene wissen! (02/2011)

26.01.2011 | In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankungen stetig gestiegen. Die Fehlzeiten-Statistiken der Krankenkassen belegen das. Doch nicht nur Stress sorgt für vermindertes Leistungsvermögen. Auch Mobbing, die tägliche Schikane am Arbeitsplatz, macht krank. [mehr]

Mobbing und Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz (23/2004)

03.11.2004 | Das Thema "Mobbing und Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz" hat auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen in den letzten Jahren an trauriger Bedeutung gewonnen. Verantwortlich dafür sind tief greifende Verunsicherungen und Zukunftsängste. [mehr]

Aus den Zeitschriften

AiB Plus: Nachteile durch schlechtes Deutsch

01.03.2010 | Arbeitnehmer, die nicht perfekt deutsch sprechen, stoßen im Arbeitsleben oft auf Schwierigkeiten. Im manchen Fällen rechtfertigen schlechte Sprachkenntnisse sogar eine Kündigung. [mehr]

Arbeitsrecht im Betrieb: Mobbing und Strafrecht

08.03.2010 | Dass Mobbing seelisch und körperlich krank machen kann, bestätigen Psychologen und Arbeitsmediziner. Unter Umständen können Opfer sich mit einer Strafanzeige zur Wehr setzen. [mehr]