Arbeit & Politik
Weniger Fachkräfte als Mittel gegen den Fachkräftemangel?
Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales hat eine neue Studie vorgelegt, die das Beratungsunternehmen McKinsey erstellt hat. Die Berater haben einige Tipps für Unternehmen parat, wie sie den Fachkräftemangel in den Griff bekommen können – auch zu Lasten der Belegschaft.
Genügend Arbeit sei zwar da, aber die Arbeitskräfte würden knapp, erklärte Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei der Präsentation der Untersuchung "Wettbewerbsfaktor Fachkräfte". Laut Studie werden bis 2025 bis zu 6,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen, darunter rund 2,4 Millionen Akademiker. Als zentrale Gruppen, die die Fachkräftelücke schließen sollen, benannte von der Leyen Frauen, Ältere, junge Menschen mit schlechten Startchancen und qualifizierte Zuwanderer. "Die Herausforderung des Fachkräftemangels ist gewaltig, aber Deutschland kann es schaffen, wenn Staat und Unternehmen in ihren Bereichen jetzt die richtigen Weichen stellen".
Wie diese Weichenstellung aussehen soll, führt die Wettbewerbsuntersuchung anschaulich aus. Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, Unternehmen müssen ihre Chancen nutzen. "Strategien zur Fachkräftesicherung" und "zielgerichtete Personalplanung" heißt das im Unternehmensberaterjargon. Die Experten plädieren dafür, Personalstandorte aufzuwerten und empfehlen bessere Fortbildungsmaßnahmen, um die Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Frauen müssten besser gefördert werden, um Vollzeitarbeit statt Teilzeit zu ermöglichen.
Das klingt mitarbeiterfreundlich, ist aber letztlich Arbeitgeberinteressen geschuldet. Ebenso wichtig wie beispielsweise Chancengleichheit sei die Vermeidung von Frühverrentung, heißt es in der Studie. Deshalb sollen Unternehmen mit Blick auf die Beschäftigten über 55 Jahre ihr Gesundheitsmanagement verbessern. Das passt ins Konzept der Arbeitsministerin, die die Rente mit 67 trotz heftiger Proteste der Opposition und der Gewerkschaften durchgesetzt hatte. Ein Potenzial von bis zu 1,2 Millionen Fachkräften prognostizieren die Berater durch eine stärkere Einbindung von Mitarbeitern im Alter von über 55 Jahren.
Zu viele Fachkräfte
Außerdem müssten Firmen je nach individueller Situation darüber nachdenken, in kritischen Bereichen ihren Fachkräftebedarf zu senken. Als Ausweg nannte Katrin Suder, Leiterin des Beratungsbereichs "Öffentlicher Sektor" bei McKinsey, Outsourcing und Dienstleistungszentren, so genannte Shared Services. Wenn es beispielsweise einem Unternehmen in einer strukturschwachen Region nicht gelänge, wichtige Stellen im IT-Bereich zu besetzen, könne eine Verlagerung dieser Funktion helfen, den Standort und damit die Arbeitsplätze der übrigen Beschäftigten zu sichern.
Für die Studie "Wettbewerbsfaktor Fachkräfte" analysierte McKinsey externe Forschungsergebnisse sowie weltweite Erfahrungen eigener Experten. Außerdem, so heißt es in einer Mitteilung des Beratungsunternehmens, habe man zahlreiche Gespräche und Interviews mit Personalverantwortlichen in der öffentlichen Verwaltung und Personalchefs aus Unternehmen geführt, darunter sowohl DAX-Konzerne als auch Mittelständler. Auf Gespräche mit der Arbeitnehmerseite und den Sozialpartnern haben die externen Berater des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales offensichtlich verzichtet.
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(mst)
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