Arbeit & Politik

Steuer- und Abgabenlast: Wer wenig hat, dem wird viel genommen

Höhere Kinderfreibeträge und eine Anpassung des Steuerfreibetrags führten in Deutschland zu einem Rückgang der Steuer- und Abgabenlast im Jahr 2010. Nach einer aktuellen OECD-Studie profitierten davon vor allem kinderlose Spitzenverdiener anstatt Alleinerziehender.

Deutschland gehörte 2010 erneut zu den Ländern, in denen die Steuer- und Abgabenlast für Arbeitnehmer stärker gesunken ist als im OECD-Schnitt. Für einen durchschnittlichen unverheirateten Angestellten ohne Kinder reduzierte sich die Gesamtbelastung um 1,84 Prozentpunkte (nur Ungarn lag mit minus 6,65 Prozentpunkten noch darüber). Dies geht aus der aktuellen Ausgabe der Studie Taxing Wages hervor, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht hat. Für alle untersuchten Haushaltstypen liegt die Abgabenlast nun unter dem Niveau des Jahres 2000 und das, obwohl die nominalen Durchschnittslöhne seither erheblich gestiegen sind.

In zwei von drei OECD-Ländern hat sich die Steuer- und Abgabenlast im vergangenen Jahr erhöht. In Deutschland jedoch führten höhere Kinderfreibeträge und eine leichte Anpassung des allgemeinen Steuerfreibetrages zum Rückgang der Steuer- und Abgabenlast. Auf mittlere Sicht haben vor allem kinderlose Spitzenverdiener von den Entlastungen der vergangenen Jahre profitiert. Für Alleinerziehende, die nur über die Hälfte eines Durchschnittseinkommens verfügen, lagen die Lohnabzüge dagegen in etwa auf dem Niveau des Jahres 2000.

Insgesamt wird der Faktor Arbeit in Deutschland noch immer deutlich stärker mit Sozialabgaben und Steuern belastet als in den meisten anderen OECD-Ländern. Besonders weit über dem OECD-Mittel liegt die Belastung bei alleinstehenden Geringverdienern und Alleinerziehenden. So beliefen sich in Deutschland 2010 Steuern und Sozialabgaben für einen alleinerziehenden Geringverdiener (zwei Kinder, 67 Prozent des Durchschnittsverdiensts) auf 29,7 Prozent der Arbeitskosten (Bruttoverdienst plus Sozialbeiträge der Arbeitgeber). Die Abgabenlast lag damit um 13,9 Prozentpunkte über dem OECD-Schnitt von 15,8 Prozent. Bei einen Ehepaar mit zwei Kindern und einem Erwerbstätigen mit Durchschnittsverdienst lagen in Deutschland die Abzüge bei 32,6 Prozent der Arbeitskosten. Das sind nur 7,8 Prozentpunkte mehr als der OECD-Schnitt von 24,8 Prozent.


Quelle:
PM der OECD vom 11.05.2011

© arbeitsrecht.de - (akr)

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