Arbeit & Politik

Immer mehr Stress im Job

In den letzten zehn Jahren ist der arbeitsbedingte Stress in neun Mitgliedstaaten laut EU-Kommission gestiegen und lediglich in Schweden zurückgegangen. Deutschland ist bei der Stressbekämpfung hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Nach jüngsten Studien dürften 50 bis 60 Prozent aller Ausfalltage mit Stress in Verbindung stehen. Die wichtigsten Stressfaktoren sind Arbeitsanforderungen, mangelnder Handlungsspielraum, soziale Beziehungen, emotionale Anforderungen, Wertkonflikte und ethische Konflikte sowie Unsicherheit des Arbeitsplatzes. Im Lauf der Zeit haben diese Faktoren an Bedeutung zugenommen. So ist beispielsweise der Anteil der Arbeitnehmer, die nach eigenen Angaben zumindest ein Viertel ihrer Arbeitszeit unter großem Zeitdruck stehen oder einer hohen Arbeitsgeschwindigkeit ausgesetzt sind, von 50 Prozent im Jahr 1991 auf über 60 Prozent im Jahr 2005 angestiegen und seitdem gleich geblieben. Das geht aus einer Bewertung der Vereinbarung zwischen den europäischen Sozialpartnern zu arbeitsbedingtem Stress hervor, die die Europäische Kommission veröffentlicht hat.

Seit 2004 besteht zwischen den europäischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen die Vereinbarung, die ein Minimum an Schutz vor Stress am Arbeitsplatz gewährleisten soll. Die Europäische Kommission hat eine insgesamt positive Bilanz gezogen. In zwölf Mitgliedstaaten konnten Verbesserungen erreicht werden. Heute verfügen 19 Mitgliedstaaten über Rechtsvorschriften oder verbindliche Tarifvereinbarungen, die sich mit arbeitsbedingtem Stress befassen. Regelungen zu arbeitsbedingten Stress wurden auf unterschiedliche Weise in Tarifvereinbarungen oder allgemeinen Sozialpartnervereinbarungen, in Leitlinien oder Rechtsvorschriften verankert.

Beschäftigungskommissar László Andor sagte bei der Vorstellung der Bewertung: "Ich möchte die Arbeitgeber und Arbeitnehmer auffordern, ihre konstruktive Arbeit fortzusetzen und sich mit den Mängeln vor allem in den Ländern zu befassen, in denen gemeinsame Maßnahmen bisher nur in begrenztem Umfang durchgeführt wurden." Die Sozialpartner in Malta, Zypern, Polen und Slowenien haben nicht berichtet, wie sie ihren Verpflichtungen nachgekommen sind. Neben Deutschland sind Bulgarien, die Tschechische Republik und Estland hinter den Erwartungen zurückgeblieben. 

Quelle:
PM der EU-Kommission vom 24.02.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik

Betriebsräte als Lotsen

04.11.2011 | Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat beruflichen Stress zu einer der größten Gefahren des 21.Jahrhunderts erklärt. Eine Arbeitshilfe der IG Metall von AiBplus-Autorin Michaela Böhm soll Betriebsräte beim Thema "Psychische Erkrankungen" unterstützen.  [mehr]

Kündigungsfrist an Beschäftigungszeit koppeln

04.04.2011 | Das Thema Kündigungsschutz wird demnächst den Ausschuss für Arbeit und Soziales beschäftigen. Nach dem Willen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen sollen Beschäftigungszeiten vor dem 25. Lebensjahr zukünftig bei der Berechnung von Kündigungsfristen berücksichtigt werden.  [mehr]

Wirtschaftskrise: Optimismus bei Europäern ungebrochen

05.08.2011 | Die Europäer beurteilen die Wirtschaftsaussichten weiterhin optimistisch. Allerdings hält nur knapp die Hälfte der Deutschen den Höhepunkt der Krise für überschritten. Im Vergleich zum Herbst letzten Jahres ist das ein Rückgang von über fünf Prozentpunkten.  [mehr]

HIV und Arbeit

01.12.2010 | Zum Welt-Aids-Tag hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler die neue Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter dem Motto "Positiv zusammen leben – aber sicher!" gestartet. Einer der Schwerpunkte: Der Umgang mit der Krankheit am Arbeitsplatz.  [mehr]

Zurück ins Arbeitsleben

03.02.2011 | Krankenrückkehrgespräche führen häufig zu Misstrauen zwischen Führungskräften und ihren Mitarbeitern. Sie verbessern weder das Betriebsklima noch die Führungskultur. Das geht aus einer Auswertung entsprechender Betriebsvereinbarungen seitens der Hans-Böcker-Stiftung hervor.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

EuGH: Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub verfällt nicht wegen Krankheit

21.01.2009 | Ein Arbeitnehmer verliert nicht seinen Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub, wenn er wegen Krankheit nicht ausüben konnte. Der nicht genommene Jahresurlaub ist abzugelten.  [mehr]

Missbrauch von ausländischem Attest für verlängerten Urlaub

27.07.2010 | Erscheint ein Mitarbeiter nach dem Urlaub nicht zur Arbeit und legt zur Entschuldigung ein am Urlaubsort ausgestelltes ausländisches Attest vor, sind Zweifel des Arbeitgebers an der Arbeitsunfähigkeit berechtigt, wenn der Inhalt der ärztlichen Bescheinigung unstimmig ist. Das entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz.  [mehr]

Gesetzgebung

AsylrechtFlüchtlinge sollen schon nach neun Monaten arbeiten dürfen

25.07.2012 | Das Arbeitsverbot für Asylbewerber wird voraussichtlich gelockert. Sie sollen künftig bereits nach neun Monaten statt wie bisher erst nach einem Jahr Aufenthalt einer Beschäftigung nachgehen dürfen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI) bestätigte dies gestern.  [mehr]

MediationsgesetzBundesrat akzeptiert Kompromissvorschlag

03.07.2012 | Das Gesetz zur Förderung der Mediation, das die Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung regelt und zugleich die Europäische Mediationsrichtlinie in nationales Recht umsetzt, kann nach mehrmonatigen Verhandlungen im Vermittlungsausschuss in Kraft treten.  [mehr]

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Chancengleichheit

29.01.2010 | Der Begriff der Chancengleichheit findet sich im Arbeitsrecht und im öffentlichen Dienstrecht in einer Vielzahl von Ausgestaltungen.  [mehr]

Anzeige- und Nachweispflicht bei Krankheit (20/2008)

24.09.2008 | Mit Beginn der kühleren Jahreszeit kann es leicht zu einer Erkältung kommen. Damit dies nicht auch zu unterkühlten Verhältnissen am Arbeitsplatz führt, sollten Sie bei einer Krankmeldung ein paar Spielregeln beachten.  [mehr]

Wissenswertes zum PflegezeitgesetzWohin mit Opa, wenn Mutter arbeiten muss? (01/2012)

11.01.2012 | Wenn in der Familie plötzlich ein Pflegefall auftritt, sehen sich die berufstätigen Angehörigen vor eine schwierige Situation gestellt. Hilfe bietet das Pflegezeitgesetz (PflegeZG), das bislang in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde. Rechtsanwältin Dörthe Hackbarth erläutert, welche Möglichkeiten das Gesetz für die Arbeitnehmer bereit hält.  [mehr]

Aus den Zeitschriften

Arbeitsrecht im Betrieb: Psychische Gesundheit erhalten!

23.09.2010 | Psychische Belastungen sind Ursache für viele körperliche und seelische Krankheiten. Betriebsräte können dagegen vorgehen, dass Beschäftigte durch überhöhten Leistungsdruck, geringe Anerkennung und unsichere Arbeitsbedingungen krank gemacht werden.  [mehr]

Arbeit und Recht: Rechtsschutz gestalten

26.09.2011 | Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat kürzlich zu Gunsten einer von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vertretenen Arbeitnehmerin das so genannte Whistleblowing als freie Meinungsäußerung geschützt. Der Fall zeigt, wie die Beteiligung der Gewerkschaften in EGMR-Verfahren funktionieren kann.  [mehr]