Arbeit & Politik

Tag der Arbeit: Go west?

Ab 1. Mai dürfen in Deutschland Bürger aus der Tschechischen Republik, Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Slowenien und der Slowakei uneingeschränkt arbeiten. Die von einigen Experten befürchtete "Völkerwanderung" wird ausbleiben.

Deutschland ist neben Österreich der einzige EU-Staat, in dem es noch keine Arbeitnehmerfreizügigkeit für die Menschen aus den 2004 beigetretenen Mitgliedstaaten gab. EU-Beschäftigungskommissar László Andor sagte, die Beseitigung dieser letzten Hindernisse für Arbeitnehmer aus acht EU-Staaten stelle nicht nur eine große Chance für jeden Einzelnen, sondern auch für die EU als Ganzes dar. "Mobilität ist ein wesentlicher Motor für Wirtschaftswachstum, und in Ländern wie Deutschland und Österreich wird sie dazu beitragen, Qualifikationslücken zu schließen und offene Stellen zu besetzen."

Rund 100.000 "Wanderarbeiter" erwartet

Die Europäische Kommission rechnet im kommenden Jahr für den deutschen Arbeitsmarkt mit etwa 100.000 vorwiegend jungen Bewerbern aus Mittel- und Osteuropa. Zu dieser Einschätzung gelangt auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das mehrere Szenarien für Arbeitnehmerbewegungen aus Ost- nach Westeuropa für die ersten Jahre nach dem 1. Mai 2011 entwickelt hat. Grundlage der Schätzungen ist der Zuwanderungsanteil, den Deutschland nach EU-Erweiterungen in der Vergangenheit verbuchte. Maximal rechnet das IAB mit rund 140.000 Zuwanderern.  

Bei Annahme des mittleren Szenarios (Zuwanderung von rund 100.000 Arbeitnehmern) würde die Zuwanderung aus den EU-8-Staaten nach Deutschland in den Jahren 2011 bis 2020 das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um 0,2 Prozent erhöhen. Die Löhne würden gegenüber einem Referenzszenario um 0,28 Prozent geringer ausfallen und die Arbeitslosenquote
um 0,14 Prozentpunkte steigen, so die Prognose der IAB-Experten.

Quelle:
PM der EU-Kommission vom 28.04.2011, IAB-Kurzbericht 10/2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik

Freizügigkeit für Arbeitnehmer auf dem Prüfstand

05.04.2011 | Arbeitsmarktexperten sind uneinig über die Auswirkungen der Freizügigkeit für Deutschland. Die Arbeitgeberseite befürchtet keine Nachteile, die Arbeitnehmerseite rechnet mit Lohndumping, wenn ab 1. Mai EU-Bürger unionsweit arbeiten dürfen.  [mehr]

Mehr Rechte für Saisonarbeiter

06.04.2011 | In einem Antrag fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Bundesregierung auf, per Gesetz sicherzustellen, dass für alle Saisonarbeitskräfte gesetzliche Mindestlöhne gelten und die Saisonarbeit auf ein sozialverträgliches Maß begrenzt wird.  [mehr]

Entsendung und Saisonarbeit sozial gerecht gestalten

21.12.2010 | Flächendeckender Mindestlohn und die Geltung regionaler Tarifverträge für EU-Arbeitsmigranten - die SPD-Bundestagsfraktion hat der Bundesregierung einen Maßnahmenkatalog für die Öffnung des Arbeitsmarktes vorgelegt.  [mehr]

Freie Arbeit für freie Bürger

20.09.2010 | Ab Mai 2011 können Arbeitnehmer aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn ohne jede Einschränkung in Deutschland arbeiten. Gewerkschaften fordern Regeln gegen Lohndumping.  [mehr]

Handwerker aus EU-Beitrittsländern sind kaum gefragt

13.09.2011 | Seit Mai 2011 dürfen alle Arbeitnehmer aus den acht osteuropäischen EU-Beitrittsländern ohne gesonderte Erlaubnis in Deutschland arbeiten. Die Deutschen scheuen sich aber davor, Handwerker aus dem EU-Ausland zu beauftragen - aus Angst vor Pfusch oder Lohndumping.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

Bauunternehmer haftet für Mindestlohn der Mitarbeiter seines Subunternehmers

05.04.2007 | Ein Unternehmer, der einen Nachunternehmer mit der Erbringung von Bauleistungen beauftragt, haftet nach § 1a Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) für die tariflichen Mindestlohnansprüche der bei dem Nachunternehmer beschäftigten Arbeitnehmer wie ein Bürge. Der hierdurch bewirkte Eingriff in die durch das Grundgesetz geschützte unternehmerische Betätigungsfreiheit der Bauunternehmer ist durch überragend wichtige Gründe des Gemeinwohls gerechtfertigt und entspricht dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.  [mehr]

Mindestlohnverordnung ist rechtswidrig

19.12.2008 | Die auf Grundlage des Entsendegesetzes erlassene Mindestlohn-Verordnung (Mindestlohn-VO) verstößt gegen den Gesetzesvorbehalt des Art. 80 Abs. 1 S. 1 GG und ist daher rechtswidrig.  [mehr]

Gesetzgebung

Bundesrat beschließt Mindestlohnkontrolle

20.06.2011 | Der Bundesrat hat dem Gesetz zur Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes zugestimmt. In Zukunft wird der Zoll die Zahlungen von Mindestlöhnen in der Leiharbeitsbranche überwachen.  [mehr]

Gesetzlicher Mindestlohn für 1,2 Millionen Beschäftigte

21.02.2011 | Das Ringen um Hartz IV war zäh, jetzt haben sich Regierung und Opposition geeinigt. Die SPD konnte außerdem für Leiharbeit, Wach- und Sicherheitsgewerbe und die Weiterbildungsbranche gesetzliche Mindestlöhne durchsetzen.  [mehr]

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Chancengleichheit

29.01.2010 | Der Begriff der Chancengleichheit findet sich im Arbeitsrecht und im öffentlichen Dienstrecht in einer Vielzahl von Ausgestaltungen.  [mehr]

Maßnahmen gegen Missbrauch von Leiharbeit (07/2010)

07.04.2010 | Unternehmen wie Schlecker wird vermehrt vorgeworfen, die Möglichkeit der Arbeitnehmerüberlassung zu Lasten der Beschäftigten ausnutzen. Die Politik hat nun erste Gegenmaßnahmen eingeleitet.  [mehr]

Änderungskündigung in die Leiharbeit? (20/2007)

26.09.2007 | Die Leiharbeit ist in vielen Betrieben auf dem Vormarsch - mit entsprechenden Auswirkungen für die Stammbelegschaft. Leiharbeitnehmer sollen durch eine Änderungskündigung in eine geringere Vergütung gedrängt oder ganze Betriebsabteilungen ausgegliedert werden, um neue Tarifregelungen anwenden zu können.  [mehr]

Aus den Zeitschriften

Gute Arbeit: Arbeiten auf dem Schleudersitz

26.04.2010 | Leiharbeit baut keine Brücken in reguläre Beschäftigung, sondern schlägt eine Schneise zu dauerhafter Prekarisierung, zu Armutslohn und Existenzunsicherheit. Das Erkrankungsrisiko bei Leiharbeit ist überdurchschnittlich hoch.  [mehr]

Arbeitsrecht im Betrieb: Flexibilität oder Lohndumping?

16.11.2010 | Die Bundesregierung plant, das Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz (AüG) zu ändern, um europarechtliche Vorgaben für die Leiharbeit umzusetzen. In der AiB nimmt Dr. Thomas Klebe, Justiziar der IG Metall, aus gewerkschaftlicher Sicht Stellung zum Gesetzesentwurf.  [mehr]