Arbeit & Politik

Zwischenbilanz zum Pilotprojekt "Anonymisierte Bewerbungsverfahren" vorgestellt

Nach sechs Monaten Projektlaufzeit zeigt sich die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes - Christine Lüders – erfreut: das Fehlen persönlicher Angaben in Bewerbungsunterlagen führe bei Personalentscheidern zu einer Fokussierung auf die Qualifikationen.

Über 4000 anonymisierte Bewerbungen und 111 anonymisiert besetzte Stellen: auf einer Pressekonferenz am 16. Juni stellte Lüders den Zwischenbericht zum Pilotprojekt vor. Daraus geht hervor, dass mit allen im Modellprojekt angewendeten Methoden erfolgreich neue Auszubildende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden werden konnten.

So empfanden die Arbeitgeber das Fehlen zahlreicher persönlicher Angaben in den Bewerbungsunterlagen als unproblematisch. Das führe zu einer Fokussierung auf die Qualifikationen, was als positiv bewertet wurde. Auch die Rückmeldungen der Bewerbenden sind ermutigend.

Laut einer Umfrage unter Bewerberberinnen und Bewerbern, die ihre Angaben im Rahmen des Projekts selbst anonymisiert haben, bevorzugt eine Mehrheit von 45 Prozent anonymisierte Bewerbungsverfahren. Rund 19 Prozent gaben an, keine Präferenz zu haben. Lediglich 36 Prozent bevorzugten demnach das herkömmliche Verfahren. Auch was die Einschätzung des Zeitaufwandes angeht, äußerten sich die Befragten positiv: Dreiviertel der Befragten meinten, dass es für sie keinen zeitlichen Unterschied mache oder sogar schneller gehe als bei herkömmlichen Verfahren. Lediglich 24 Prozent sagten, dass sie für das anonymisierte Verfahren mehr Zeit brauchen.

In dem Pilotprojekt arbeiten die Beteiligten mit insgesamt vier verschiedenen Varianten der Anonymisierung: einem standardisierten Bewerbungsformular (zum Herunterladen aus dem Internet oder als Online-Maske), dem Blindschalten sensibler Daten durch ein Online-System, der Übertragung von Bewerber/innen-Daten in eine Tabelle und dem Schwärzen per Hand oder im pdf-Dokument.

Am bundesweit ersten Pilotprojekt zu anonymisierten Bewerbungsverfahren beteiligen sich fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber. Im Einzelnen handelt es sich um die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, das Kosmetikunternehmen L´Oréal, den Geschenkdienstleister Mydays, den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Stadtverwaltung von Celle. Nach einem halben Jahr wurde nun erstmals eine Zwischenuntersuchung durchgeführt. Dabei geht es um die Erfahrungen der Personalverantwortlichen und der Bewerbenden mit dem neuen Verfahren.
Quelle:

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PM der Antidiskriminierungsstelle des Bundes v. 16.06.2011

© arbeitsrecht.de - (ts)

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