Arbeit & Politik

OECD: Mit Rentenreformen gegen den demografischen Wandel

In etwa der Hälfte aller OECD-Länder müssen die Menschen künftig länger arbeiten, bevor sie in Rente gehen können. Im Durchschnitt gehen Männer mit 63 und Frauen mit 62 Jahren in den Ruhestand.

In vielen Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist das Renteneintrittsalter bereits angehoben oder eine Anhebung geplant. In 18 Staaten müssen Frauen künftig länger arbeiten als bisher, Männer werden in 14 Staaten später in Rente gehen. Diese Maßnahmen reichen jedoch nicht aus, um den Druck der Bevölkerungsentwicklung auf die nationalen Rentensysteme auszugleichen. Das zeigt der jüngste Bericht der OECD zur Alterssicherung in 42 Industrie- und Schwellenländern, "Renten auf einen Blick“.

Im OECD-Durchschnitt lag das gesetzliche Rentenalter 2010 bei 62,9 Jahren für Männer und 61,8 Jahren für Frauen. 1950 kam der Ruhestand bei Männern erst nach ihrem 64. Lebensjahr und bei Frauen im Schnitt nach dem 63. Geburtstag. Die aktuellen Erhöhungen – so die Einschätzung im OECD-Bericht – kompensieren vor allem die zuvor über mehrere Jahrzehnte erfolgte Senkung des Renteneintrittsalters. Der demographischen Entwicklung tragen sie nur bedingt Rechnung.



Die Rentenbezugszeit steigt mit der Lebenserwartung der Menschen kontinuierlich an: In Deutschland leben Männer heute ab dem gesetzlichen Renteneintritt noch durchschnittlich 17 Jahre (Frauen 20,7), 2050 werden sie den Prognosen nach schon für 20,3 Jahre Rente beziehen (Frauen 24,4). Aktuell kommen noch etwas mehr als vier Erwerbstätige auf einen Rentner (in Deutschland drei), 2050 werden es OECD-weit nur noch zwei sein. Ohne Reformen würden im Jahr 2060 etwa 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Renten fließen – das ist doppelt so viel wie heute.

In den meisten OECD-Ländern erfolgt der tatsächliche Ausstieg aus dem Berufsleben wesentlich früher, als es das offizielle Renteneinstiegsalter vorsehen würde. Viele Regierungen haben in jüngster Zeit versucht, dieser Tendenz mit Rentenreformen entgegenzuwirken. Einige Rentensysteme geben aber immer noch erhebliche Anreize: Frührente ohne (nennenswerte) Abzüge, eine begrenzte Anzahl von Jahren, in denen man Rentenansprüche erwerben kann oder die Berechnung der Rentenansprüche auf Basis des höchsten Gehaltes (anstelle des Querschnitts aus allen Berufsjahren) können dazu beitragen, dass Arbeitnehmer vorzeitig in Ruhestand gehen.

Als weiteres Problem bezeichnet der Bericht Fälle von Altersdiskriminierung. Neben den subjektiven Vorurteilen spreche von Arbeitgeberseite oft ein weiterer Faktor gegen ältere Arbeiter: die vergleichsweise höheren Kosten. Steigt der Lohn stärker als die Produktivität, ist das für viele Arbeitgeber ein Grund, jüngere und ergo billigere Arbeitskräfte einzustellen. Es sei fraglich, ob Lohnsteigerungen, die ausschließlich auf dem Alter der Angestellten basieren, sinnvoll sind.

Arbeitsbedingungen müssen auf die Bedürfnisse älterer Beschäftigter abgestimmt sein: flexible Arbeitszeiten, Weiterbildung, verbesserter betriebliche Gesundheitsvorsorge und aktive Karriereberatung müssen selbstverständlich werden. Deutschland habe mit seiner „Initiative neue Qualität der Arbeit“ eine Vorreiterrolle inne. Dass Ältere Jüngeren den Arbeitsplatz wegnehmen, sei ein Vorurteil. Statistiken zeigen, dass eine positive Beziehung zwischen den Einstellungszahlen der unterschiedlichen Generationen herrscht. Länder, die ältere Menschen erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren, schaffen das laut OECD-Rentenexpertin Monika Queisser in der Regel auch bei jüngeren. 


Quelle:
PM der OECD vom 17.03.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)


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