Arbeit & Politik

Frauen an die Macht

Selbstverpflichtung oder Vorschrift? Die EU-Kommission hat mit börsennotierten Unternehmen beraten, wie der Frauenanteil auf Führungsebene erhöht werden kann.

Frauen stellen in den größten börsennotierten Unternehmen im EU-Durchschnitt zwölf Prozent der Vorstandsmitglieder und nur drei Prozent der Vorstandsvorsitzenden. Zu diesem Ergebnis kommt ein von der Europäischen Kommission vorgestellter Bericht über das Geschlechtergleichgewicht. Anläßlich eines Treffen mit Geschäftsführern und Vorstandsvorsitzenden aus Unternehmen in zehn EU-Ländern zu dem Thema sagte Justizkommissarin Vivane Reding: "Ich glaube, dass Selbstverpflichtungen schon etwas ändern könnten, wenn sie glaubwürdig sind und in ganz Europa Wirkung zeigen."

Der Geschlechtergleichstellungsbericht für 2010 betont, dass zwar überall positive Trends erkennbar sind. Das Ziel eines ausgewogenen Geschlechterverhältnisses mit einem Mindestanteil von 40 Prozent eines Geschlechts kommt nur langsam voran. Der Meinungsaustausch mit Unternehmen und Sozialpartnern und die neuen Zahlen dienen der Kommission als Grundlage für weitere Entscheidungen, wie das Gleichgewicht der Geschlechter in Leitungsgremien verbessert werden kann. "Ich möchte eine klare Botschaft an die europäischen Unternehmen richten: Frauen sind ein Gewinn", sagte Kommissarin Reding. Mehr Frauen (59 Prozent) als Männer (41 Prozent) erwerben in Europa heutzutage einen Universitätsabschluss, auf der Karriereleiter fallen sie jedoch hinter die Männer zurück, heißt es in einer Mitteilung der Kommission. Das bedeute, dass das Arbeitskräftepotenzial für die Wirtschaft nicht voll genutzt werde, obwohl Unternehmen von mehr Frauen in Führungspositionen profitieren könnten. Eine Reihe von Studien weist auf Zusammenhänge zwischen Geschlechtergleichgewicht und hervorragenden Leistungen in den Bereichen Kreativität, Innovation, Rechnungslegung, Audit und interne Revision hin.

Finnland, Schweden, die Niederlande und Dänemark haben Corporate-Governance-Kodizes sowie - zum Teil ergänzend -  freiwillige Vorgaben eingeführt, die zu einem höheren Frauenanteil in den Vorstandsetagen geführt haben. In Norwegen sind bereits gesetzliche Quoten vorhanden, in Frankreich und Spanien hat man diese beschlossen. In den Niederlanden, Italien und Belgien wird eine Einführung diskutiert.

Die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen und Männern an Entscheidungsprozessen ist eines der Ziele der "Charta für Frauen", die von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Vizepräsidentin Reding im März 2010 initiiert wurde. Im September 2010 nahm die Kommission zur Bekräftigung ihres Engagements eine Strategie zur Chancengleichheit für die nächsten fünf Jahre an, in der gezielte Initiativen für mehr Frauen in Entscheidungspositionen in der Wirtschaft enthalten sind.

Über die nächsten zwölf Monate wird die Kommission den Fortschritt genau beobachten, danach wird sie entscheiden, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind. Reding sagte, sie werde das Thema in einem Jahr noch einmal aufgreifen. Wenn die Selbstverpflichtungen wirkungslos seien, werde sie weitere Maßnahmen auf EU-Ebene ergreifen.

Quelle:
PM der EU-Kommission vom 02.03.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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