Arbeit & Politik

Vorerst keine gesetzliche Frauenquote

Nach Beratungen zwischen Regierungsvertretern und Personalvorständen deutscher Konzerne steht fest: Die Frauenquote kommt, zunächst freiwillig. Wie viele Frauen in die Führungsetagen wandern, bestimmen die Unternehmen selbst.

Bei einem Spitzentreffen zwischen Personalvorständen der Dax-30-Unternehmen und den Bundesministern für Frauen und Familien, für Arbeit und Soziales, für Wirtschaft und für Justiz hat sich offenbar Familienministerin Kristina Schröder gegen ihre Kabinettskollegin Ursula von der Leyen durchgesetzt. Der von Schröder vorgestellte Stufenplan "Mehr Frauen - mehr Vielfalt" werde von den Unternehmen aufgegriffen und unterstützt, heißt es in einer Mitteilung ihres Ministeriums. Ziel des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) ist eine gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung für Unternehmen, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen.

Nach Frauen in obersten Vorstandsetagen und in Aufsichtsräten müsste man noch immer mit der Lupe suchen, kritisierte die Familienministerin. Das soll sich bis 2013 verbessern, dann wird die so genannte "FlexiQuote" wirksam, wenn sich bundesweit zu einem bestimmten Stichtag der durchschnittliche Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten nicht verdreifacht hat. "Durch die FlexiQuote tritt an die Stelle der bisherigen freiwilligen Selbstverpflichtungen eine gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung," sagte die Bundesfamilienministerin.

Unternehmen ab einer bestimmten Größe werden dazu verpflichtet, sich selbst eine Quote zu geben und diese auch zu veröffentlichen. Daraus wird unter anderem klar ersichtlich werden, welches Unternehmen ambitioniert ist und auf einen hohen Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und Geschäftsführungen Wert legt. Auf diese Weise wird der Wettbewerb zwischen den Unternehmen angeregt und die öffentliche Diskussion über faire Chancen angestoßen.

Bundesarbeitsministerin (BMAS) Ursula von der Leyen hatte dagegen einen gesetzlich festgelegten 30-prozentigen Frauenanteil in Führungspositionen ab 2020 gefordert. Sie erklärte nach dem Treffen in Berlin, dass die getroffenen Vereinbarungen erst der Anfang eines Prozesses seien. Der Wirtschaftsstandort Deutschland sei auch davon abhängig, wie Männer und Frauen gleichermaßen nach ihren Talenten gefördert und gebraucht werden. Die bisherigen Resultate in Sachen Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen hatte von der Leyen in einem Interview mitt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit "Nullkommanichts" bezeichnet.

Quelle:
PM des BMFSFJ und des BMAS vom 30.03.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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