Arbeit & Politik

Tarifergebnis mit Signalwirkung

Rund 220.000 Einzelhandelsbeschäftigte in Baden-Württemberg bekommen rückwirkend zum 1. Juni 2011 drei Prozent mehr Gehalt. Außerdem hat ver.di mit den Arbeitgebern für alle Verkäufer 36 Tage Urlaub ausgehandelt. Der Tarifabschluss könnte wegweisend für die gesamte Branche sein.

Zusätzlich zur Gehaltserhöhung im Juni 2011 bekommen die Verkäufer im kommenden Jahr (1. Juni 2012) weitere zwei Prozent Zuschlag. Im April 2012 folgt eine Einmalzahlung in Höhe von 50 Euro. Die im Manteltarifvertrag festgeschriebene Anzahl der Urlaubstage wird für alle auf 36 Tage erhöht.


Die Eckpunkte des Abschlusses:

  • Erhöhung der tariflichen Löhne und Gehälter zum 01.06. 2011 um 3 Prozent (zwei Nullmonate) und eine weitere Erhöhung der tariflichen Löhne und Gehälter zum 01.06. 2012 um 2 Prozent (2 Nullmonate)

  • Die tariflichen Vergütungen für die Auszubildenden werden zum 01.08.2011 um drei Prozent und zum 01. 08. 2012 um zwei  Prozent erhöht.

  • Vereinbart wurden mehrere Änderungen im Manteltarifvertrag, die dazu dienen, diskriminierende Vorschriften (Stichwort Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) zu beseitigen, (etwa eine an das Alter der Beschäftigten geknüpfte Urlaubsstaffel) mit dem Ergebnis, dass alle Mitarbeiter künftig einen sechswöchigen Urlaub (Teilzeitkräfte anteilig) haben.

  • Laufzeit 24 Monate (1. 04. 2011 bis 31.03. 2013)


Sie erwarte, dass die Arbeitgeber auch in den anderen Bundesländern diesem Beispiel folgten und ihre Angebote entsprechend aufstockten, damit am Ende alle der rund 2,7 Millionen Einzelhandelsbeschäftigten spürbar mehr Geld im Portmonee und rechtssichere Manteltarifregelungen bekämen, betonte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane. Dann hätte der Tarifabschluss in Baden-Württemberg Signalwirkung.

Auch die Arbeitgeberseite geht von einem Pilotcharakter des erzielten Ergebnisses aus. Der Vorsitzende der Tarifkommission der Arbeitgeberseite in Baden-Württemberg, Philip Merten, sagte nach Verhandlungsschluss es sei ein Abschluss, der für die wirtschaftlich uneinheitlich laufende Branche gerade noch vertretbar ist. Die Gespräche waren hart in der Sache, aber konstruktiv und letztendlich erfolgreich. Die Einigung gebe den Arbeitgebern den Raum, die Gespräche mit ver.di über eine neue Tarifstruktur und ein tarifliches Basisentgelt jetzt konzentriert fortzuführen.

Das Ergebnis steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die zuständige Tarifkommission.

Quelle:
PM von ver.di und des Handelsverbandes Baden-Württemberg vom 10.06.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

Tarifvertragsparteien müssen Kündigungsfristen nicht staffeln

29.04.2008 | Die Tarifvertragsparteien sind nicht verpflichtet, für Arbeitnehmer mit längerer Beschäftigungsdauer verlängerte Kündigungsfristen vorzusehen. Es besteht kein Differenzierungsgebot zu Gunsten älterer Arbeitnehmer.  [mehr]

Altersgrenze im Manteltarifvertrag der Hamburger Hochbahn AG wirksam

23.02.2011 | Das Landesarbeitsgericht Hamburg hat die Klage eines Mitarbeiters abgewiesen, der sich gegen die Beendigung seines Arbeitsverhältnisses wegen Erreichens der tariflichen Altersgrenze gewendet hatte. Die Altersgrenze ist mit höherrangigem Recht vereinbar.  [mehr]

Arbeitshilfen

Ausstieg aus Tarifverträgen - kein Allheilmittel (03/2006)

01.02.2006 | Durch gestiegenen Wettbewerb und die damit verbundene Notwendigkeit, Kosten zu verringern, stellt sich für viele Unternehmen die Frage, ob durch einen Austieg aus dem Tarifvertrag Einsparungen ermöglicht werden können. Von einem pauschalen Ausstieg zumindest ist abzuraten.  [mehr]