Arbeit & Politik

200 Millionen Euro Schäden durch Aprilscherze?

Ernsthafte Bedenken gegen die »Spaßkultur« in Deutschlands Betrieben und Verwaltungen meldet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung an. Nach einer fundierten Schätzung haben Beschäftigte am 1. April 2010 durchschnittlich 0,34 Stunden weniger produktiv gearbeitet.

Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) heute meldet, ergeben ökonometrische Schätzungen, dass am 1. April 2010 pro Arbeitnehmer 0,34 Stunden weniger produktiv gearbeitet wurden. Vor allem Angestellte investieren an diesem Tag im Jahr einen Teil ihrer Arbeitszeit in Aprilscherze, heißt es in einer Mitteilung. Bei rund 28 Millionen abhängig Beschäftigten und einem durchschnittlichen Stundenlohn von 21,32 Euro ergibt sich damit ein volkswirtschaftlicher Schaden von knapp 200 Millionen Euro.

Volkswirtschaftliche Kosten in dieser Höhe seien nicht ungefährlich für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft, vor allem in Anbetracht des scharfen internationalen Wettbewerbs, warnen die Arbeitsmarktforscher des IAB.

Zudem beobachteten die Wissenschaftler regionale Unterschiede. Während Unternehmen im Rheinland vermutlich aufgrund der ausgeprägten Spaßkultur besonders betroffen sind, lassen Belegschaften in Baden-Württemberg den 1. April häufiger ohne Zwischenfälle verstreichen.

Zur Einschätzung der langfristigen Folgen von Aprilscherzen seien weitere Studien nötig. "Ein denkbarer Langzeitschaden könnte sein, dass Vertrauensverlust in der Belegschaft entsteht, der innerbetriebliche Abstimmungsprozesse erschwert und damit die Produktivität mindert", geben die Experten des IAB zu bedenken. Nicht zu unterschätzen sei auch die Praxis mancher Unternehmen, am 1. April Fehlinformationen in die Öffentlichkeit zu tragen. Dies könnte das Vertrauen in die Marke langfristig schädigen.

Die Ergebnisse der Studie beruhen nach Angaben des Instituts auf einer putativen Repräsentativitätsgenese (PRG).

Quelle:
PM des IAB vom 01.04.2011

© arbeitsrecht.de - (ck)


Anmerkung der Online-Redaktion:

Der Ausdruck »putative Repräsentativitätsgenese« läßt sich aus unserer Sicht am treffendsten mit »Milchmädchenrechnung« übersetzen. Wir wünschen Ihnen einen schönen 1. April - und lassen Sie sich nicht veralbern!

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