Arbeit & Politik

Kind oder Karriere?

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich in einer aktuellen Studie mit internationaler Familienpolitik befasst. Ergebnis: Kinder gehen in Deutschland häufig zu Lasten der Karriere und der finanziellen Ausstattung einer Frau.

Die OECD-Studie "Doing Better for Families" zeigt, dass im internationalen Vergleich erhebliche Unterschiede darin bestehen, wie Familien in den einzelnen Ländern Wahlmöglichkeiten bei ihren Entscheidungen in Bezug auf Familie und Beruf erhalten sollen. Für Deutschland hat die Entwicklungsorganisiation folgende Kernaussagen getroffen:


Gut:

  • Deutschland belegt einen Spitzenplatz, wenn es um Steuervergünstigungen für Familien geht: Im OECD-Schnitt betragen kinderbezogene Steuererleichterungen zehn Prozent, in Deutschland erhalten Familien ein Drittel aller Leistungen über das Steuersystem. Insgesamt betragen die öffentlichen Ausgaben für Ausbildung und Familienpolitik bis zum 18. Lebensjahr eines Kindes 146.000 Euro (rund 124.000 im OECD-Schnitt).


  • Wegen der Familienförderung liegt die Kinderarmutsrate in Deutschland bei 8.3 Prozent. Im Vergleich zum OECD-Mittel von 12.7 Prozent ist das relativ niedrig.


  • Anreize für Väter, sich mehr in die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern und somit Frauen den Weg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Besonders positiv: die kürzlich erfolgte Elternzeitreform, die einen bestimmten Teil der Elternzeit nur für Väter reserviert.


Schlecht:

  • Trotz guter Noten für das familienfreundliche Steuersystem: Deutschland ist das einzige OECD-Land, dessen Steuersystem bei Familien mit Kindern Alleinverdiener bevorzugt.


  • Kinder gehen häufig zu Lasten der Karriere. Der Vergleich zwischen Frauen mit erwachsenen Kindern und gleichaltrigen kinderlosen Frauen im gleichen Job zeigt: Die Mutter kommt auf weniger als die Hälfte des Lebensgehaltes der Frau ohne Kind.


  • Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern sind in Deutschland besonders ausgeprägt. Für das Durchschnittseinkommen heißt das 25 Prozent weniger für Frauen als für Männer (OECD-Schnitt: 16 Prozent).


  • Die Öffnungszeiten der Kindergärten sind oft kurz und der Anteil der Kinder, die das Angebot nutzen, ist verhältnismäßig niedrig. Das gleiche gilt für außerschulische Betreuung: Sie wird in Deutschland nur von zehn Prozent aller Grundschüler in Anspruch genommen.


Quelle:
PM der OECD vom 27.04.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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