Arbeit & Politik

Mehrheit der Deutschen will Mindestlohn

Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung befürchtet, dass im Zuge der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Europäischen Union ab Mai 2011 die Löhne in Deutschland und damit auch die Arbeitsplätze zunehmend unter Druck geraten. Das zeigt eine Umfrage der Gewerkschaften ver.di und NGG.

Bei der aktuellen repräsentativen Meinungsumfrage von infratest-dimap im Auftrag der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sind 76 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Regierungsparteien einem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland sofort zustimmen müssen, um Lohndumping zu verhindern. 69 Prozent meinen, ein gesetzlicher flächendeckender Mindestlohn würde am effektivsten vor Lohndumping schützen.

Es sei bedauerlich, dass entsprechende Mindestlohn-Anträge von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Partei Die Linke im Bundestag auf den Widerstand der schwarz-gelben Koalition treffen. Laut ver.di-Vorsitzendem Frank Bsirske sei knapp eine Million Menschen, darunter 400.000 Vollzeitbeschäftigte, darauf angewiesen, ihre Niedriglohneinkünfte auf Arbeitslosengeld-II-Niveau aufzustocken. Es sei nicht länger hinnehmbar, dass die Allgemeinheit Niedriglöhne mit rund elf Milliarden Euro jährlich subventioniere und auf diesem Weg skrupellosen Arbeitgebern ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile verschaffe. Diese Gerechtigkeitslücke sei nur durch einen flächendeckenden und existenzsichernden Mindestlohn zu schließen.

Deshalb halten ver.di und NGG die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns für dringend erforderlich. Die Gewerkschaften plädieren für mindestens 8,50 Euro pro Stunde, orientiert am Durchschnitt der Mindestlöhne in den westeuropäischen Nachbarstaaten. Der Vorsitzende der NGG, Franz-Josef Möllenberg, wies darauf hin, dass in Zeiten der Globalisierung ein gesetzlicher Mindestlohn unabdingbar sei, um soziale Standards vor Aushöhlung zu schützen.

Quelle:
PM von ver.di vom 14.04.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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