Arbeit & Politik

Zeitdruck belastet die Gesundheit vieler Beschäftigter

Jede siebte Frau und jeder fünfte Mann arbeiten unter Bedingungen, die sie als Gefahr für ihre Gesundheit empfinden. Das zeigt eine Studie des Robert-Koch-Instituts, die in der aktuellen Ausgabe "Böckler Impuls" der Hans-Böckler-Stiftung zusammengefasst wird.

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts geht ein erheblicher Teil der Beschäftigten davon aus, dass mit ihrem Tagewerk Gefahren für das körperliche und seelische Wohlbefinden verbunden sind. Jeder fünfte Mann bezeichnet seine Arbeitsbedingungen als insgesamt "stark oder sehr stark gesundheitsgefährdend". Zu dem gleichen Schluss gelangt jede siebte berufstätige Frau. Für die Studie wurden knapp 13.700 erwerbstätige Frauen und Männer von 18 bis 64 Jahren befragt.

Als häufigste Einzel-Belastung wurde das Arbeiten unter Zeit- und Leistungsdruck genannt. 36 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer sagen, dass sie im Job häufig unter Zeitnot und Leistungszwang leiden. Dieser Stressfaktor steigere ebenso wie ein schlechtes Betriebsklima die Sensibilität für andere schädliche Einflüsse. Gerade Frauen erleben diesen Effekt besonders stark, schreiben die Studienautoren Lars Eric Kroll, Stephan Müters und Nico Dragano. 18,5 Prozent aller Befragten nannten strikte Vorgaben als potenzielle Ursache von Krankheiten.

Jeder dritte Befragte arbeitet häufig bei Lärm, Hitze oder Kälte. 27,3 Prozent der Erwerbstätigen müssen oft schwere Lasten heben und tragen. Insbesondere Frauen sorgen sich der Studie zufolge, dass dies ihre Gesundheit gefährden kann. Bei ihnen ist die körperliche Belastung in der Kranken- und Altenpflege besonders stark. Männer sehen die eigene Gesundheit vor allem am Bau, im Handwerk, im Güterverkehr und im Personentransport in Gefahr.

Arbeiter berichten etwa doppelt so häufig wie Angestellte und Beamte von einer starken gesundheitlichen Gefährdung durch den Beruf. 30 Prozent der männlichen Facharbeiter gaben an, dass sie starken oder sehr starken Gesundheitsgefährdungen ausgesetzt sind - bei Angestellten sind die Zahlen nur etwa halb so groß. Laut Deutscher Rentenversicherung gingen vor zwei Jahren etwa 14 Prozent aller Rentenzugänge aufgrund einer krankheits- oder unfallbedingten Verminderung ihrer Erwerbsfähigkeit vorzeitig in Rente.

Quelle:
Böckler Impuls Ausgabe 12/2011

© arbeitsrecht.de - (akr)

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