Arbeit & Politik

Kein flächendeckender Fachkräftemangel

Wirtschaft und Politik fürchten den Fachkräftemangel, Experten machen noch keine Bedrohung für deutsche Firmen aus. In Deutschland herrscht derzeit kein flächendeckendes Defizit an qualifizierten Arbeitskräften. Handlungsbedarf besteht nur in einigen Regionen und Berufsfeldern. Das ist das Fazit einer öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales.

Gegenstand der Anhörung am 21.02.2011 waren Anträge der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke. Die Grünen wirft der Bundesregierung vor, sie habe das wachsende Problem des Fachkräftemangels bisher "sträflich vernachlässigt". Sie habe weder Anreize für Qualifizierung und Weiterbildung geschaffen, noch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder das Anerkennungsverfahren ausländischer Abschlüsse verbessert.

Zwar waren die zur Anhörung geladenen Experten sich einig, dass schon jetzt verstärkt um Ältere, Menschen mit Migrationshintergrund und Frauen als Arbeitnehmer geworben werden muss. Frauen seien noch immer auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. So gebe es im internationalen Vergleich eine beispiellose Benachteiligung bei der Entlohnung. Frauen würden häufiger in Teilzeit oder Minijobs gedrängt und hätten es schwerer, in Führungspositionen zu kommen. "Wir brauchen die Frauenquote, um den gut ausgebildeten Frauen den Einstieg zu ermöglichen", sagte die Sachverständige Claudia Weinkopf.

Der Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) nannte Bildungs- und Ausbildungsdefizite als eines der Hauptprobleme. 16 Prozent der Erwerbstätigen sind laut DGB dauerhaft ohne Ausbildung. Das System grenzt laut Johannes Jakob offensichtlich eine große Gruppe aus. Zudem seien Teilzeitmodelle ein großes Problem, auch hätten Flexibilisierung, Leiharbeit und befristete Beschäftigung die Dequalifizierung vorangetrieben. Außerdem müssten die Minijobs abgeschafft werden, sagte Jakob. "Da sind wir uns ausnahmsweise mal mit fast allen Ökonomen einig."

Eine weitere Ursache für einen Mangel an Fachkräften stellt die Überalterung der Gesellschaft dar - und damit auch der Erwerbstätigen. Hier muss für dauerhafte Weiterbildungsangebote gesorgt werden.

Wie sich die Lage in Zukunft entwickeln wird, ist kaum absehbar. Aufgrund einer unzureichenden Datengrundlage können die bevorstehenden aktuell bereits auftauchenden Fachkräfteengpässe bislang nicht ausreichend präzise definiert werden, heißt es in der Stellungnahme von Klaus F. Zimmermann, Direktor des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Das gilt für die genaue Zahl fehlender Fachkräfte sowie für die Zuordnung nach Branchen oder gar Berufsfeldern. Weder die Lohnentwicklung noch die Zahl der offenen Stellen seien hinreichende Kriterien zur Ermittlung des tatsächlichen Fachkräftemangels. Politik und Wissenschaft müssten dringend Indikatormodelle entwickeln und erproben, die eine verlässlichere Diagnose ermöglichen.

Quelle:
PM des Deutschen Bundestages vom 21.02.2011, BT-Drucksache 17/3198

© arbeitsrecht.de - (mst)

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