Arbeit & Politik
Einkommensumverteilung schwächt den privaten Verbrauch
Die Schwäche des privaten Konsums in Deutschland hängt mit der ungleichen Entwicklung der Einkommen zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in einer aktuellen Studie.
Das Einkommensgefüge hat sich zugunsten der Einkünfte aus Unternehmertätigkeit und Vermögen und damit zugunsten der einkommensstarken Haushalte verschoben. Diese Haushalte sparen überdurchschnittlich viel und konsumieren vergleichsweise wenig.
Der private Verbrauch in Deutschland entwickelt sich seit längerer Zeit nur schwach. Dies war besonders im letzten Aufschwung vor der Finanzkrise zu beobachten. So stiegen die verfügbaren Einkommen, zugleich nahm aber auch die Sparneigung zu - das Vermögen wird also nicht in den Aufschwung gesteckt. Dieses Verhalten sei nicht unüblich. Denn bei einer guten Konjunktur wird im Durchschnitt mehr gespart, weil die Verbraucher für schlechte Zeiten vorsorgen.
Der Anstieg der Sparquote ist laut DIW-Experte Karl Brenke in erster Linie auf die wachsende Ungleichheit der Einkommensverteilung zurückzuführen. Denn die Einkommen der gut verdienenden Haushalte haben überdurchschnittlich zugenommen, und diese Haushalte sparen besonders viel und in zunehmendem Maße. Haushalte mit einem eher geringen Einkommen haben dagegen nicht vermehrt gespart. Vier Fünftel der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen sparen sogar überhaupt nichts. Es sind also gerade die unteren Einkommensbezieher, die einen Großteil ihres Einkommens in den Konsum stecken - und deren Einkommen blieben zurück.
Das gesamtwirtschaftliche Konsum- und Sparverhalten habe sich also durch die Einkommensumverteilung verändert. Das dämpft die Konjunktur, so Brenke, zumal die höheren Ersparnisse offenbar auch nicht zur Ankurbelung der in Deutschland seit Jahren nur schwachen Investitionstätigkeit dienen. Vielmehr fließt viel Kapital ins Ausland ab. Deutschland lebe unter seinen Verhältnissen. Allerdings hatte der private Konsum hierzulande oft nur eine die Konjunktur stabilisierende Wirkung und war in der Regel nicht die treibende Kraft der Konjunktur.
Löhne bleiben zurück
Bereits seit Ende der Neunziger Jahre zeigt sich die Tendenz, dass einkommensstarke Haushalte ihre Einkommen überdurchschnittlich steigern konnten. Dieser Trend hat sich ab Mitte des letzten Jahrzehnts noch verstärkt. Die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen legten stark zu, und solche Einkünfte haben vor allem die einkommensstarken Haushalte. Die Lohnsumme stagnierte dagegen weitgehend – auch im Aufschwung. Die Lohnbezieher hätten insgesamt kaum von der Wirtschaftsentwicklung profitiert, heißt es in einer Mitteilung des DIW. In der jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise sei der Anteil der Löhne am Volkseinkommen zwar vorübergehend gewachsen – aber nur, weil die Einkünfte aus Unternehmertätigkeit und Vermögen stärker von der Finanzkrise betroffen waren. In jüngster Zeit ziehen diese aber wieder stark an, und die Löhne hinken hinterher.
Quelle:
PM des DIW vom 23.02.2011
© arbeitsrecht.de - (mst)
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