Arbeit & Politik

Arbeitnehmerfreizügigkeit: Bundesagentur legt Hochrechnung vor

Nach einer Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit hat die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union keinen nennenswerten Zuzug ausländischer Arbeitnehmer nach Deutschland bewirkt.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig und ausschließlich geringfügig Beschäftigten aus den acht neuen Mitgliedstaaten (seit 2004) Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen hat von April auf Mai 2011 um 33.000 auf 259.000 zugenommen. Stellt man in Rechnung, dass ein gewisser Anstieg von April auf Mai jahreszeitlich üblich ist, ergibt sich für Mai ein Zuwachs von 24.000 Beschäftigten, der der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit zugerechnet werden kann. Der Anteil der Beschäftigten aus den acht neuen Mitgliedsstaaten an allen Beschäftigten belief sich damit im Mai auf 0,8 Prozent.

Für die acht neuen EU-Mitgliedstaaten gilt seit dem 1. Mai 2011 die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Auf Basis der Beschäftigungsdaten der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist eine erste Einschätzung darüber möglich, wie sich die neue Arbeitnehmerfreizügigkeit auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt hat. Angaben zur Beschäftigung liegen bis zum 31. Mai 2011 vor. Die Daten sind noch vorläufig und wurden auf Basis von Ergebnissen mit zweimonatiger Wartezeit hochgerechnet.

Der Anstieg der Beschäftigten aus den EU-Staaten fällt deutlich höher aus als die Zahl der Zuzüge aus den Mitgliedsstaaten (10.235) und der Saldo aus Zu- und Fortzügen im Monat Mai (8.027 Personen) nach den Angaben des Ausländerzentralregisters. Dies spricht dafür, dass der Anstieg der sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten nur zum kleineren Teil durch Zuwanderung erfolgt ist. Zum größeren Teil dürften diese Personen bereits in Deutschland gelebt haben und nicht erwerbstätig oder als Selbständige tätig gewesen sein.

"Nach wie vor hält sich der Zustrom osteuropäischer Arbeitskräfte in Grenzen. Die neuesten Daten bestätigen das Interesse, in den traditionellen Branchen wie Land- und Forstwirtschaft, im Baugewerbe oder in der verarbeitenden Industrie eine Beschäftigung zu finden. Sie stellen keine nennenswerte Konkurrenz für heimische Arbeitslose dar", sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker.

Ende Mai 2011 waren von den Beschäftigten aus den acht neuen Mitgliedstaaten 186.000 sozialversicherungspflichtig und 73.000 ausschließlich geringfügig beschäftigt. Aufgrund der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 15.000 und die geringfügige Beschäftigung um 9.000 gestiegen.

Der Gesamtanstieg von 24.000 entfällt vor allem auf die Land- und Forstwirtschaft (+8.100), das Baugewerbe (+2.700), das Verarbeitende Gewerbe (+2.200) und die Arbeitnehmerüberlassung (+2.100). Dabei wird der Anstieg in der Land- und Forstwirtschaft vor allem von geringfügiger Beschäftigung getragen.

Dieser bundesweite Anstieg entfällt zu 85 Prozent auf Westdeutschland. Den absolut stärksten Anstieg gab es in Bayern (+4.700), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (+4.500) und Niedersachsen (+3.600). 

Mehr zum Thema finden Sie hier!

Quelle:
PM der Bundesagentur für Arbeit vom 27.07.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik

Schattenwirtschaftskrise

27.01.2011 | Durch die dynamische Entwicklung der Wirtschaft und den Rückgang der Arbeitslosigkeit verringert sich der Umfang der Schattenwirtschaft. Das zeigt eine Untersuchung der Universität Linz und dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen.  [mehr]

Migranten und ehemalige Sozialhilfeempfänger profitieren von Leiharbeit

14.01.2011 | Leiharbeit ist eine gute Möglichkeit für Arbeitslose, in reguläre Beschäftigung zu kommen - zumindest in Dänemark. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.  [mehr]

Leiharbeit schadet der Integration

12.10.2011 | Einige Zeitarbeitsfirmen nutzen es gezielt aus, dass Beschäftigte auch eine Arbeit zu ausbeuterischen Bedingungen akzeptieren, um ihre Aufenthaltserlaubnis nicht zu gefährden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung.  [mehr]

EU-KommissionRichtlinienvorschläge zur konzerninternen Entsendung bleiben umstritten

26.06.2012 | Die EU-Kommission hat nun Richtlinienvorschläge vorgelegt, um die Bedingungen für Saisonarbeit und konzerninterne Entsendung innerhalb Europas zu erleichtern. Doch dieser Entwurf stößt bei Experten auf ein unterschiedliches Echo.  [mehr]

Immer mehr Leiharbeiter beim Bund

03.02.2011 | Die Zahl der Leiharbeiter bei Bundesbehörden wuchs zwischen 2008 und 2010 von 771 auf 1593. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

Missbrauch von LeiharbeitBei dauerndem Beschäftigungsbedarf ist Leiharbeit verboten

15.01.2014 | Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) verbietet die auch nur befristete Beschäftigung von Leiharbeitnehmern, wenn sie einen dauerhaft anfallenden Bedarf abdecken sollen. Mit dieser Entscheidung bekräftigt das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein das Verbot des Missbrauchs von Leiharbeit.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

LeiharbeitUnwirksamer Selbstverleih begründet Arbeitsverhältnis

15.01.2016 | Wenn ein freiberuflicher Kameramann sich selbst über eine eigene Leiharbeitsfirma an einen Fernsehsender verleiht, ist die Arbeitnehmerüberlassung unwirksam. Allerdings kann er auf Feststellung eines Arbeitsverhältnisses mit dem Fernsehsender klagen.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Gesetzgebung

EU-LeiharbeitsrichtlinieDeutschland hat die Richtlinie umgesetzt

06.12.2011 | Mehr als drei Millionen Zeitarbeiter in Europa können auf gleiche Arbeitsbedingungen hoffen. Seit dem 05.12.2011 muss die Richtlinie über Leiharbeit in allen Mitgliedstaaten im nationalen Recht verankert sein.  [mehr]

Bundesregierung will Missbrauch bei Arbeitnehmerüberlassung eindämmen

20.09.2010 | Die Bundesregierung hat am 02. September einen Gesetzentwurf zur Verhinderung von Missbrauch der Arbeitnehmerüberlassung vorgelegt. Zukünftig soll verhindert werden, dass Arbeitnehmerüberlassung als „Drehtür“ zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen missbraucht wird.  [mehr]

Maßnahmen gegen Missbrauch von Leiharbeit (07/2010)

07.04.2010 | Unternehmen wie Schlecker wird vermehrt vorgeworfen, die Möglichkeit der Arbeitnehmerüberlassung zu Lasten der Beschäftigten ausnutzen. Die Politik hat nun erste Gegenmaßnahmen eingeleitet.  [mehr]

Schrittweise neue Rechte für Leiharbeiter (10/11)

18.05.2011 | Europa hat erfolgreich Druck auf Deutschland gemacht: das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) wurde nach den Anpassungen im Rahmen der Hartz-Reformen erneut modifiziert. Seit dem 1. Mai gelten andere Spielregeln in der Zeitarbeit - unter anderem ohne "Drehtüreffekt".  [mehr]

Aus den Zeitschriften

Arbeitsrecht im Betrieb: Flexibilität oder Lohndumping?

16.11.2010 | Die Bundesregierung plant, das Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz (AüG) zu ändern, um europarechtliche Vorgaben für die Leiharbeit umzusetzen. In der AiB nimmt Dr. Thomas Klebe, Justiziar der IG Metall, aus gewerkschaftlicher Sicht Stellung zum Gesetzesentwurf.  [mehr]

Gute Arbeit: Arbeiten auf dem Schleudersitz

26.04.2010 | Leiharbeit baut keine Brücken in reguläre Beschäftigung, sondern schlägt eine Schneise zu dauerhafter Prekarisierung, zu Armutslohn und Existenzunsicherheit. Das Erkrankungsrisiko bei Leiharbeit ist überdurchschnittlich hoch.  [mehr]