Arbeit & Politik

14 EU-Staaten erhöhen Mindestlöhne

In 20 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gibt es allgemeine gesetzliche Mindestlöhne. Zwölf Staaten haben die untere Lohngrenze zum Jahresbeginn 2011 angehoben, in zwei weiteren wurde der Mindestlohn im Herbst 2010 erhöht. Das geht aus dem Mindestlohnbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts hervor.

Die Mindestlohnentwicklung in vielen Ländern stand "nach wie vor unter dem Vorzeichen der Krise". Zu diesem Schluss kommt Thorsten Schulten, Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Die nominalen Erhöhungen fielen oft geringer aus als in den Vorjahren. Nach Abzug der Inflation seien die Zuwächse bescheiden gewesen, in einigen Ländern hätten die Mindestlöhne sogar real an Wert verloren. Das war beispielsweise in Frankreich, Belgien oder Großbritannien der Fall, wo die Mindestlöhne real um 0,1 bis 1,1 Prozent zurückgingen. 



Einige Staaten, etwa Griechenland oder Tschechien, haben ihre Lohnuntergrenze eingefroren.  Irland hat den Mindestlohn zum 1. Februar 2011 sogar gesenkt - laut Schulten ein Novum in der europäischen Mindestlohngeschichte. Es gab allerdings auch Ausnahmen vom Trend: Slowenien erhöhte seinen Mindestlohn um gut ein Viertel, in Luxemburg, Polen, Ungarn, Lettland und Rumänien stiegen die Lohnminima um vier bis elf Prozent.

In den größeren westeuropäischen Euro-Ländern reicht die Spanne der untersten erlaubten Stundenlöhne nun von 7,65 Euro brutto in Irland (bis zum 31.1. 2011: 8,65 Euro) über 8,58 Euro in Belgien und 8,74 Euro in den Niederlanden bis zu neun Euro in Frankreich. Luxemburg hat mit 10,16 Euro den höchsten Mindestlohn in Europa. Der britische Mindestlohn beträgt umgerechnet 6,91 Euro. Allerdings ist dieser Wert stark von der anhaltenden Schwäche des Pfunds beeinflusst. "Ohne die Abwertungen seit 2007 würde der britische Mindeststundenlohn heute bei umgerechnet 8,67 Euro liegen", erklärt Schulten.

Die südeuropäischen EU-Staaten haben Lohnuntergrenzen zwischen 2,92 Euro in Portugal und 4,28 Euro in Griechenland. Etwas darüber liegt mit 4,32 Euro erstmals ein EU-Beitrittsstaat aus Osteuropa - Slowenien. In den übrigen mittel- und osteuropäischen Staaten sind die Mindestlöhne deutlich niedriger. Sie reichen von 0,71 Euro in Bulgarien bis 1,85 Euro in Polen. Allerdings haben die meisten dieser Länder über einen längeren Zeitraum aufgeholt, weil die Mindestlöhne dort schneller stiegen. Zudem spiegeln die Mindestlöhne zum Teil die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten wider, zeigt Schultens Untersuchung. Legt man Kaufkraftparitäten zugrunde, reduziert sich das Verhältnis zwischen dem niedrigsten und dem höchsten gesetzlichen Mindestlohn in der EU von 1:14 auf etwa 1:7.

Außerhalb der EU verfügen nach Daten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) rund 80 weitere Staaten über eine allgemeine Untergrenze für Löhne. Nach Einschätzung von Tarifexperte Schulten ein deutliches Indiz, dass gesetzliche Mindestlöhne weltweit zu den etablierten Instrumenten bei der Regulierung des Arbeitsmarktes gehörenDas Lohnniveau reicht von umgerechnet 1,03 Euro in Brasilien über 6,28 Euro in Japan bis zu 10,40 Euro in Australien. Dieser hohe Euro-Wert beruht allerdings zum Teil auf der Stärke des Australischen Dollars.     

Kürzlich widerlegten Forscher der US-Universität Berkeley in einer umfassenden Studie die Befürchtung, Mindestlöhne würden sich negativ auf die Beschäftigung auswirken. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Lohnuntergrenzen in den USA die Einkommen in Niedriglohnbranchen erhöht haben, ohne dass Jobs verloren gingen. 

Quelle:
PM der Hans-Böckler-Stiftung vom 03.03.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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