Arbeit & Politik

Privatinsolvenzen auf Höchststand

2010 gab es mit 139.110 Fällen mehr Privatinsolvenzen als je zuvor in Deutschland. Betroffen sind vor allem jüngere Bundesbürger. Die durchschnittliche Schuldenhöhe in der Privatinsolvenz lag bei knapp 33.000 Euro.

Fast jede dritte (32,1 Prozent) Privatinsolvenz betraf im Jahr 2010 die Altersgruppe der 46- bis 60-Jährigen. Bei den 36- bis 45-Jährigen liegt der Anteil bei 30,9 Prozent. Bei den Best Agern ab 60 Jahren fällt dieser mit 6,9 Prozent wesentlich geringer aus. Gegenüber 2009 sei deren Pleitetendenz sogar um zehn Prozent rückläufig, heißt es in einer Mitteilung zum Schuldenbarometer 2010 des Wirtschaftsberatungsunternehmens Bürgel. Bei den jungen Erwachsenen von 18 bis 25 Jahren ist der Anteil mit 6,4 Prozent an der Insolvenzstatistik am geringsten. In dieser Gruppe liegt auch die statistische Schuldensumme unter dem Bundesdurchschnitt. Die Zahl der Gläubiger ist jedoch größer als beim durchschnittlichen Insolvenzschuldner. Neben der zweistelligen Zunahme an Fallzahlen in diesem Segment gegenüber 2009 (plus 27 Prozent) steigt auch die Quote bei den 26- bis 35-Jährigen um plus 10,7 Prozent.

Hauptursachen für Privatinsolvenz sind Arbeitslosigkeit, dauerhaftes Niedrigeinkommen, gescheiterte Selbstständigkeit, Trennung und Scheidung. Außerdem führen mangelnde Erfahrungen im Umgang mit Finanzen und Banken, unpassendes Konsumverhalten und Einkommensrückgang statistisch oft in die Schuldenfalle.

58,8 Prozent aller Privatinsolvenzen sind von Männern verschuldet – ein Trend, der sich nahezu durch alle Altersgruppen zieht. Besonders stark ist das Geschlechter-Ungleichgewicht bei den Über-60-Jährigen mit einem Männeranteil von 61,5 Prozent ausgeprägt. Einzige Ausnahme bilden die 18- bis 25-Jährigen: Hier liegt der Frauenanteil höher (53,9 Prozent). Die stärkste Risikogruppe bei diesen jungen Erwachsenen sind die allein erziehenden Frauen. Sind Familien von Überschuldung betroffen, suchen hingegen eher Männer die Beratungsstellen auf.

Absolut gesehen ist das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 30.228 Fällen am meisten von Privatpleiten belastet. Bezogen auf die Einwohnerzahl zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild mit einem ausgeprägten Nord-Süd-Gefälle. Hier führt Bremen mit 307 Fällen je 100.000 Einwohnern im Insolvenz-Ranking, gefolgt von Niedersachsen (230), Schleswig-Holstein (225) und dem Saarland (212). Am besten stehen indes die südlichen Bundesländer da: Bayern mit 125 Privatpleiten je 100.000 Einwohnern, Baden-Württemberg (136) und Thüringen (137) verzeichnen hier die geringsten Werte. Nur in drei Bundesländern ist die Zahl der Privatinsolvenzen zurückgegangen.


Quelle:
PM der Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG vom 22.02.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik

Neues Insolvenzrecht soll auch Arbeitnehmerinteressen stärken

03.03.2011 | Das Bundeskabinett hat einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Insolvenzrechts vorgelegt. Künftig soll der Einfluss der Gläubiger im Insolvenzverfahren stärker sein. Daraus resultieren einige wichtige Änderungen für Arbeitnehmer.  [mehr]

Zahlreiche Klagen von Mitarbeitern der City BKK

30.06.2011 | Die City BKK ist Pleite. Was das für Kunden bedeutet, ist seit Wochen ein heiß diskutiertes Thema. Aber nicht nur Versicherte sind von der Inslovenz betroffen. Viele Mitarbeiter stehen ab Juli ohne Job da.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

Arbeitnehmer als GmbH-GesellschafterInsolvenzrechtliche Einordnung von Gehaltsforderungen

22.05.2012 | Macht ein Arbeitnehmer einer GmbH, deren Mitgesellschafter er zu einem Drittel ist, über mehrere Jahre offene Nettolohnansprüche nicht geltend, entspricht dies wirtschaftlich einem Gesellschafterdarlehen. Dies hat zur Folge, dass die Ansprüche nur als nachrangige Insolvenzforderung zur Insolvenztabelle angemeldet werden können.  [mehr]

Insolvenzanfechtung Mitarbeiter dürfen bar ausgezahltes Gehalt behalten

29.01.2014 | Ein zahlungsunfähiger Arbeitgeber handelt nicht zwingend mit Benachteiligungsvorsatz zu Lasten seiner Gläubiger, wenn er noch kurz vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens seine Mitarbeiter im Wege des Bargeschäfts weiterbezahlt. Der Insolvenzverwalter kann das Gehalt daher nicht von den Arbeitnehmern herausverlangen.  [mehr]

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Insolvenzgeld

29.01.2010 | Ansprüche auf Arbeitsvergütung vor der Insolvenzeröffnung stellen nur (einfache) Insolvenzforderungen dar  [mehr]

Insolvenz: Arbeitnehmeransprüche und Handlungsmöglichkeiten des Betriebsrats (05/2009)

11.03.2009 | In der aktuellen Wirtschaftskrise steigt die Zahl der gewerblichen Insolvenzen. Der Newsletter zeigt, was die Betriebsräte betroffener Unternehmen über das Verfahren wissen müssen.  [mehr]

Insolvenzgeld (17/2001)

19.09.2001 | Zu den Leistungen der Arbeitsförderung gehört auch das Insolvenzgeld. Arbeitnehmer erhalten nach § 3 I Ziff. 10 SGB III 1 Insolvenzgeld bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers.  [mehr]