Arbeit & Politik

29 Euro für eine Stunde Arbeit

Deutschland liegt bei den Arbeitskosten für die Privatwirtschaft weiterhin im Mittelfeld der EU-Staaten - im Jahr 2009 mit 29 Euro pro Arbeitsstunde an siebter Stelle. Seit zehn Jahren ist die Entwicklung moderat und rangiert unterhalb des EU-Durchschnittswertes.

2009 sind die Arbeitskosten der Privatwirtschaft (Industrie und privater Dienstleistungsbereich) in der Bundesrepublik mit einem Plus von 2,3 Prozent langsamer gestiegen als im Durchschnitt der Eurozone, wo der Zuwachs 2,9 Prozent betrug. Zu den Arbeitskosten zählen neben dem Bruttolohn die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen sowie als Arbeitskosten geltende Steuern. 

Im Verarbeitenden Gewerbe betrugen 2009 die Arbeitskosten in Deutschland 33,10 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde. Im EU-Vergleich steht die Bundesrepublik damit an dritter Stelle als Teil einer größeren Gruppe von Industrieländern, die mit knapp 31 bis knapp 39 Euro pro Stunde über dem Euroraum-Durchschnitt liegen, darunter etwa Frankreich, Belgien und Schweden. Im privaten Dienstleistungssektor lagen die deutschen Arbeitskosten mit 26,50 Euro an achter Stelle nach den Benelux-Ländern, den skandinavischen Staaten und Frankreich. 



Der kurzfristig stärkere Anstieg der deutschen Arbeitskosten in der Frühphase der Wirtschaftskrise, verursacht durch die drastische Arbeitszeitverkürzung zum Beschäftigungserhalt, hat sich bis zum dritten Quartal 2010 weitgehend zurückgebildet. Auch die Entwicklung der Lohnstückkosten hat sich nach einem kurzfristigen stärkeren Anstieg, der ebenfalls die erfolgreiche Beschäftigungssicherung in der Krise widerspiegelt, wieder dem langfristigen, im Euroraum-Vergleich unterdurchschnittlichen Trend angeglichen. Zu diesen Ergebnissen kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung auf Basis der neuesten verfügbaren Daten.

Die aktuelle Entwicklung der deutschen Arbeitskosten setzt den moderaten Trend des vergangenen Jahrzehnts fort, zeigt die längerfristige Analyse des IMK: Zwischen 2000 und 2009 stiegen die deutschen Arbeitskosten nominal um durchschnittlich 1,9 Prozent pro Jahr. Im Durchschnitt des Euroraums mit 12 Ländern betrug die jährliche Zunahme hingegen 2,9 Prozent. In Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien oder Spanien stiegen die Arbeitskosten um 3,5 bis 4,5 Prozent im Jahresdurchschnitt. In EU-Beitrittsländern wie Slowenien, der Tschechischen Republik oder Ungarn waren es 6,9 bis 8,9 Prozent.

Quelle:
PM der Hans-Böckler-Stiftung vom 01.03.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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