Arbeit & Politik

Normalarbeitsverhältnis ist kein Auslaufmodell

Leiharbeit, befristete Beschäftigung und andere atypische Beschäftigungsverhältnisse betreffen zwar mehr Arbeitnehmer als früher. Dennoch ist das Normalarbeitsverhältnis kein Auslaufmodell. Die sozialversicherungspflichtige, unbefristete Vollzeitbeschäftigung außerhalb der Leiharbeit ist weiterhin der Regelfall.

Das Normalarbeitsverhältnis ist laut Ulrich Walwei, Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), zwar nicht mehr so dominierend wie früher. Es sei jedoch kein Auslaufmodell. In den letzten Jahren sei die Beschäftigung in vielerlei Hinsicht flexibler geworden. Und so sehe auch das sogenannte Normalarbeitsverhältnis mittlerweile anders aus als noch vor zwanzig Jahren. Gerade die jüngste Wirtschaftskrise habe gezeigt, dass in Deutschland heute verschiedene Elemente der Normalarbeit viel stärker mit der Konjunktur atmen als früher: Tarifverträge sehen flexible Entlohnungs- und Arbeitszeitkomponenten vor, Betriebe vereinbaren mit ihren Belegschaften Arbeitszeitkonten sowie beschäftigungssichernde Maßnahmen im Krisenfall, und bei starken Nachfrageeinbrüchen wird die Kurzarbeit genutzt, um gut eingearbeitete und motivierte Arbeitskräfte zu halten.

Zwar gibt es mehr Leiharbeiter und häufiger Teilzeitarbeitsplätze sowie mehr befristete Beschäftigungsverhältnisse. Dennoch beträgt der Anteil der Normalarbeitsverhältnisse an der Erwerbstätigkeit rund 60 Prozent. Auch die durchschnittliche Beschäftigungsdauer hat sich kaum verändert. Sie liegt immer noch bei rund zehn Jahren. Die große Mehrheit der Arbeitnehmer erfreue sich weiterhin langer Betriebszugehörigkeiten und stabiler Arbeitsplätze, heißt es in einer Mitteilung des IAB.

Umso stärker werde der Kontrast aber von denen empfunden, deren Beschäftigungsverhältnisse mit einer höheren Unsicherheit verbunden sind. So seien in der Leiharbeit die Beschäftigungsdauern in der Regel nur sehr kurz. Mehr als die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse ende nach weniger als drei Monaten. Zudem hätten die Leiharbeiter einen Lohnnachteil von rund 20 Prozent gegenüber vergleichbaren Kollegen der Stammbelegschaften. Auch die befristete Beschäftigung habe deutlich zugenommen. Während vor zehn Jahren noch nicht einmal jede dritte Neueinstellung befristet war, ist es mittlerweile fast die Hälfte aller Arbeitsverhältnisse, das sind rund 2,7 Millionen befristet Beschäftigte.

Neue Befragungsergebnisse des IAB zeigen, dass sich Leiharbeiter und befristet Beschäftigte weniger in die Gesellschaft integriert fühlen als Festangestellte. Verglichen mit Leiharbeitern fühlen sich befristet Beschäftigte etwas besser integriert. Das Teilhabe-Empfinden von Selbstständigen ist am stärksten ausgeprägt, knapp gefolgt von dem der unbefristet Beschäftigten. Stabile Integration in den Arbeitsmarkt gilt als wesentliche Bedingung für gesellschaftliche Teilhabe. Ostdeutsche fühlen sich über alle Beschäftigtengruppen hinweg von der Gesellschaft eher ausgeschlossen als Westdeutsche. In der Gruppe der Leiharbeiter ist der Unterschied zwischen Ost und West am deutlichsten. Neben dem besonders hohen Maß an Beschäftigungsunsicherheit könnte die geringe Entlohnung der Beschäftigten in der Zeitarbeitsbranche in Ostdeutschland eine Rolle spielen, vermuten die Arbeitsmarktforscher. Die Befragungsergebnisse untermauern laut IAB-Forscherin Stefanie Gundert die Annahme, dass Erwerbstätigkeit mit dem Gefühl sozialer Teilhabe Hand in Hand gehe.


Quelle:
PM des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 03.03.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)


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